merken

„Es ist das Schlimmste, wenn Kinder sterben“

Seelsorger Michael Leonhardi unterstützt Patienten der Uniklinik. Manchmal bleibt ihm nichts, als sie beim letzten Gang zu begleiten.

© Marten Ragab

Von Alma Uhlmann

In der Uniklinik geht es meist hektisch zu. Im Seelsorgezentrum jedoch merkt man davon wenig. Mit einer Kerze sorgt Michael Leonhardi, einer von vier Seelsorgern des Uniklinikums, für eine entspannte Atmosphäre. Dabei sind die Arbeitstage des evangelischen Pfarrers prall gefüllt. „Ich bin von Patient zu Patient unterwegs, gebe Seelsorge und bereite Gottesdienste und Andachten vor.“ In einem Moment muss der 60-Jährige still und in sich gekehrt sein, im nächsten ist er hellwach und in Kontakt mit zahlreichen Patienten und Mitarbeitern der Klinik. Besonders für Kinder ist der Seelsorger gern da.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Wenn Leonhardi, der selbst Vater von fünf Kindern ist, junge Patienten besucht, nimmt er eine Puppe namens Herbert mit. „Er ist alles, was ich als Pfarrer nicht sein darf“, sagt Leonhardi schmunzelnd. „Herbert ist direkt, frech und schnell genervt.“ Sein Koffer ist fast wie ein Zimmer eingerichtet. Es gibt ein Telefon mit direktem Draht zum Seelsorger und einen Sack für schlechte Gedanken. Herbert soll ein Vermittler zwischen Patient und Seelsorger sein und für positive Erfahrungen im Krankenhaus sorgen.

Manchmal jedoch kann selbst den jungen Patienten nicht mehr geholfen werden. „Es ist das Schlimmste, wenn Kinder sterben.“ Dann verbringt der Seelsorger auch die ganze Nacht mit Angehörigen im Krankenhaus. „In diesen Momenten finde ich oft keine Worte. Es muss aber auch gar nicht viel gesprochen werden.“ Trotzdem helfe es den meisten Angehörigen, wenn er bei ihnen ist. Eine letzte Segnung findet statt und Lieder werden gemeinsam gesungen. „Es ist fast unerklärlich, aber auch in diesen Momenten der Not gibt es ganz viel Lebendigkeit.“

Trotzdem braucht er Wege, das Erlebte nicht zu nah an sich heranzulassen. Nach der Arbeit fährt er deshalb mit dem Fahrrad nach Hause. So verblassen die vielen Patientenschicksale. Tritt für Tritt ein wenig mehr, bis er zu Hause ist.