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Einmal Heimleiter, immer Heimleiter

Ernst Wolf leitete die Unterkunft für Lehrlinge der Berufsschule. Jetzt kaufte er das Gebäude und macht es zum Pflegeheim.

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© Norbert Millauer

Von Heike Sabel

Langenhennersdorf. Für Ernst Wolf schließt sich ein Kreis. Er war Lehrmeister in der Langenhennersdorfer Berufsschule und von 1984 bis 1989 Leiter des Internates der Schule. Nun kehrt er hierher zurück. Bald wieder als Heimleiter, erst einmal aber als neuer Eigentümer und Investor. Bis er sein Pflegeheim-Projekt gemeinsam mit einem Partner nun endlich beginnen kann, galt es, einige Hürden zu nehmen.

Die Berufsschule steht seit 2007 leer. Auch der Anschluss an das Berufsschulzentrum in Pirna konnte ihr auf Dauer nicht helfen. Wolf und sein Partner interessierten sich bereits Anfang 2015 für die Immobilie. „Als wir uns beim Landkreis darum bewarben, tauchte plötzlich noch ein anderer Bewerber auf“, sagt Wolf. Die Konzeption sei gleichwertig, hieß es. Jeder solle ein Angebot machen. Wolf und sein Mitstreiter boten 50 000 Euro. Das war 12 000 Euro mehr als das Verkehrswertgutachten angab und auch mehr als die anderen Interessenten boten. Wolf und Co. bekamen den Zuschlag. Der andere Interessent, so Wolf, habe ein Schulungszentrum gewollt. Ein gleichwertiges Konzept sei das nicht gewesen, sagt Wolf.

Zu einer weiteren Verzögerung hatte geführt, dass der Landkreis als Eigentümer zwischenzeitlich die Berufsschule als Objekt für die Unterbringung von Flüchtlingen prüfte. Zu hohe Umbau- und Betriebskosten für diese Art der Nutzung waren schließlich der Grund, doch den Verkauf zu forcieren.

Mitte Mai schließlich wurde die Vereinbarung zum Kaufvertrag geschlossen. Zwei Monate dauerte es, bis er rechtskräftig wurde. Inzwischen steht auch das Projekt, sagt Wolf. Er hatte es bereits im Februar im Stadtrat von Bad Gottleuba-Berggießhübel vorgestellt. Damals hoffte er noch auf einen Baubeginn im Frühjahr.

Doch trotz der Verspätung; der Ort freut sich auf die knapp 60 Pflegeheimplätze und rund 35 Arbeitsplätze. Das Gebäude ist an sich noch ganz gut erhalten, das kommt den Investoren entgegen. Sie müssen sich aber auch mit dem Denkmalschutz auseinandersetzen. Im Eingangsbereich gibt es Ornamentkacheln, die der Dresdner Bildhauer Rudolf Sitte entworfen hat – der jüngere Bruder des Malers Willi Sitte. Dieser Bereich mit den Kacheln ist als Kulturdenkmal geschützt.

Noch laufen die Bemühungen um die Finanzierung des 2,5 Millionen Euro teuren Vorhabens. Sobald sie steht, geht es los, sagt Wolf, der Geschäftsführer eines Dresdner Pflegewohnzentrums ist und demnach mit der nötigen Erfahrung an das Langenhennersdorfer Projekt geht. Wolf arbeitet seit 1990 in der Altenpflege und erfüllt sich mit dem Objekt in Langenhennersdorf nun den Wunsch vom eigenen Pflegeheim.

Für die Langenhennersdorfer geht ebenfalls ein Wunsch in Erfüllung: Die Berufsschule wurde durch den fast zehnjährigen Leerstand nicht besser. Und es ist kein Geheimnis, dass den meisten Langenhennersdorfern ein Pflegeheim lieber ist als eine Flüchtlingsunterkunft.

Wie der Ort zum Kloster kam

Wolf will sein Heim auch für den Ort öffnen, unter anderem mit einem Mittagsangebot für Senioren, später soll im Heim vielleicht auch ein öffentliches Café entstehen. Wolf kennt viele der alteingesessenen Langenhennersdorfer, hat er doch einige Jahre hier gelebt. Er kennt auch die Geschichten rund um die Schule und das Internat, die nun weiter- und aufleben werden. Zum Beispiel, warum das Nebengebäude Kloster heißt. Weil dort zu Fasching mal alle Lehrlinge als Nonne gingen.

Wolf wohnt heute in Pirna und fährt schon mal mit dem Fahrrad nach Langenhennersdorf. Schließlich hat er auch mal ein Fitnessstudio betrieben. Nächstes Jahr wird das Gebäude der ehemaligen Berufsschule 60 Jahre alt. Das wäre ein guter Anlass für den Neubeginn.