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Einsteigen, bitte!

Zum vierten Mal fand am Wochenende der Kleinbahnadvent statt. Hauptattraktion war eine alte Dame.

Von Susanne Sodan

Fauchend steht sie da, eingehüllt in graue Rauchschwaden. Beinahe schon mitleiderregend, dieses erschöpfte Schnaufen. Fast das ganze Jahr über muss die alte Dame im Depot ausharren, aber für den Kleinbahnadvent hat die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft die besondere Rarität herausgeholt: eine IV K aus den 1920er-Jahren. Nicht nur eine besondere Lok, sondern auch eine besondere Strecke konnten die Gäste am letzten Wochenende bestaunen.

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Nicht nur die Kleinbahn feierte den ersten Advent. Zum Rahmenprogramm gehörte auch der Freitaler Schlossadvent auf Schloss Burgk. Foto: Karl-Ludwig Oberthür
Nicht nur die Kleinbahn feierte den ersten Advent. Zum Rahmenprogramm gehörte auch der Freitaler Schlossadvent auf Schloss Burgk. Foto: Karl-Ludwig Oberthür
Zwischenstopp in Malter: Auf dem Bahnhof baute der Heimatverein einen Weihnachtsmarkt auf. Bei Conny Radolf (li.) und Birgit Börner gab es selbstgemachte Naschereien.
Zwischenstopp in Malter: Auf dem Bahnhof baute der Heimatverein einen Weihnachtsmarkt auf. Bei Conny Radolf (li.) und Birgit Börner gab es selbstgemachte Naschereien.

Zum Kleinbahnadvent fuhr die Weißeritztalbahn fast ihre alte Route. Seit der Flut 2002 ist am Bahnhof Dippoldiswalde sonst Endstation. Ein paar logistische Kniffe waren nötig, aber zum ersten Advent konnten die Gäste bis nach Schmiedeberg fahren. Nicht nur für Touristen, sondern auch für viele Einheimische ein Erlebnis.

Los ging die Fahrt am Hainsberger Bahnhof in Freital. Dort wartete zunächst eine der Loks, die täglich fleißig ihren Dienst auf der Strecke nach Dippoldiswalde tut. Gemütlich zuckelt sie vor sich hin, durch den Rabenauer Grund nach Malter und Dippoldiswalde. Soweit nichts Neues. Die weitere Strecke nach Obercarsdorf ist wegen der Flutschäden nicht mehr befahrbar. Am Bahnhof heißt es also erst mal: Alle aussteigen, bitte! Abgelöst wird die Kleinbahn von einem Sonderbus. Weiter geht’s, vorbei an den Ruinen des ehemaligen Hydraulikwerks und der verfallenen Hafermühle. Der Rabenauer Grund hat da ein deutlich idyllischeres Bild geboten. Aber darum geht es den Organisatoren nicht. „Wir wollen auf uns aufmerksam machen und zeigen, dass wir noch da sind“, erzählt Mirko Froß von der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft. Die kämpft seit Jahren um den Wiederaufbau der gesamten Strecke bis Kurort Kipsdorf. Wenn alles gut geht, soll es nun 2015 soweit sein.

In Obercarsdorf ist wieder Umsteigen angesagt. Kaum raus aus dem Bus, sieht man sie schon, die keuchende IV K. Ein Feuerwehrschlauch führt von einem Hydranten zu einer Luke – die alte Dame hat Durst. 2,4 Kubikmeter Wasser passen in ihren Bauch – und 1,2 Tonnen Kohle. Trotz des Regens werden Kameras gezückt, denn sonst ist die Lok nur zu Kleinbahnfestivals zu sehen. Und wie kamen die schwere Lok und die Anhänger überhaupt nach Obercarsdorf? „Die Waggons haben wir schon am Donnerstag mit einem Tieflader angeliefert, am Freitag dann die Lok“, sagt Froß. In den Waggons herrscht bullige Wärme. Auch die Heizung wird über Dampf betrieben, zudem steht ein Ofen im Waggon. Die kleinen Ablagenetze an den Wänden reichten in früheren Zeiten sicher höchstens für Hutschachteln. Bis zu den Lampen ist fast alles im Originalzustand erhalten.

Und weiter geht es, auf nach Schmiedeberg. Nur reichliche zehn Minuten dauert die Fahrt. Dennoch, viele sind in Obercarsdorf zugestiegen, um die seltene Fahrt mitzuerleben. An einem der Fenster sitzt Andreas Kämpfe, ein echter Eisenbahnfan. Er ist aus Leipzig angereist, natürlich per Bahn. Seit der Flut 2002 sitzt er zum ersten Mal wieder in der Weißeritztalbahn. Die Adventsfahrt nach Schmiedeberg, noch dazu mit der alten Dampflok – eine Möglichkeit, die er sich nicht entgehen lassen wollte. Er hofft, dass auch beim Wiederaufbau ein bisschen mehr Dampf gemacht wird. Mit der Resonanz sind die Organisatoren zufrieden. Trotz des Wetters kamen vor allem viele Familien. Rund um das kleine Bahn-Spektakel fand ein Rahmenprogramm statt. Wer in Malter ausstieg, konnte über den Weihnachtsmarkt des Heimatvereins schlendern. Die Mitglieder verkauften zum größten Teil selbst hergestellte Waren: selbstgenähte Kindermützen, Pyramiden und Kerzenleuchter aus Eichenwurzeln, Marmelade, Schokoäpfel. Auch in Malter hofft man auf einen baldigen Wiederaufbau. Weißeritztalbahn und Gastronomie, das gehöre zusammen, findet Friedrich Nickl vom Heimatverein. Ohne die Bahn und damit ohne Touristen sterbe das Gewerbe in der Region aus.

Zum Kleinbahnadvent wurde auch auf Schloss Burgk mit dem traditionellen Weihnachtsmarkt die besinnliche Jahreszeit eingeläutet. Am Sonnabend öffnete die neue Weihnachtsausstellung im Schloss ihre Pforten – eine, die allen Teddy-Freunden das Herz höherschlagen lässt. Rund 100 Niederpesterwitzer Lumpis, Teddybären der Freitalerin Margitta Donath, tummeln sich nun in der Ausstellung.