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Einmal die Woche Frühaufsteher

Jakob Lindner hat beim Bundesausscheid der Schülerlotsen einen Mittelplatz erreicht. Warum der Schmiedeberger damit zufrieden ist.

© Frank Baldauf

Von Franz Herz

Schmiedeberg /Hannover. Der Schulweg zur Oberschule in Schmiedeberg hat es in sich. Die meisten Kinder und Jugendlichen kommen mit dem Bus an, da müssen sie entweder am Morgen oder am Nachmittag auf dem Heimweg die Bundesstraße 170 überqueren. Das ist wie eh und je eine gefährliche Straße. Deswegen besteht an der Oberschule Schmiedeberg schon seit den 1990er-Jahren eine Gruppe von Schülerlotsen, einer von ihnen, Jakob Lindner, hat sich dieses Jahr für den Bundeswettbewerb qualifiziert und ist dafür nach Hannover gefahren.

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Der 15-Jährige ist seit der siebten Klasse dabei. Erst hat er seine Ausbildung gemacht und ab der 8. Klasse wurde er dann eingesetzt. „Ich habe mir gedacht, dabei lernst du etwas über den Straßenverkehr. Das nimmst du mit. Wissen ist Wissen“, erzählt er. Und Themen wie Verkehr, Eisenbahn, Motorräder, vor allem auch ältere Technik interessieren ihn sehr.

Das hat für den Zehntklässler auch die Richtung bei seiner Berufswahl vorgegeben. Er hat sich bei den Harzer Schmalspurbahnen um eine Lehrstelle als Industriemechaniker beworben und wartet derzeit darauf, dass er seinen Lehrvertrag zugeschickt bekommt. „Dort sind zehn Dampfloks und mehr unterwegs. Auch der Fahrzeugeinsatz und die Werkstatt liegen beisammen“, berichtet Jakob Lindner. Er erwartet, dass er dort viel lernen wird. Und er weiß auch schon, wie es weitergehen kann. Mit 18 Jahren hat er die Möglichkeit, Dampflokheizer zu werden, mit 21 Triebfahrzeugführer.

Aber derzeit steht er jeden Mittwoch etwas früher auf als gewöhnlich. Eine halbe Stunde vor Schulbeginn, wenn die Busse ankommen, steht er mit einem Kollegen an der Bushaltestelle und achtet als Schülerlotse darauf, dass nichts passiert. „Eine Extremsituation habe ich dort zum Glück noch nie erlebt“, sagt er. Bei den jüngeren Schülern reicht es meist, sie anzusprechen, wenn sie sich nicht ordentlich verhalten. Bei den Älteren kommt es schon vor, dass sie auch provozieren.

Für diese Arbeit muss er Geschick haben im Umgang mit seinen Mitschülern, muss er die Verkehrsregeln gut kennen und auch die Verkehrssituation einschätzen können. All diese Fähigkeiten wurden bei den Wettbewerben der Schülerlotsen überprüft.

Zuerst fand der sächsische Landeswettbewerb in Altenberg statt. Dort war Jakob Lindner erfolgreich und durfte nach Hannover zum Bundeswettbewerb. „Darauf sind wir auch als Schule sehr stolz“, sagt Schulleiterin Katrin Jungnickel.

Die theoretische Prüfung war dort eher leichter als im Landeswettbewerb, aber die Praxis hatte es in sich. „Wir mussten beispielsweise schätzen, wie lang der Bremsweg auf verschiedenen Straßenbelägen ist oder die Geschwindigkeit eines vorbeifahrenden Autos angeben“, berichtet er. Mit seinem Abschneiden im Mittelfeld ist er durchaus zufrieden. „Es ging nicht in erster Linie ums Gewinnen. Ich habe viele neue Leute aus ganz Deutschland kennengelernt und es hat Spaß gemacht“, sagt der Oberschüler.

Jakob Lindner macht die ehrenamtliche Aufgabe als Schülerlotse noch bis zum Halbjahr. Danach will er sich konzentriert auf die Abschlussprüfung vorbereiten und diese gut bestehen, damit er dann seine Lehre bei den Schmalspurbahnen im Harz antreten kann.