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Ein tschechisches Abenteuer

Stadtrat Jörg Schlechte wirbt für einen günstigen Sonntagsausflug nach Leitmeritz – und fährt zum Beweis gleich mit.

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© Dominique Bielmeier

Von Dominique Bielmeier

Meißen/Litomerice. Wer sparen will, muss früh aufstehen. Manchmal im wahrsten Sinne des Wortes. Um 6.49 Uhr startet die S-Bahn vom Haltepunkt Meißen-Altstadt. Ziel: Litomerice in Tschechien, auch bekannt als Leitmeritz. Die Königsstadt am Zusammenfluss von Elbe und Eger ist nicht nur Partnerstadt Meißens, sondern, das sagt zumindest CDU-Stadtrat Jörg Schlechte, ein günstiger Sonntagsausflug für die Familie.

Um das zu beweisen, tritt er die Reise einfach selbst an. Mit im Gepäck: ein gutes Dutzend Freunde aus Meißen, darunter SPD-Stadtrat Matthias Rost und Ballonpilot Gerd Melchinger, außerdem fünf kleine Kinder, ein Kameramann von Meißen-TV und die SZ-Reporterin. Über Dresden und Ústí nad Labem soll die Fahrt gehen. Für den Preis von 33 Euro für fünf Personen – Kinder unter sechs Jahren fahren gratis mit – gibt es ein Elbe-Labe-Ticket beim VVO.

Ein Schiff wird kommen. Aber wo nur? Zeit: 9.04 Uhr, Geld: 33 Euro

Um kurz nach neun ist die erste Etappe geschafft: Nach einem Umstieg in Dresden hat der Zug Ústí nad Labem erreicht. Hier auszusteigen, ist eigentlich Quatsch, die Bahn würde bis Leitmeritz durchfahren. Aber die Weiterfahrt mit dem Schiff macht mehr Spaß. Nur: Wo ist das Schiff? Wer ihn nicht kennt, kann den Bus vor dem Bahnhof – der Zubringer zum Schiff – leicht übersehen. Ein Schild gibt es nicht. Für die Fahrt auf der Elbe sollen eigentlich noch einmal 1,50 Euro fällig werden, aber das Schiffspersonal ist kulant und akzeptiert unsere Tickets. Umso besser. Denn für 25 Tschechische Kronen, umgerechnet knapp ein Euro, gibt es hier schon das Bier (Pivo). Das Ersparte wird gleich investiert.

Eine Schifffahrt, die ist lehrreich. Zeit: 10.20 Uhr, Geld: Noch ein Pivo!

Nein, Ungeduld sollte man nicht mitbringen auf die Porta Bohemica. Erst um 10.20 Uhr tuckert sie endlich los. Knapp drei Stunden dauert die Fahrt nach Leitmeritz, einmal muss eine Staustufe überwunden werden, was das halbe Schiff fasziniert an den Bug lockt. Dazwischen bleibt genügend Zeit, die frische Luft an Deck zu genießen, ein paar Wiener für unter zwei Euro zu essen, und beim Anblick der vorbeiziehenden Freibäder mit Riesenrutschen zu philosophieren, warum so etwas in Meißen bloß nicht möglich ist. Ein paar Häppchen unnützes Wissen gefällig? In Ústi wurden die Gartenzwerge erfunden, der Berg dort heißt Radebeule (tschechisch Radobýl) und die Weinberge da drüben haben mal dem Kloster Altzella gehört. Um kurz vor eins sind die Türme der Kathedrale St. Stephan in Leitmeritz zu sehen – und das Knurren im Bauch wird langsam hörbar.

Was, keine Knödel mit Gulasch? Zeit: 13.10 Uhr, Geld: 10 – 20 Euro

Das Restaurant Dobrá basta befindet sich in einem Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Modern und trotzdem böhmisch deftig ist dagegen die Küche: Es gibt Hirschrollbraten, Fasan oder Schweinehals vom Grill. Nur die guten alten Knödel mit Gulasch fehlen auf der Speisekarte, was für etwas Enttäuschung sorgt. Dafür entschädigen die Preise: Zwischen 6 und 10 Euro kosten die meisten Hauptgerichte, das Bier ist unwesentlich teurer als auf dem Schiff. Für rund 5 Euro pro Person gibt es außerdem eine Verkostung von sechs tschechischen Weinen.

So viele Stufen! Zeit: 15.15 Uhr, Geld: 2 Euro

Zug, Schiff, Gaststätte: Zuviel gelaufen sind wir wirklich nicht. Das wird sich nun ändern. Bis zur Rückfahrt bleibt noch eine Stunde, und in die schöne Innenstadt will ja zumindest mal ein Blick geworfen werden. Das geht am besten von oben. Für umgerechnet 2 Euro darf man den Hussitenkelch, ein Türmchen auf dem Kelchhaus, besteigen. Der Aufstieg ist halsbrecherisch, unzählige Stufen müssen überwunden werden und der Aufgang wird immer enger und schwüler. Aber dieser Ausblick! Die ganze Stadt liegt einem zu Füßen.

Ein Tag für 40 Euro Zeit: 16.17 Uhr, Geld: noch viel übrig

Die Porta Bohemica schippert zwar noch auf der Elbe, wir entscheiden uns jetzt aber für den direkten Weg. Knapp drei Stunden dauert die Rückfahrt, um kurz nach sieben erreicht die S-Bahn Meißen. Hat Stadtrat Schlechte Wort gehalten mit seinem Ausflugstipp? Und ob: Für das Elbe-Labe-Ticket, ein paar Bier auf dem Schiff und ein deftiges Essen plus Getränke hat jede Person gerade einmal 30 bis 40 Euro gezahlt.