Döbeln
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Eine Stadt zum Streicheln

Döbeln ist um eine Attraktion reicher. Möglich macht das der Lions-Club und viele Spender.

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Die blinde Anke Mädler hat mit Heiner Hellfritzsch, Reinhard Zerge und Maik Schroeder vom Lions-Club und Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (von links) das Relief enthüllt.
Die blinde Anke Mädler hat mit Heiner Hellfritzsch, Reinhard Zerge und Maik Schroeder vom Lions-Club und Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (von links) das Relief enthüllt. © Dietmar Thomas

Von Helene Krause

Döbeln. Vorsichtig streicht Anke Mädler mit den Fingern über das Bronzemodell, ertastet die Ritter-, die Bäckerstraße und die Rathauspassage. Die 45-Jährige ist seit ihrer Kindheit blind und hat nur eine ungefähre Vorstellung vom Aussehen der Stadt Döbeln, in der sie seit 20 Jahren lebt. Dass sie sich jetzt besser orientieren kann, dafür hat der Lions-Club Döbeln gesorgt. Die Lions sammelten Spenden für ein Stadtmodell, das auch blinden Menschen helfen kann, sich in der Döbelner Innenstadt zurechtzufinden. Am Sonnabendvormittag wurde es übergeben.

Anke Mädler zog 1999 wegen ihres ehemaligen Partners Karsten Brandes von Plauen nach Döbeln. Um ihr die Orientierung zu erleichtern, rädelte Brandes damals mit einem Schneiderrädchen die Grundrisse der Häuser aus einem Stadtplan aus. Dass sie sich jetzt mittels des Stadtmodells, das zusätzlich mit Blindenschrift versehen ist, orientieren kann, gefällt den beiden. „Es ist eine gute Sache“, meint Anke Mädler, die das Relief mit enthüllte. Und Karsten Brandes ergänzte, dass sich die Leute sehr gut an dem Modell orientieren können.

Auch Jutta Niklas und Rita Lehmann sind begeistert. „Es ist sehr schön“, meinte Jutta Niklas. „Ich sah solch ein Modell schon in Freiberg. Das gefiel mir ebenfalls gut.“ Peter Steinbock hoffte, dass das Stadtmodell lange heil bleibt und nicht von Buntmetalldieben zerstört oder es mit Schmierereien versehen wird. „Es ist eine Bereicherung für Döbeln“, sagte er.

Größte Herausforderung der Vereinsgeschichte

„Es war für uns die größte Herausforderung in unserer 25-jährigen Geschichte“, sagte der Präsident des Döbelner Lions-Clubs Maik Schröder. Mehr als 40 000 Euro mussten aus Spenden aufgebracht werden. Zwei Benefizkonzerte wurden dafür veranstaltet. Über 300 Unterstützer spendeten Geld für das Modell, darunter neun Großspender, die jeweils mehr als 3 000 Euro zur Verfügung stellten. 18 Sponsoren spendeten mehr als 300 Euro. Bis auf diejenigen, die weniger als 300 Euro gaben, wurden alle auf einer Tafel verewigt, die am Sandsteinsockel des Modells angebracht worden ist. Die Idee für das Stadtmodell wurde bereits vor einigen Jahren geboren, als Vertreter der Kommune und des Lions-Clubs die Partnerstadt Unna besuchten. Dort gab es ein solches Stadtmodell schon. Die Lions sprachen sich mit der Stadt ab und gründeten eine Arbeitsgruppe. Im März 2017 wurden Angebote eingeholt. Umgesetzt wurde das Projekt von dem Künstler Egbert Broerken, der schon fast 150 Städte in ganz Deutschland in Bronze gegossen hat. Vor einem Jahr fertigte Broerken den Entwurf aus Modellschaum im Maßstab 1:650 anhand vieler Fotos und eines Grundplans der Stadt an. 

Am 16. Mai verließ das Bronzemodell die traditionsreiche Gießerei Petit & Gebr. Edelbrock im Münsterland. Es wurde bei der Firma Just Naturstein in Hartha eingelagert. Die Steinmetzfirma spendierte den Sockel aus Zirkwitzer Sandstein. Der stammt aus Schlesien. Das Bronzemodell wurde sicher auf dem Unterbau verankert und die Bronzetafel mit den Namen der Sponsoren angebracht. Am Mittwoch wurde das Modell schließlich zum Obermarkt transportiert und auf den Standplatz vor dem Alten Amtshaus gehoben. Der Standort bot sich an, weil an dieser Stelle keine Parkplätze sind und sich dort auch eine größere Menschengruppe um das Modell aufstellen kann. Außerdem bietet sich dem Betrachter eine gute Orientierung durch die direkte Blickachse zum Rathausturm.