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Eine harte Nuss

Anwohner fordern seit Jahren, dass die Gemeinde einen 35 Meter großen Walnussbaum fällt. Jetzt wurden sie selbst aktiv.

© Sebastian Schultz

Von Antje Steglich

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Röderau. Kaum eine essbare Walnuss hat der Baum in Röderau zuletzt abgeworfen. Doch nicht deshalb ist er ein Dorn im Auge der Eigentümergemeinschaft Gohliser Straße 29. „Der Baum ist groß, mächtig und morsch“, sagt Johannes Meyer, „das Ding muss weg!“

Er selbst lebt seit dem Bau der Mehrfamilienhäuser Anfang der 1960er in Röderau. Und schon 1970 habe der damals noch kleine Baum auf dem Gelände der Gemeinde gestanden. Weil die kommunale Fläche – nicht mehr als ein Streifen von wenigen Meter Breite – zwischen den Garagen und den Gärten der Anwohner liegt, haben die das Areal zum Teil zwar mitgepflegt. Eine Einfassung aus Stein wurde gebaut, eine kleine Sitzecke unter den Baum gestellt und regelmäßig auch ein paar Blümchen gepflanzt. „Damit es hier sauber und ordentlich aussieht“, erklärt Johannes Meyer. Im Laufe der Jahre ist die Fläche der Gemeinde aber regelrecht zugewuchert. Eine wilde Hecke und diverse Sträucher wuchsen – und der Walnussbaum schoss in die Höhe. 35 Meter sollen es zuletzt gewesen sein. „Wir haben immer mal ein bisschen geschnitten, aber das kriegt man nicht mehr hin. Wir werden Jahr für Jahr älter, gehen auf die 80 zu“, sagt Johannes Meyer. Bereits 2015 kontaktierte die Hausgemeinschaft deshalb die Gemeinde.

Bei einem heftigen Sturm waren viele Äste heruntergebrochen, erinnert sich Johannes Meyer. Und um zu verhindern, dass bei einem weiteren Sturm eventuell sogar Menschen verletzt werden könnten, forderten die Röderauer das Rathaus auf, den Baum zu fällen. „Da haben die uns einen frechen Brief zurück geschrieben“, ärgert sich Johannes Meyer noch immer. Weil sie das Gelände nutzen, müssen sich die Anwohner auch selbst um den Baum kümmern, hieß es damals. Und im Prinzip ist das noch immer die Meinung der Verwaltung – auch nachdem Orkantief Friederike erneut mehrere Äste zu Boden riss. „Die wollen sich drücken“, glaubte Johannes Meyer. Das will Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos) so allerdings nicht gelten lassen.

„Das sollte immer ein Geben und Nehmen sein“, sagte er gegenüber der SZ. So erwarte die Kommune kein Entgelt für die Nutzung der Fläche, wohl aber, dass sich die Anwohner selbst einbringen. Statt der Forderung, den Baum zu fällen, hätte er sich einen Kompromiss-Vorschlag gewünscht. Denn eine Fällung durch eine Firma würde die Kommune, die sich noch immer in der Konsolidierungsphase befindet, einen niedrigen vierstelligen Betrag kosten. 3 000 Euro seien jährlich für Baumpflegearbeiten eingeplant – und nach Friederike bereits ausgegeben. Trotzdem bemühe man sich. „Ich hoffe, dass das noch in dieser Woche gelöst wird. Wir kriegen das hin.“ Am Dienstag standen deshalb Vertreter von Rathaus und Feuerwehr hinter dem Haus von Johannes Meyer. Zu spät.

„Die kamen auf den letzten Drücker. Es darf ja nur noch bis Mittwoch gefällt werden“, erklärt Johannes Meyer mit Blick auf die Baumschutzsatzung. Vor wenigen Tagen hätten die Anwohner deshalb ein Angebot angenommen, den Baum kostengünstig fällen zu lassen. Der Walnussbaum ist also Geschichte – der Streit aber noch nicht. Wer nun die 200 Euro für die Hebebühne bezahlt, weiß Johannes Meyer nämlich noch nicht. Er hat aber auch erst einmal alle Hände voll mit der Beräumung der Fläche von den liegen gebliebenen Ästen zu tun: „Das mach ich jetzt allein. Danach werde ich körperlich am Ende sein“.