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Entdecker im eigenen Schloss

Viele Jahre lag die Zukunft von Schloss Naundorf bei Schmiedeberg im Ungewissen. Ein neuer Eigentümer packt nun an.

© Egbert Kamprath

Von Franz Herz

Schmiedeberg. Eine Neigung zu alten Gebäuden mit viel Geschichte hat Dr. Konstantin Hermann schon seit Kindesbeinen. So war es ein logischer Schritt, dass er im Frühjahr das Schloss in Naundorf bei Schmiedeberg gekauft hat.

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In der Turmkugel befanden sich auch Dokumente wie ein Stammbaum der früheren Besitzer, den Raimund Kunze und Konstantin Hermann zeigen.
In der Turmkugel befanden sich auch Dokumente wie ein Stammbaum der früheren Besitzer, den Raimund Kunze und Konstantin Hermann zeigen. © Egbert Kamprath

Sein Vater war Pfarrer gewesen, daher hat er seine frühe Kindheit in großen, alten Pfarrhäusern verbracht. Später ist er mit seiner Mutter nach Frauenstein gezogen, wo die Großmutter ein Haus besaß, das Anfang des vorigen Jahrhunderts errichtet worden war. „Das hat mein Urgroßvater gebaut, der war Architekt. Daher hat das Bauen in unserer Familie immer eine Rolle gespielt“, berichtet Hermann. Der Urgroßvater hieß Arthur Göpfert. Er war von 1909 bis 1918 Abgeordneter im sächsischen Landtag für den Wahlkreis Dippoldiswalde, zu dem Frauenstein damals gehörte, und er hat in der Kommission zur Erhaltung der Baudenkmale mitgearbeitet.

Das macht der Urenkel jetzt ganz praktisch. In den Jahren von 2008 bis 2015 hat er sich um die Sanierung des Hauses in Frauenstein gekümmert. Auf diesen Erfahrungen baut er auch bei seinem Vorhaben in Naundorf auf. Derzeit ist er immer noch dabei, das Schloss zu beräumen und spätere Einbauten zu entfernen.

Ihm geht es dabei auch darum, Spuren zu entdecken, die Rückschlüsse auf die Baugeschichte des Gebäudes erlauben. Er ist als Entdecker im eigenen Schloss unterwegs. „Wenn die Sanierung einmal beginnt, gibt es diese Chance über viele Jahre nicht mehr“, sagt Hermann.

So wie er das Schloss schrittweise entdeckt, so lernt er auch über dieses Vorhaben neue Freunde kennen. Die Naundorfer Raimund Kunze und Klaus Holfert helfen ihm und beteiligen sich an den Arbeiten. „Vier Freunde haben erst vor Kurzem einen ganzen Container mit Sperrmüll beladen. Die kannte ich vorher gar nicht“, erzählt Hermann. Die Firma Becker unterstützt das Projekt bei Entsorgungsarbeiten.

Das Interesse an der Geschichte hat Konstantin Hermann zu seinem Beruf gemacht. Nach seinem Abitur am Glückauf-Gymnasium Dippoldiswalde hat er in Berlin Geschichte studiert. „Es stand aber immer fest, dass ich nach Sachsen zurückkehren will“, sagt er. So hat er sich nach dem Studium bei der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (Slub) in Dresden beworben, wo er heute eine Abteilung mit rund hundert Mitarbeitern leitet.

Neben dieser Arbeit ist er auch ein produktiver Wissenschaftler. Wer den Namen Konstantin Hermann im Katalog der Slub aufruft, bekommt über 200 Einträge von Büchern und Aufsätzen zu verschiedensten Themen sächsischer Geschichte, die der 43-Jährige geschrieben oder als Herausgeber betreut hat. Er arbeitet auch als Historiker bei der sächsischen Akademie der Wissenschaften mit. „Das bedeutet schon auch eine Anerkennung für das, was ich privat noch mache“, sagt er.

Für ihn als Historiker blieben in Naundorf bisher viele Wünsche offen. „Über das Schloss sind wenige Unterlagen oder Veröffentlichungen zu finden“, musste er feststellen. Darum hatte er im Mai große Hoffnungen in die Öffnung der Turmkugel gesetzt, zu der auch seine Söhne Kasimir und Jaromir gekommen waren. In der Kugel fanden sich zwar Bilder oder Münzen, aber keine historischen Pläne, die den früheren Bauzustand dokumentiert hätten.

So wird er während der Aufräumarbeiten und der Sanierung aufmerksam bleiben, wo er Spuren entdeckt, die ihm etwas über die Geschichte verraten. Die erste Etage hat er inzwischen beräumt. In der zweiten Etage und auf dem Dachboden warten wohl noch drei, vier Container Sperrmüll auf die Entsorgung. Jetzt im Winter will er beginnen, im Garten den Wildwuchs zu beseitigen und Ahornbäume rausschneiden, die dort nicht hingehören. Das kommende Jahr wird noch im Zeichen der Entrümpelung und der Abrissarbeiten stehen, eine Zwischenmauer und der Betonschacht für den Essenaufzug sollen noch weichen. 2019 soll die Sanierung selbst beginnen.