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Eine Idee für den Papierkorb?

Ein Dresdner Unternehmen will das Wehr an der Grünmetzmühle noch retten. Doch es könnte dafür schon zu spät sein.

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© Visualisierung: Lothar Gloger

Von Nicole Preuß

Königsbrück. Lothar Gloger ist die Sache wichtig. Der Dresdner Architekt hat sich in sein Auto gesetzt und ist die 40 Kilometer bis nach Königsbrück zum Pressetermin gefahren. Er hat vier dicke Ordner dabei: Planungen und Gutachten für das Wasserkraftwerk am Grünmetzmühlenwehr. Mehrere Jahre hat er daran immer mal wieder gearbeitet. Lothar Gloger und sein Geschäftspartner Eckhard Wolter von der Wolter-Wasserkraft-GbR wollen an diesem geschichts-trächtigen Wehr ein Wasserrad installieren, das Strom für rund 50 Haushalte produziert. Ein kleines Naherholungsgebiet sollte entstehen mit Liegewiese an der idyllisch plätschernden Pulsnitz. Der drohende Abriss des Wehrs sollte abgewendet werden. Doch dafür ist es vermutlich zu spät.

Die Planung füllt inzwischen vier Ordner.
Die Planung füllt inzwischen vier Ordner. © Matthias Schumann

Die Landestalsperrenverwaltung, der das Wehr gehört, hat nämlich bereits Anfang des Jahres angekündigt, noch in diesem Frühjahr das Bauwerk in der Pulsnitz abzureißen und die Flussaue an der Stelle naturnah umzugestalten. Viele Bäume am Rand des Flusses wurden bereits abgeholzt. Dann kommen auch die nötigen Gerätschaften und Baufahrzeuge nahe genug an das Wehr heran. Voraus geht dem Ganzen eine lange Diskussion zwischen Königsbrücker Bürgern, der Stadtverwaltung, dem Umweltamt des Kreises und auch der Landestalsperrenverwaltung.

2 000 Unterschriften gesammelt

Viele Königsbrücker haben das Wehr an der ehemaligen Grünmetzmühle noch in guter Erinnerung. Die Barriere in der Pulsnitz staute den Fluss zu einem langen Gondelteich an. Sonntags trafen sich die Königsbrücker dort, um über das Wasser zu schippern oder ihre Kinder auf dem nahen Spielplatz toben zu lassen. Doch 1975 war Schluss. Seitdem wurde an dem Wehr nicht mehr viel gemacht. Inzwischen geht die Landestalsperrenverwaltung davon aus, dass das Wehr einem neuen Hochwasser nicht mehr standhält. Die alte Grünmetzmühle steht schon seit über zehn Jahren nicht mehr. Sie wurde 2003 abgerissen.

Die Landestalsperrenverwaltung prüfte verschiedene Möglichkeiten, unter anderem die Sanierung des Wehrs, brachte dann aber die Planungen für den Abriss mithilfe eines Planfeststellungsverfahrens voran. Eine Bürgerinitiative sammelte 2000 Unterschriften in Königsbrück gegen diese Lösung, das heißt fast jeder zweite Königsbrücker unterschrieb. Der Stadtrat sprach sich ebenfalls für den Erhalt des Wehrs aus. Doch das Planfeststellungsverfahren wurde abgeschlossen. Der Abriss stand bevor. Da brachte die Bürgerinitiative Lothar Gloger und Eckhard Wolter in die Diskussion. Die beiden haben vor etwa 15 Jahren bereits ein Wasserkraftwerk im Dresdner Süden errichtet. Und sie wollten sich auch in Königsbrück engagieren.

2012 reichten sie erstmals Unterlagen für die nötige wasserrechtliche Genehmigung beim Umweltamt des Landkreises ein. Doch die waren nicht vollständig. Die folgenden beiden Jahren verstrichen. Immer mal wieder kündigte Lothar Gloger das Einreichen von Unterlagen an. „Gutachten sind schließlich auch nicht so schnell gemacht. Manchmal muss das ganze Jahr betrachtet werden“, sagt er. „Außerdem ist so eine Sache doch keine Diplomarbeit mit Fristen. Wenn die Gutachten da sind, kann ich sie einreichen.“

Eigentumsfrage ungeklärt

Die Landestalsperrenverwaltung ging auf die beiden Unternehmer zu und verkaufte ihnen das Wehr für einen Euro, allerdings unter der Maßgabe, dass sie bis zum 15. September 2015 eine wasserrechtliche Genehmigung für den Bau des Wasserkraftwerks bekommen. Doch die Unterlagen waren auch an diesem Termin noch nicht alle da. „Ich habe noch mal um eine Fristverlängerung gebeten“, sagt Lothar Gloger. Doch die bekam er nicht. „Mir wurde gesagt, dass ich bis auf Weiteres die Arbeit ruhen lassen soll“, sagt er. Das tat er dann auch. Doch vor einigen Monaten begann er schließlich wieder mit der Planung und reichte dann Anfang Februar seinen Antrag ein. Der Sprecher des Landratsamtes bestätigt das. „Es ist im Wesentlichen eine Ergänzung des alten, abgelehnten Antrags“, sagt Gernot Schweitzer. Doch das Amt bearbeitete den Antrag nicht und nennt auf Nachfrage auch den Grund. „Herr Gloger kann das Eigentum am Wehrgrundstück nicht mehr nachweisen, nachdem der Freistaat Sachsen vom Kaufvertrag über das Wehrgrundstück zurückgetreten ist“, sagt Gernot Schweitzer. Das Amt habe das Wort „momentan“ genutzt, weil Lothar Gloger und die Landestalsperrenverwaltung noch diskutierten, wem das Wehr nun gehört. Die Landestalsperrenverwaltung habe aber auf Rückfrage noch mal bestätigt, dass sie das Wehr behält.

Lothar Gloger und Eckhard Wolter haben nun noch einmal viele zuständigen Stellen angeschrieben. „Es ist schlicht gesagt eine Unmöglichkeit, uns langwierig planen zu lassen, um dann nach Erfüllung der geforderten Bedingungen uns die Tür vor der Nase zuzuschlagen“, heißt es unter anderem darin. Rechtliche Schritte werden angedroht. Die Landestalsperrenverwaltung hat ihre Arbeiten vorangetrieben. In der nächsten Woche soll der Umbau der Wehranlage voraussichtlich beginnen. „Wir beabsichtigen, zum Beginn der Abrissarbeiten eine Pressemitteilung herauszugeben“, sagt Sprecherin Britta Andreas.