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Ekzeme, Exzesse und eine Diät

Berliner Luft

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Von Sven Siebert

Das Spiel geht schon eine ganze Weile. Freidemokraten fordern Steuersenkungen, Wolfgang Schäuble tritt auf die Bremse. Freidemokraten ereifern sich, der Bundesfinanzminister lässt sie ins Leere laufen. Es wird versichert, Schäuble gehe es ausschließlich um die Sache, aber keinesfalls darum, die jungen Männer von der FDP dumm dastehen zu lassen. Ganz kann der 68-Jährige allerdings den Impuls nicht unterdrücken, auf eine nassforsche Forderung mit einer überlegenden Weisheit zu reagieren. Kürzlich wurde die freidemokratische Forderung mit dem Hinweis verbunden, wegen der gestiegenen Steuereinnahmen schwimme der Finanzminister doch im Geld. Schäuble verweist darauf, dass er im kommenden Jahr 27 Milliarden Euro neue Schulden machen müsse. „Ich habe nie verstanden, wie man in Neuverschuldung schwimmen kann“, sagte der Minister. „Man kann darin nur ertrinken.“

Peer Steinbrück hat bekanntlich ein Buch geschrieben – Zeile für Zeile selbst, wie er im Vorwort in weiser Voraussicht betonte. Denn bei Erscheinen von „Unterm Strich“ waren die Plagiatsfälle Guttenberg & Co noch gar nicht bekannt. Ganz richtig ist Steinbrücks Versicherung indes nicht. Der Ex-Finanzminister und mögliche SPD-Kanzlerkandidat hat sein Buch diktiert –zumindest das erste Kapitel. Steinbrück nutzte eine Diktier-Software, die gesprochene Sprache in Computertext übersetzen soll. Das war allerdings eine mühsame Sache. Wenn er „Exzess“ gesagt habe, berichtete Steinbrück vergangene Woche, habe der Computer immer „Ekzem“ verstanden. Als schließlich alles korrigiert, und alle Hautkrankheiten durch Ausschweifungen ersetzt waren, verschluckte der Rechner das ganze Werk. Steinbrücks Sohn, der ihm half, wenigstens Teile zu retten, bemerkte trocken: „Gut, dass dir das nach dem ersten Kapitel passiert ist…“

Joschka Fischer hat sich mal von 145 auf 75 Kilo heruntertrainiert und -gehungert. Das war „Mein langer Lauf zu mir selbst“, wie er sein anschließend verfasstes Buch betitelte. 1998 wurde der Ausgemergelte vom Oppositionspolitiker und heimlichen Grünen-Vorsitzenden zum Bundesaußenminister. 2005 nahm der Vizekanzler, der in sieben Jahren wieder einen beachtlichen Bauch bekommen hatte, im Wahlkampf den Lauf wieder auf. Fischer wollte es noch mal wissen. Die Bundestagswahl ging trotzdem verloren, und die Diät wurde auf halbem Wege unterbrochen. Nun, 2011, startet Fischer einen neuen Versuch. Und in Berlin fragen sich manche, welches Amt Fischer nun anstrebt. Brauchen die Grünen nicht demnächst einen Kanzlerkandidaten? Fischer hat bei dieser Frage schon kategorisch abgewinkt. Und eine Parteifreundin, die ihn vergangene Woche nach längerer Unterbrechung wiedergesehen hat, befand: „Dass er abgenommen hätte, ist mir gar nicht aufgefallen.“