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Erst gesoffen, dann in den Tod gefahren

Noch immer ist nicht genau klar, wie der tödliche Unfall am Freitagabend passieren konnte. Alle Beteiligten waren Freunde.

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© Anne Hübschmann

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

War es eine Art Autorennen oder nicht? Diese Frage beschäftigt noch immer viele rund um Großenhain nach dem tödlichen Unfall am Freitagabend zwischen Oelsnitz und Strauch (SZ berichtete). Der Verkehrsunfalldienst ermittelt weiter, aber es gäbe derzeit keine Anhaltspunkte, dass die Beteiligten sich unter Alkohol ein Rennen lieferten, so die Polizei-Pressestelle in Dresden auf SZ-Nachfrage. Offenbar war der Zusammenstoß der Freunde wirklich ein tragischer Unfall. Dessen Spuren sind noch an einem Baum zu sehen, wo Blumen niedergelegt wurden.

Ausgangspunkt war ein Treffen von drei Freunden in Oelsnitz. Die Rede ist von Lehrling Markus H. (17) aus Oelsnitz, seinem Freund André M. (28), der früher in Brößnitz wohnte, und dem 28-jährigen René B. aus Oelsnitz. Kurz vor 22 Uhr beschlossen die Drei, noch einmal wegzufahren, um in Strauch am Automaten Zigaretten zu holen. Markus hat bereits einen Führerschein auf Probe, und er hatte als Einziger nichts getrunken.

Cannabis im Blut

So steuerte der 17-Jährige den Honda Civic seines Freundes André. Der 28-jährige René B. zeigte weniger Verantwortung, er setzte sich betrunken mit 1,3 Promille ebenfalls in seinen Opel Corsa, auch Cannabis wurde in seinem Blut nachgewiesen. Einen Führerschein und eine Zulassung für den Corsa hatte er nicht dabei, als die Polizei eintraf. Insidern zufolge soll aber jemand aus der Familie am Tatort gewesen sein und habe die Papiere verschwinden lassen. Dem Vernehmen nach werde im Haus der Bs. auch selbst Alkohol hergestellt.

Auf der Landstraße zwischen Oelsnitz und Strauch geschah das Unglück. Die Strecke ist verlockend zum Gasgeben. Kurz vorm Ortseingang Strauch stießen die Fahrzeuge zusammen, der Corsa raste in ein Feld, dessen berauschter Fahrer blieb so gut wie unverletzt. Der Honda Civic aber krachte frontal gegen einen Baum. Der 17-jährige Markus, der nur mit bestimmen Begleitern hätte fahren dürfen, wurde schwer verletzt. Für seinen Beifahrer André M. gab es keine Hilfe mehr – er starb noch am Unfallort kurz vor Strauch.

Die Straucher Feuerwehr wurde Zeuge dieses tragischen Geschehens. Doch dort will man sich nicht äußern. Nur so viel: Bis vier Uhr morgens hatten sie an der Unfallstelle zu tun. Auch Großenhainer Feuerwehrkameraden waren im Einsatz.

„Er wollte ihn noch wiederbeleben und hat ihn aus dem Auto rausgeholt“, schreibt Tommy B. auf Facebook über seinen großen Bruder René. Auf Facebook waren viele kritische Worte über das Fahren unter Alkohol und Drogen geäußert worden.

Doch nun ist André M. tot. In der Gröditzer Autohaus KG sind die Mitarbeiter sehr betroffen. „André war über eine Ausbildungsgesellschaft bei uns dreieinhalb Jahre Lehrling“, sagt Geschäftsführer Kurt Feldner. Leider konnte der Kfz-Mechatroniker nicht übernommen werden. Seit etwa einem Jahr war der frühere Brößnitzer deshalb nicht mehr in der Firma. Die Mitarbeiter erinnern sich an ihn und sprechen den Angehörigen ihr Beileid aus.

SEK-Einsatz vor vier Jahren

In Oelsnitz allerdings ist das Unglück noch viel deutlicher Gesprächsthema. Denn Familie B. und speziell Ronny B. sind hier vielen unrühmlich bekannt. Im Mai 2014 sorgte

er für einen Besuch des Sondereinsatzkommandos der Polizei (SEK). Ronny hatte einen Nachbarn und seinen Neffen als Geiseln genommen. Für die Ereignisse in Oelsnitz wurde der Großenhainer vom Gericht zu einem Jahr und zehn Monaten verurteilt, und zwar als Unterbringung in einer Erziehungsanstalt mit Therapie.

Dieser Neffe war René B. Nun wird er wahrscheinlich selbst vor Gericht den fatalen Zusammenstoß mit seinen Freunden erklären müssen.