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Eine rätselhafte Messerstecherei

Ein 32-Jähriger muss sich wegen versuchten Totschlags verantworten. Das mutmaßliche Opfer ist untergetaucht.

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Von Alexander Schneider

Dresden. Ein Angeklagter, der schweigt und nicht einmal seine Personalien bestätigen will, ein mutmaßlicher Geschädigter, der möglicherweise untergetaucht ist, und weitere Zeugen, die nicht erreichbar sind – weil sie sich verleugnen oder einfach nur verschwunden sind. Das ist die Gefechtslage eines Strafprozesses, der diese Woche vor dem Landgericht Dresden begonnen hat.

Ein 32-jähriger Tunesier muss sich vor dem Schwurgericht wegen versuchten Totschlags verantworten. Laut Anklage habe Jamel A. im Streit mit einem Landsmann ein Messer gezogen und ihn mit Stichen in die Brust und den Oberkörper verletzt – in den frühen Morgenstunden des 1. Januars 2015. Die Auseinandersetzung hat sich vor einem Dönerladen am Albertplatz ereignet. Der lebensgefährlich verletzte Ali A. muss sich nach der Tat in eine Straßenbahn gerettet haben. Er wurde weit weg vom Albertplatz gefunden und in eine Klinik gebracht, wo er notoperiert werden musste.

Nach Aktenlage habe er gegenüber der Polizei recht widersprüchliche Angaben zu den Ereignissen am Neujahrsmorgen gemacht – bevor er untertauchte. Am Mittwoch, dem zweiten Sitzungstag, fehlte von dem Mann jede Spur. Auch der Angeklagte soll durch einen Schlag auf den Kopf verletzt worden sein. Ob durch Ali A. – das ist auch so eine offene Frage. Jamel A. soll 2012 in Deutschland Asyl beantragt haben. Nach seiner Ablehnung habe er nicht abgeschoben werden können, weil Tunesien ihn nicht haben will. Das ergab sich aus der Ausländerakte des Angeklagten, der im September vergangenen Jahres in Annaberg-Buchholz festgenommen wurde und seitdem in Untersuchungshaft sitzt. Der Prozess wird fortgesetzt.