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„Einen Comic zu lesen ist anspruchsvoller als ein Buch“

Zum Gratis-Comic-Tag diesen Sonnabend gibt es Abenteuerliches von Hagen Flemming.

Von Anna Hoben

Ein Zeitpunkt in ferner Zukunft: Der Mars ist längst besiedelt. In der Stadt Remory leben die drei Kinder Xi, Tau und Omikron. Eines Tages katapultieren sie sich mit einer Zeitmaschine ins alte Ägypten. Dort treffen sie schillernde Personen wie Nofretete oder Tutanchamun, finden sich in einer anderen Episode allerdings plötzlich auf einem Sklavenmarkt wieder, wo sie verkauft werden sollen. Stoff für jede Menge Abenteuer, die sich zwischen den beiden Schauplätzen abspielen.

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„Im Comic ist alles möglich“, sagt Hagen Flemming. „Man kann in eine komplett andere Welt eintauchen.“ Der 49-jährige Berliner Autor und Zeichner ist der Kopf hinter der Serie „Die Virtonauten von Remory“, die seit 2007 im Dresdner Holzhof-Verlag erscheint. Sie vereint zwei große Interessen von ihm: Geschichte und Science Fiction. Die Fakten zu den historisch verbürgten Figuren hat er akribisch recherchiert. Gleichzeitig verbeugt er sich in den Geschichten vor Science-Fiction-Autoren wie H.G. Wells („Die Zeitmaschine“).

Auf dessen Roman „Krieg der Welten“ bezieht sich auch der Titel des siebenten Teils. Das Heft gehört zu denjenigen, die am Gratis-Comic-Tag diesen Sonnabend kostenlos verteilt werden, unter anderem im Dresdner Comicladen in der Bautzner Straße 30. Dort wird Hagen Flemming auch seine Hefte signieren. Vor sechs Jahren ist der Gratis-Comic-Tag aus den USA nach Deutschland übergeschwappt. Fast alle Comicverlage haben sich hierzulande dafür zusammengeschlossen. „Eine prima Sache“, findet Hagen Flemming, „weil wir dadurch eine breitere Leserschaft erreichen“. 250 000 Hefte werden an dem Tag in Deutschland, Österreich und der Schweiz kostenlos unters Publikum gebracht. Das Spektrum erstreckt sich von Klassikern wie den „Simpsons“ über die Werke von Graphic Novels für Erwachsene, etwa von Reinhard Kleist, bis zu Superheldencomics. Manche der Inhalte werden sogar exklusiv für die Aktion produziert. Elf der 34 Titel in diesem Jahr sind für Kinder. Darunter auch die Remory-Reihe; sie richtet sich vor allem an junge Leser ab zehn Jahren.

„Einen Comic zu lesen ist anspruchsvoller als ein Buch“, sagt Hagen Flemming. Der Leser müsse die Einzelteile dechiffrieren und dann kombinieren, um herauszufinden, wie die Geschichte geht. „Das ist eine Herausforderung, man muss sich darauf einlassen.“ Dass es heute kaum noch klassische Fortsetzungsgeschichten für Kinder gibt, findet er schade. Mit der Remory-Reihe will er auch die Faszination weitergeben, die er selbst als Junge empfunden hat. Er ist in Hoyerswerda geboren, hat als kleines Kind ein paar Jahre in Dresden gelebt und zog später nach Berlin. Schon früh hat er gezeichnet, ernsthaft damit begonnen dann aber erst mit Anfang 30.

Auch als Leser schätzt Flemming den Gratis-Comic-Tag. So hat er in den vergangenen Jahren schon verschiedene Entdeckungen gemacht, wurde etwa zum Fan der italienischen Reihe „Monster Allergy“.

Gratis-Comic-Tag 2015: Sonnabend, 9. Mai, Dresdner Comicladen, Bautzner Straße 30. Die Zeichner Ivo Kircheis, Matthias Lehmann und Hagen Flemming werden dort von 10–15 Uhr ihre Hefte signieren.