Merken

Ervin verschiebt Produktionsstart

Eine Gefährdung der Anwohner besteht nicht, betont das Unternehmen. Trotzdem verzögert sich jetzt die Betriebsgenehmigung.

Teilen
Folgen
NEU!

Von Antje Steglich

Hoffentlich im ersten, vielleicht aber auch erst im zweiten Quartal des nächsten Jahres wird die Landesdirektion Dresden die Betriebserlaubnis für das neue Stahlwerk in Glaubitz erteilen. Das sagte der künftige Werkleiter Mike Schwarz am Mittwochabend auf einer Informationsveranstaltung den Anwohnern. Die Pläne des amerikanischen Stahlgiganten Ervin, schon Ende 2013 mit dem Probelauf zu starten, werden damit um Monate zurückgeworfen. Schuld daran ist die erneute Auslegung der Pläne im Rahmen des Immissionsschutzgesetzverfahrens.

Das Unternehmen selbst hat diesen Prozess bereits im Juli in Gang gesetzt, da es feststellen musste, dass dem Luftgutachten eine falsche Probe zugrunde lag und die Prognose deshalb mangelhaft ist, heißt es. „Wir haben uns daher entschieden, das Verfahren neu zu starten. Das ist zwar schmerzlich, aber wir wollen hier lange bleiben und sind sehr an Transparenz interessiert“, so Mike Schwarz. Neben zum Beispiel einer minimalen Veränderung der Hallengröße und weiteren kleineren baulichen Veränderungen steht so auch die Luftprognose im Mittelpunkt der Ausführungen im TGZ vor etwa 40 Glaubitzern. Dabei stimmen die meisten Werte mit denen aus dem alten Gutachten überein, erklärte der Sachverständige. Bei der Messung von Nickel, Chrom und Blei gab es zwar Unterschiede – sprich höhere Werte. Dennoch liegen die Werte unter den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten, teils sogar deutlich unter den Irrelevanzgrenzen. „Es sind keine Gefahren für die Nachbarn zu erkennen“, betonte deshalb der Gutachter.

Keine Probleme mit Dioxin erwartet

Ähnlich sehe es auch bei dem Schallgutachten aus, das aufgrund der Veränderungen ebenfalls aktualisiert wurde. Demnach sind die Streumener- und Zeithainer Straße in Glaubitz zwar am meisten vom Lärm aus dem Stahlwerk betroffen. Die Prognose liegt mit bis zu 35 Dezibel in der Nacht und bis zu 60 Dezibel am Tag jedoch ebenfalls deutlich unter den Grenzwerten. Die Frage, ob man im Dorf etwas vom Baulärm gehört habe, wurde verneint. „Ich erwarte, dass dies auch so bleibt“, so Mike Schwarz.

So beruhigte er die Anwohner auch bezüglich des gefürchteten Brummiverkehrs über die B 98, der schon jetzt von den Glaubitzern als belastend empfunden wird. Man sei aktuell dabei, die Vertriebswege zu planen und es kristallisiere sich bereits heraus, dass vor allem die Straßen Richtung Riesa für An- und Auslieferungen benutzt würden. Perspektivisch wolle man zudem die Schiene und die Elbe als Transportwege ins Auge fassen. Ebenso soll vorrangig unter der Woche und nur im Notfall noch Samstagvormittags produziert werden, so dass Sonntag Zeit für die Wartung des Ofens und Ruhe für die Anwohner bleibt.

Die können auch auf die hohen Qualitätsansprüche von Ervin vertrauen, so Mike Schwarz auf die Anfrage eines Glaubitzers bezüglich des verwendeten Schrotts. Man kaufe nur bei zertifizierten Lieferanten, Schrott aus Müllverbrennungsanlagen, Elektronikschrott sowie die sogenannte weiße Ware, also Kühlschränke, seien tabu. Deshalb wird erwartet, dass Dioxin und Co. kein Thema sein wird.

Ervin investiert in seinen zweiten deutschen Standort etwa 26 Millionen Euro, um hier jährlich bis zu 60 000 Tonnen Strahlmittel – also kleine Stahlkügelchen – herzustellen. Für die kommenden drei Jahre geht Mike Schwarz aber von einer Jahresleistung von 30 000 bis 35 000 Tonnen aus. Die Zahl der Mitarbeiter soll bis zum Produktionsstart auf 40, später auf 70 steigen. Auswirkung auf den laufenden Bau des Werkes habe das neue Verfahren nicht. Bis 28. Oktober sind die geänderten Unterlagen im Nünchritzer Gemeindeamt sowie der Landesdirektion einzusehen. Einwendungen sind bis 11. November möglich. Liegen schwerwiegende Einwürfe vor, folgt Mitte Dezember ein Erörterungstermin. Vorher wird auch ein fertiges Werk keine Betriebserlaubnis erhalten.