Merken

Erinnerungen der etwas anderen Art

Eine Ausstellung zeigt die Arbeit des Architekten Woldemar Kandler. Bei der Vorbereitung wurde die Enkelin überrascht.

Teilen
Folgen
NEU!
© Klotzscher Verein

Wenn Gisela Kandler durch Klotzsche spaziert, wird sie an vielen Ecken an ihren Großvater erinnert. Den lernte sie nie kennen. Denn 1929 starb Woldemar Kandler im Alter von 63 Jahren. Vor seinem Tod war der Architekt aber sehr aktiv: 58 Kirchen, fünf Friedhofskapellen, 13 Pfarrhäuser, neun Schulen sowie mehrere Wohnhäuser errichtete oder erneuerte er zwischen 1896 und 1914. Auch in Klotzsche, dem Stadtteil, in dem er später lebte, prägte er das Bild. Weil sich 2016 sein 150. Geburtstag jährt, haben die Enkelin und der Klotzscher Verein sich etwas überlegt.

Gemeinsam haben sie eine Ausstellung auf die Beine gestellt, die vor allem das Wirken in dem Viertel im Dresdner Norden zeigt: von der Familienvilla in der Goethestraße, die noch bis 2001 von seinen Nachkommen bewohnt wurde, bis hin zur Restaurierung der Klotzscher Christuskirche. Mehrere Tafeln mit Bildern und Text zeigen dieses Wirken nun im Rathaus Klotzsche in der Kieler Straße. Dort ist die Schau noch bis zum 5. Mai zu sehen.

Um alle Informationen zu sammeln, lief die Enkelin mit Heinz Geißler vom Klotzscher Verein durch das Viertel. Auch die Anwohner sollen bald die Bauten Kandlers live sehen. Für den 23. April plant der Verein einen Stadtteilspaziergang, bei dem die Architektur des Verstorbenen im Vordergrund stehen soll. Vom alten Friedhof, auf dem sich Kandlers Grab befindet, geht es in Richtung Königswald, wo es die meisten Bauten des Kirchenbauers gibt.

„Es ist enorm, wie vielfältig er gebaut hat“, sagt Gisela Kandler über ihren Großvater. Enorm war für sie auch die Entdeckung, die die Enkelin während der Ausstellungsvorbereitung gemacht hat. Auf einem Porträt ihrer Großeltern entdeckte sie ein Familienerbstück: Die Kette der Oma, die sie in diesem Moment um den Hals trug – eine andere Erinnerung als die vielen Klotzscher Bauten. (SZ/sag)