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Eine Frage des Alters?

Senioren am Steuer: Nach einem tödlichen Unfall mit einem 75-Jährigen zwischen Rosenthal und Bielatal wird darüber wieder diskutiert.

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© Marko Förster

Von Carina Brestrich

Pirna/Rosenthal-Bielatal. Die 69-Jährige hatte Glück im Unglück: Schaden nahm am Ende nur ihr Auto und ein Zaun. In Lichtenhain war sie voriges Wochenende von der Fahrbahn abgekommen, eine Böschung runtergerollt und an einem Zaun zum Stehen gekommen. Die Fahrt eines 75 Jahre alten Seniors am Dienstag endete dagegen weitaus schlimmer (SZ berichtete). Er verstarb, nachdem er zwischen Rosenthal und Bielatal in den Gegenverkehr gekommen und mit einem Opel kollidiert war. Die Insassen des anderen Pkws, 87 und 91 Jahre, wurden schwer verletzt.

Im Internet sorgen Meldungen wie diese immer wieder für Diskussionen: Sollte die Überprüfung der Fahrtauglichkeit für ältere Autofahrer Pflicht werden? Die Reaktionen auf der Facebook-Seite der SZ Pirna sind gemischt. „Würde vieles sicherer machen. Wird aber nie kommen. Die Alten fühlen sich dann diskriminiert“, kommentiert Thomas Zimmermann.

Viele Leser sehen eine altersabhängige Pflicht dagegen kritisch. „Auch junge Autofahrer verursachen genügend Unfälle“, sagt Karla Ludwig. Sandra Heinze meint, dass viele Senioren auf das Auto angewiesen seien, auch weil sie immer länger einer Arbeit nachgehen müssen. Eine verpflichtende Fahrtauglichkeitsprüfung für alle Altersstufen schlägt Dirk Steckel vor. „Ihr würdet euch umgucken, wenn ihr mit 40 nicht mehr fahren dürftet, weil ihr gesundheitlich nicht mehr tauglich wärt.“ Ähnlich sieht es Jens Schäfer: „Ist keine Sache des Alters. Ich habe eine Fahrstrecke zur Arbeit von 36 Kilometern und erlebe es täglich, dass es sehr viele Autofahrer gibt, die sogenannte Mittelspurschleicher sind.“

Auch Ivo Teichmann, AfD-Kreisrat und Vorsitzender des Seniorenbeirats im Landkreis, warnt vor Pauschalisierungen. Heutzutage seien viele Ältere sehr fit. „Sie sind teils fitter als jemand, der übermüdet oder gestresst von der Arbeit kommt“, sagt Teichmann. Ein Verzicht aufs Auto sei für viele schwer. „Die Mobilität ist im ländlichen Raum ein hohes Gut“, sagt er. Teichmann sieht daher vor allem Angehörige in der Pflicht. Sie sollen ein wachsames Auge haben, Betroffene gegebenenfalls darauf hinweisen, wenn ihnen beim Fahren Unsicherheiten auffallen. „Manchen hilft es auch, den Betroffenen Fahrten abzunehmen“, sagt Teichmann.

Dass ältere Autofahrer ein höheres Risiko für den Verkehr darstellen, kann die Polizei nicht feststellen. Eine besondere Statistik nach Altersgruppen wird dort nicht geführt. Auch die Polizeimeldungen geben keinen Aufschluss, denn dort erscheinen nicht alle Unfälle. Demnach ist es nur ein subjektiver Eindruck, dass häufig Rentner an Unfällen beteiligt sind.

Obwohl es eine Pflicht zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit in Deutschland bislang nicht gibt: Dass Senioren ihren Führerschein abgeben müssen, ist trotzdem nicht ausgeschlossen. Gibt es Anhaltspunkte, dass jemand nicht mehr fahrtauglich ist, so gibt es die Möglichkeit, dies bei der Fahrerlaubnisbehörde anzuzeigen. Liegen tatsächliche Beweise vor, so kann die Behörde ein Gutachten, eine sogenannte Fahrtauglichkeitsuntersuchung, anordnen und etwa die Fahrerlaubnis entziehen.

Zu dem tödlichen Unfall im Bielatal hat die Polizei unterdessen noch keine neuen Erkenntnisse. „Die Ermittlungen zu dem Unfall dauern an“, sagt Sprecherin Ilka Rosenkranz. So ist weiterhin unklar, wie es zu dem Zusammenprall kommen konnte. Überprüft werde auch der Fakt, ob der tödlich verunfallte Fahrer den Sicherheitsgurt angelegt hatte.