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Erste Brennstoffzelle in einem Großenhainer Wohnhaus

2300 Erdgas-Kunden in Großenhain können auf die Entwicklung der Brennstoffzelle hoffen. Der Anfang ist gemacht.

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© K.-D. Brühl

Von Birgit Ulbricht

Kleinraschütz. Der Kasten ist 1,80 Meter hoch, passt gerade mal auf 0,65 Quadratmeter Fläche und liefert Strom. Was zunächst nicht weiter spektakulär klingt, ist ein riesiger Schritt in Richtung dezentrale Energieversorgung. Als erster Heiztechnikhersteller hat Viessmann ein in Großserie gefertigtes Brennstoffzellen-Heizgerät in den europäischen Markt eingeführt. In Gemeinschaftsentwicklung mit Panasonic wagen die Deutschen seit 2015 den Schritt zu den heimischen Verbrauchern. In Japan wurden Brennstoffzellen von Panasonic über 60 000 Mal installiert – hierzulande verkauft Viessmann derzeit gerade einige Hundert Anlagen im Jahr. Mit 25 000 Euro sind sie für den Masseneinsatz noch zu teuer, wie viele alternative Energien. Dorrit Herrmann ist froh, dass sie in ein einmaliges europäisches Förderprogramm gekommen ist – 10 000 Euro konnte die Familie so sparen. Das Bundesamt für Wirtschaft- und Ausfuhrkontrolle (Bafa) beteiligt sich außerdem mit weiteren 3 500 Euro an der zukunftsweisenden Technik.

Erdgas muss am Haus anliegen

Und selbst vom Finanzamt kann die Kleinraschützer Familie auf eine Steuererstattung hoffen. Der Fiskus zahlt die Mineralölsteuer für das verbrauchte Erdgas zurück. Denn für diese Brennstoffzelle braucht es nur einen Erdgasanschluss – mit Flüssiggas funktioniert die Brennstoffzelle aber nicht.

In einer chemischen Reaktion wird das Erdgas aufgespalten – der Kunde erzeugt Wärme und Strom. Der Wasserstoff wird sofort im Kreislauf verbraucht. Als Abprodukt der heimischen Brennstoffzelle entsteht Wasser, das benötigt die Anlage zur Regeneration wieder größtenteils. Der Schornsteinfeger ist nur alle drei Jahre Pflicht. Und wie viel KW kann der Verbrauch nun durch die eigene Stromerzeugung einsparen? Wolfgang Griesche von der gleichnamigen Großenhainer Heizungs- und Sanitärfirma, die den Service der Brennstoffzelle vor Ort übernimmt: Im Laufe eines Tages erzeugt die Anlage bis zu 15 Kilowattstunden Strom, womit ein Großteil des Bedarfs im Haushalt abgedeckt werden kann – Strom, den man nicht beim zentralen Anbieter zukaufen muss.

Entsprechende Stromzähler registrieren nicht nur die Vergütung für den selbst erzeugten Strom, sie ermöglichen übers Internet auch die Steuerung der gesamten Haustechnik. Die Wärmeleistung des Moduls beträgt 1 Kilowatt und entspricht damit dem Grundbedarf eines energieeffizienten Eigenheims. Um an besonders kalten Tagen eine komfortable Wärme zu gewährleisten, hat Viessmann einen Gas-Brennwertkessel in die Anlage integriert.

Der schaltet sich dann zu und liefert mit bis zu 19 Kilowatt ordentlich Wärme – auch fürs schnelle Wassererhitzen. Dass die Einfamilienhaus-Brennstoffzelle eine deutlich geringere Wärmeleistung als ihre großen Vorgänger-Modelle hat, macht sie gerade im Privaten alltagstauglich. Die bisherige Leistung von sechs Kilowatt war schlicht zu groß fürs Eigenheim. Die großen Anlagen produzieren zu viel Wärme für ein Wohnhaus und sind eher für Gewerbeeinheiten wie Gärtnereien geeignet.

Und wie viele Haushalte haben überhaupt die Chance in Großenhain, von dieser Entwicklung zu profitieren? Etwa 2300 Haushalte sind an die Erdgasversorgung angeschlossen – mehr nicht.