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Es hat sich ausgeteilt

Die Car-Sharing-Genossenschaft hat Insolvenz angemeldet. Trotz anfänglicher Erfolge mit geteilten Autos in Niesky.

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© André Schulze

Von Tobias Hoeflich

Im Frühjahr standen die Zeichen noch auf Wachstum. Tobias Schlüter wollte prüfen, ob in Rothenburg Bedarf besteht an Car-Sharing. Bei dieser modernen Form des Teilens handelt es sich um Autos, die an einem festen Punkt in der Stadt stehen und auf Zeit gemietet werden können. Schon in Görlitz und Niesky hatte Schlüter mit seiner Genossenschaft n-mobil Neiße-Nysa-Nisa ein solches Angebot mit insgesamt fünf Fahrzeugen etabliert. Es soll sich an Leute richten, die zwar hin und wieder ein Auto brauchen, selbst aber keins besitzen wollen. Das habe in Görlitz recht gut und in Niesky sogar noch besser geklappt, sagte Schlüter im April.

Umso überraschender kommt nun die Insolvenz der Genossenschaft. Das Verfahren ist am 20. Juli eröffnet worden. Vorstand Tobias Schlüter selbst war in den vergangenen Tagen weder per E-Mail noch übers Telefon zu erreichen. Dafür lässt der zuständige Insolvenzverwalter Helmut Schwarz aus Dresden auf Anfrage durchblicken, dass n-mobil keine Zukunft mehr hat. Der Geschäftsbetrieb sei bereits eingestellt. Das wird auch deutlich bei einem Klick auf die Webseite, wo die Fahrzeuge in Görlitz und Niesky nicht mehr buchbar sind. „Für eine Neuaufnahme des Betriebs gibt es mangels finanzieller Mittel und tragfähigem Konzept keine Grundlage“, erklärt der Insolvenzverwalter.

Folgen hat das nicht nur für Privatkunden, die das Angebot der 2014 gegründeten Genossenschaft nutzten. Auch die Nieskyer Diakonissenanstalt Emmaus muss sich nun nach einer Alternative umsehen. Die Einrichtung hatte seit Anfang des Jahres mit n-mobil kooperiert: Angestellte von der Kita bis zum Hospiz konnten das Auto nutzen, das auf dem Emmaus-Gelände neben der Cafeteria stationiert war.

Inzwischen hat die Anstalt keinen Zugriff mehr auf das Fahrzeug, sagt Martin Trogisch, Wirtschaftsleiter der Diakonissenanstalt Dresden: „Wir versuchen gerade, einen alternativen Anbieter zu finden.“ Probleme im Dienstablauf gebe es durch den Wegfall des Mietautos nicht, betont Trogisch: „Das konnten wir kompensieren.“ Er hofft, mit dem Branchenprimus in Mitteldeutschland, dem Leipziger Unternehmen Teilauto, einen neuen Partner zu finden. Erste Gespräche habe es bereits gegeben. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nutzen bereits über 26 000 Kunden die rund 800 Fahrzeuge des Unternehmens. Dresden und Leipzig sind mit jeweils rund 200 Autos die größten Standorte.

Dass Teilauto die Lücke von n-mobil stopft, scheint auch in Görlitz möglich. Zumindest macht sich der Verein „Verkehrswende in kleinen Städten“ dafür stark. Dessen Mitstreiter haben durch ihren Einsatz vor Ort bereits in anderen Städten den Weg für neue Teilauto-Stationen geebnet. Wie Geschäftsführer Torsten Bähr mitteilt, gebe es bereits Gespräche mit Tobias Schlüter. „Es wäre schade, wenn sein Projekt , in das er viel Arbeit gesteckt hat, einfach einschlafen würde.“

Mehr Anfragen beim Konkurrenten

Dem Verein schwebt ein Modell vor mit Freiwilligen vor Ort, die sich etwa um organisatorische Dinge kümmern. Und Teilauto bildet die kommerzielle Basis. Bähr ist überzeugt, dass die Nachfrage in Görlitz genügen würde: „Im ostsächsischen Raum ist es die Stadt mit dem größten Potenzial.“ Schon im Bereich der Hochschule gebe es sicher Angestellte oder Studenten, die ein solches Angebot nutzen würden. „Aber es braucht eben lange, um die kritische Masse zu erreichen, dass die Autos ausreichend gebucht werden.“ Von der Nachfrage nach Gemeinschaftsautos war jedoch nicht nur n-mobil überzeugt. Mit dem bayrischen Unternehmen app2drive bekam die Genossenschaft im März Konkurrenz. Seitdem steht ein Fiat am Görlitzer Bahnhof zum Mieten bereit.

„Görlitz bietet wie alle Städte in Deutschland ein Wachstumspotenzial für den Carsharing-Markt. Aktuell sind wir mit der Entwicklung zufrieden“, sagt Sprecher Alexander Egli. Seit der Insolvenz von n-mobil sei die Zahl der Buchungen bei app2drive „spürbar gestiegen“. Ob deshalb sogar mehr Fahrzeuge denkbar wären, dazu hält sich Egli bedeckt: „Wir sind jederzeit in der Lage, kurzfristig auf veränderte Bedingungen einzugehen.“

Über einen Ausbau des Angebots dürften sich die Macher der Aktionstage „Anders mobil“ freuen. Dahinter stecken der Fahrradclub ADFC Görlitz und die katholische Pfarrei Heiliger Wenzel. Mit Veranstaltungen rund um den Internationalen autofreien Tag am 22. September wollen sie in dieser Woche dafür werben, dass es Alternativen zum Auto gibt, um sich fortzubewegen – ob mit dem Bus, Rad oder zu Fuß.

Die Aktionstage beginnen heute um 16 Uhr mit einer Führung im Tierpark zum Thema: Wie bewegen sich Tiere fort? Mehr zum Programm gibt es hier auf der Webseite des ADFC Görlitz.