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Endemühle vor dem Ende?

Die Gaststätte in der Kleingartenanlage in Kamenz-Ost schließt krankheitsbedingt zum 30. Juni. Ein Nachfolger tut not.

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© Matthias Schumann

Von Ina Förster

Kamenz. Olaf und Ute Kreiser lassen ihren Blick durch den Gastraum schweifen. Noch knapp sieben Wochen – dann schließen sich die Pforten hier für das Wirtsehepaar. Etwas wehmütig wird man schon, geben sie zu. Doch es hilft alles nichts: Die Gesundheit geht vor. Und selbige ist bei beiden leider nicht die beste.

Ganze 27 Jahre hat das Ehepaar die Gaststätte „Zur Endemühle“ in Kamenz-Ost betrieben. In der Gastrobranche sind sie aber schon länger unterwegs. „Wir stiegen noch im Mai 1989 in der Endemühle ein, kurz vor der Wende also. Damals als Konsum-Mitarbeiter und beide in der Küche“, erzählt der ehemalige Bischheimer. Er lernte den Beruf des Kochs von der Pike auf. Im „Goldnen Stern“ am Markt damals noch. Das war eine gute Adresse. „Ich habe anschließend in viele Küchen der Region hineingeschnuppert, bis ich zur Armee musste. Da hat man schon Erfahrungen gesammelt“, erinnert er sich. Als der Konsum sich damals auflöste und alle betriebenen Objekte leer zog, kam schnell die Frage nach einem künftigen Wirt in der „Endemühle“ auf. „Wir haben nicht lange nachgedacht und sind ins kalte Wasser gesprungen“, so Olaf Kreiser. 27 Jahre ist das her. Es gibt vieles, an das man gern zurückdenkt.

Beliebtes Feier-Objekt

Hier in der Idylle der Kleingartenanlage in Kamenz-Ost kann man vor allem eines: gemütlich feiern. Egal, ob runde Geburtstage, Ehejubiläen, Schuleingänge oder Jugendweihen – die Gäste sind immer zufrieden heimgegangen. Platz und viel Grün gibt es allemal. Nicht nur ringsherum. Eine gemütliche Terrasse mit Kamin und bewachsenem Spalier lädt zum Verweilen ein. „Vor allem Familien mit Kindern kommen gern zu uns, hier gibt es genügend Auslauf, und man kann sich auch mal die Beine vertreten“, sagt Kreiser. Bis zu 40 Leute können drinnen feiern, noch einmal 30 haben auf der Terrasse Platz. Im Untergeschoss gibt es eine Kellerbar für 20 Gäste. Zu Ostern ist hier meistens Hochsaison, Pfingsten zieht es die Leute dagegen wahrscheinlich eher auf den Hutberg. Aber die Wochenenden sind regelmäßig ausgebucht. Da bietet die Küche auch immer etwas Besonderes zum kleinen Preis an. Gebackenen Wels beispielsweise. Dazu rief Wirt Olaf Kreiser vorher schon mal an die 40 Stammkunden an, ob sie gern kommen wollten.

Zeit für einen Neuanfang

Doch die Zeit für einen Neuanfang ist nun trotzdem gekommen. Mit 53 und 51 Jahren unumgänglich. Von der Rente sind beide noch weit entfernt. Das harte Metier der Gastronomie aber wird künftig nicht mehr ihres sein. Das Ehepaar musste abwägen, was wichtiger ist. Und 16-Stunden-Tage ohne Atempause sind es bei den gesundheitlichen Gegebenheiten definitiv nicht. „Ich war in all den Jahren nur fünf Tage krank“, so Olaf Kreiser. Danach ist er gleich mit gebrochenem Fuß und Gips auf Arbeit gekommen. „Ich habe auf einem Barhocker gesessen, mich hin und her gedreht und gekocht. Meine Frau musste da ausnahmsweise einmal den Service übernehmen“, lacht er heute.

Doch wie geht es nun überhaupt weiter mit der Gaststätte Endemühle? Ist es das Aus? Der ansässige Kleingartenspartenverein als Verpächter hat sich natürlich unterdessen auch auf die Socken gemacht und eine Anzeige geschaltet. Ein Leerstand wäre für alle Beteiligten nicht optimal. Auch wenn die Stammgäste sich nicht unbedingt aus den Kleingärtnern rekrutieren. Bislang hat sich leider noch nicht viel getan. Vor ein paar Tagen war ein einziger Interessent da, der sich die Gegebenheiten anschaute.

Suche noch nicht aufgegeben

„Wir haben am 30. Juni zum letzten Mal geöffnet. Bis dahin ist das Terminbuch noch gut gefüllt. Am 26. Juni wird die letzte Familienfeier ausgerichtet. Danach heißt es nur noch ausräumen“, so das Ehepaar Kreiser. Das wird nach 27 Jahren sicherlich hart. Physisch wie psychisch. Oder könnte man doch einiges belassen, wie es ist? „Wir würden uns wirklich riesig freuen, wenn es noch ein paar Bewerber gäbe für das Objekt. Würden mit Tipps und Einrichtung auch gern weiterhelfen. Wir waren hier immer sehr zufrieden. Es war eine gute Zeit! Wir bedanken uns auf diesem Weg bei unserer werten Stammkundschaft“, so Olaf und Ute Kreiser.

Anfragen an Fam. Kreiser: 03578 312148.