Deutschland & Welt
Merken

Ein Prinz kämpft verzweifelt gegen die Wahrheitsfindung

Andrew, zweitältester Sohn der Queen, zieht alle Register, um eine Missbrauchs-Klage gegen sich im Keim zu ersticken. Dabei beteuert er seine Unschuld.

 0 Min.
Teilen
Folgen
Prinz Andrew, Herzog von York, sieht sich in den USA einer Missbrauchsklage gegenüber, die er trotz seiner Unschuldsvermutung unbedingt verhindern will.
Prinz Andrew, Herzog von York, sieht sich in den USA einer Missbrauchsklage gegenüber, die er trotz seiner Unschuldsvermutung unbedingt verhindern will. © Neil Hall/PA Wire/dpa

London/New York. Prinz Andrew hat am Dienstag mit seinen verzweifelten Bemühungen im Kampf gegen eine US-Zivilklage wegen Missbrauchsvorwürfen erneut Schlagzeilen in seiner Heimat gemacht. Die Veröffentlichung eines Deals zwischen Klägerin Virgin Giuffre und dem gestorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein hatte ihm Anlass zur Hoffnung gegeben, das Verfahren könne doch noch frühzeitig gestoppt werden. Giuffre wirft Andrew vor, sie als 17-Jährige durch Vermittlung Epsteins mehrfach missbraucht zu haben. Der inzwischen 61 Jahre alte Sohn der britischen Königin Elizabeth II. streitet das ab. Der Deal sollte nach Ansicht von Andrews Anwälten allen weiteren Klagen einen Riegel vorschieben.

Mehrere britische Zeitungen hatten den Herzog von York, wie Andrews Titel lautet, auf ihren Titelseiten abgebildet. "Der letzte Schachzug des Herzogs", titelte die "Metro". Die "Sun" bezeichnete eine Anhörung am Dienstag in New York vor Gericht als "D-Day für Andrew". Begleitet wurden viele der Schlagzeilen von einem Foto, das als einer der stärksten Beweise gegen ihn gilt: Es zeigt Andrew gemeinsam mit der jugendlichen Giuffre und der kürzlich wegen ihrer Rolle beim Aufbau eines Missbrauchsrings für Epstein schuldig gesprochenen Ghislaine Maxwell. Andrews Hand liegt auf der entblößten Hüfte des Teenagers.

Der Vergleich aus dem Jahr 2009 sieht tatsächlich vor, dass weiteren Klagen im Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen ein Riegel vorgeschoben wird. Im Gegenzug erhielt Giuffre 500.000 Dollar (im November 2009 umgerechnet rund 330.000 Euro). Doch es schien fraglich, ob die extrem weit gefasste Abmachung rechtskräftig ist. "Das ist die Art von Vertragsbestimmung, die oft von Gerichten als unwirksam befunden wird", sagte die ehemalige New Yorker Staatsanwältin Moira Penza der BBC.

Prinz Andrew (l-r), Königin Elizabeth II., Prinz Charles, Herzogin Meghan, Prinz Harry, Herzogin Catherine und Prinz William stehen nach der Militärparade "Trooping the Colour" im Juni 2018 anlässlich des 92. Geburtstags der britischen Königin auf dem Bal
Prinz Andrew (l-r), Königin Elizabeth II., Prinz Charles, Herzogin Meghan, Prinz Harry, Herzogin Catherine und Prinz William stehen nach der Militärparade "Trooping the Colour" im Juni 2018 anlässlich des 92. Geburtstags der britischen Königin auf dem Bal © Frank Augstein/AP/dpa

Prinz Andrew war bereits mit dem Versuch gescheitert, die Klage mit anderen Mitteln zu stoppen. Unter anderem hatte er sich wochenlang einer Zustellung der Klageschrift entzogen, indem er seinen Wohnsitz auf dem Gelände von Schloss Windsor mied. Später versuchte er die Klage zu vereiteln, indem er seine Anwälte argumentieren ließ, die inzwischen in Australien lebende Giuffre könne nicht in den USA vor Gericht ziehen. In beiden Fällen scheiterte er.

Ob sich Andrew mit juristischen Kniffen vor dem Urteil der Öffentlichkeit schützen kann, ist fraglich. Bereits in einem BBC-Interview im Jahr 2019, bei dem er alle Vorwürfe kategorisch zurückwies, machte er eine extrem schlechte Figur. Zu unglaubwürdig klangen seine Beteuerungen. Beispielsweise als er behauptete, er könne wegen eines im Falkland-Krieg erlittenen Schocks nicht schwitzen. Der Bericht Giuffres über einen gemeinsamen Club-Besuch, bei dem er heftig geschwitzt haben soll, sei daher nicht ernst zu nehmen. Ähnlich war es mit der Aussage, er habe an dem betreffenden Abend seine Tochter Beatrice zu einer Party in einer Filiale der Restaurantkette Pizza Express in der Kleinstadt Woking gefahren. Daran erinnere er sich noch genau, so Andrew, weil das für ihn ein "sehr ungewöhnlicher" Ausflug gewesen sei.

Kurz nach dem Interview legte Andrew seine öffentlichen Aufgaben für das Königshaus nieder. Organisationen, denen er als Schirmherr gedient hatte, distanzierten sich reihenweise von ihm. Ob er seinen Ruf jemals wieder herstellen kann, ohne dass die Vorwürfe zweifelsfrei ausgeräumt werden, scheint äußerst fraglich. (dpa)