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Ein(e) Engel für die Start-up-Firma

Manuela Engel kam aus Königsbrück nach Bischofswerda. Hier arbeitet sie für Paligo. Der neue Name des Betriebes ist auch ihre Idee.

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© Steffen Unger

Von Constanze Knappe

Bischofswerda. Kurz und bündig sollte es sein, sagt Manuela Engel. Deshalb heißt der Onlinehändler rohstoffversand.de in Bischofswerda jetzt Paligo. Der möchte seinen Handlungsradius weiter ausdehnen. Zu den Nachbarn im Osten ebenso wie nach Westeuropa. „Dafür war der bisherige Name nicht griffig“, erklärt die Marketingchefin. Gehandelt wird mit Naturprodukten für Haus und Hof, die man sich palettenweise nach Hause liefern lassen kann. Auch wenn es so klingt, ein Kunstwort ist Paligo nicht. „Pali ist abgeleitet von Palette. Und go steht für los geht’s“, so Manuela Engel.

Mit dem neuen Namen ist ein neuer Auftritt der Firma verbunden: neue Website, neue Leistungen, neue Angebote. Alles entwickelte die 42-Jährige für die im Max-Aicher-Gewerbepark ansässige Firma in reichlich vier Wochen mit. „Bei großen Unternehmen dauert das länger“, weiß sie aus eigener Erfahrung. Die studierte Betriebswirtschaftlerin mit dem Abschluss als Diplom-Kauffrau arbeitete 15 Jahre bei einem Konzern in Berlin und zwei Jahre bei einem großen Unternehmen in Dresden. Auf den Rohstoffversand oder jetzt Paligo in Bischofswerda wurde sie durch eine Bekannte aufmerksam. Erste Ideen für den neuen Auftritt der Firma hatte Manuela Engel schon, da wusste sie noch gar nicht, ob sie genommen wird. Sie habe sich bewusst für den Wechsel entschieden. „Zwar ist bei einem Start-up-Unternehmen vieles unsicherer, aber man kann etwas mitbewegen“, sagt die Königsbrückerin. In großen Konzernen gebe es Hierarchien und immer viele Runden und das koste Zeit.

Bei Paligo an Visionen mitzuarbeiten mache ihr Spaß. „Eine davon ist, dass jeder, der heizt, Paligo kennen sollte“, so Manuela Engel. Seit drei Monaten arbeitet sie jetzt in Bischofswerda. Eine Checkliste mit 50 Punkten wurde für den neuen Firmenauftritt abgearbeitet. Die Chemie habe sofort gestimmt, sagt Robert Gnauck, der zusammen mit Marcin Janas vor drei Jahren den Rohstoffversand gründete. Mit der Lieferung von Festbrennstoffen wie Holzpellets, Holzbriketts und Steinkohle, Gartenrohstoffen wie Rindenmulch und Naturstoffen wie Tiereinstreu auf Paletten fand Paligo eine Nische. Sogar Kunden aus Frankenthal und Goldbach, die ihre Ware anfangs selbst in Bischofswerda abholten, nutzen nur noch das Internet. „Wir bringen alles genau dann und dorthin, wenn es gebraucht wird“, erklärt Robert Gnauck. Bei einem Lieferservice von 24 Stunden ist die Anlieferung bald sogar in einem engen Zeitfenster von drei Stunden möglich. Ab dem neuen Jahr können Kunden zudem verfolgen, wo sich ihre Lieferung befindet. Das erfordert eine ausgeklügelte Logistik.

Tipps zur Orientierung

Ware bis zum Umfang eines Lastzugs täglich oder auf 150 Paletten pro Woche wird verschickt. Im Vergleich zum Vorjahr verdoppelte sich der Umsatz. Mit dem Vierfachen rechnet Robert Gnauck bis Jahresende. Und Paligo wächst weiter. Im Oktober will die Firma einen Standort in Stuttgart eröffnen, zwei weitere sollen 2017 im Raum Hannover folgen. Und nicht nur das. Zum Sortiment gehört neuerdings die Eigenmarke Paladin für Festbrennstoffe. Stolz ist Robert Gnauck auf eine Rücklaufquote von Null Prozent. Davon könnten, wie er sagt, „andere Onlinehändler nur träumen“. Auf der neuen Internetseite gibt es Ratgebertexte, welches Produkt sich für welchen Zweck am besten eignet. Das helfe bei der Orientierung.

Zehn Mitarbeiter beschäftigt Paligo, die wie auch Manuela Engel eine Menge Eigenverantwortung haben. „Wir bräuchten dringend Programmierer“, so der Firmenchef. Es habe sich noch nicht herumgesprochen, dass es interessante IT-Jobs hier vor der Haustür gibt, sagt er. Das hätten selbst viele seiner Generation nicht auf dem Schirm, die nach dem Abitur in Bischofswerda in den Westen gingen. Auch Robert Gnauck sammelte nach einem Wirtschaftsstudium im Ausland dort Erfahrungen, ehe er eine Firma in London gründete. Die gab er auf, um in Bischofswerda durchzustarten. Geht es nach ihm, wird Paligo weitere Mitarbeiter einstellen. Dafür müsse aber, sagt er, das Mikroklima stimmen. Er würde es zum Beispiel begrüßen, wenn die S-Bahn von Dresden bis Bischofswerda fahren würde.