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„Es sind die Feinde in der eigenen Partei“

Ein gewählter AfD-Kandidat verliert seinen Posten an den Landtagsabgeordneten Barth. Wurde er bedrängt?

Kontrahenten Barth, Ullmann. Zum zweiten Duell kamen über 70 AfDler
Kontrahenten Barth, Ullmann. Zum zweiten Duell kamen über 70 AfDler © Archivfotos: Daniel Förster

André Barth wirkte nach seiner Nominierung als Landtagskandidat erleichtert. Hinter dem 49-Jährigen liegen keine ganz einfachen Wochen, war er doch beim Nominierungstreffen Ende Oktober als AfD-Direktkandidat für den Wahlkreis 49 (Dippoldiswalde, Altenberg) von den Mitgliedern abgewählt worden. An seine Stelle trat der bisher öffentlich eher unbekannte Michael Ullmann, Bundespolizist in Berggießhübel. Barths Chancen auf einen Verbleib im Landtag waren gering.

Wenige Wochen später folgte jedoch der Sturz Ullmanns, dessen Privatinsolvenz bekannt wurde. Nach einem vom Kreisvorsitzenden Lothar Hoffmann als „sehr emotional“ bezeichneten Gespräch trat der Polizist von allen Ämtern zurück und erst einmal aus der Partei aus.

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Am Mittwochabend sollte in der Heidenauer Drogenmühle also ein neuer Direktkandidat für den Wahlkreis 49 gewählt werden. Der ungewöhnliche Anlass hatte Interesse geweckt: Mehr als 80 AfD-Mitglieder und Gäste hatten sich in den Räumlichkeiten versammelt. Es wurden auch gleich drei Bewerber für die Direktkandidatur vorgestellt. André Barth, der 2014 über die Landesliste in den Landtag eingezogen war und zur Zeit parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion ist, präsentierte sich als Hardliner. Zu seiner Abwahl im Oktober hatte unter anderem geführt, dass Barth einigen Mitgliedern als zu gemäßigt erschienen war. Mit seiner Rede versuchte er, es seinen Kritikern zu zeigen, und schoss gegen die etablierten Parteien. Daneben kandidierte auch der Dresdner Martin Braukmann, Jurist und Mitglied des AfD-Landesschiedsgerichtes, der sich etwas zurückhaltender präsentierte und vor allem auf seine Rechtskompetenz verwies.

Die Überraschung war Kandidat Nummer drei, Michael Ullmann, der sich noch einmal um das Amt bewarb, in das er zweieinhalb Monate zuvor schon einmal gewählt worden war. Ihm schien klar gewesen zu sein, dass er nach seinem ersten Rücktritt das Vertrauen der Mitglieder verspielt hatte. Anstatt einer ernsten Bewerbung nutzte er seine acht Minuten Redezeit für einen Frontalangriff auf den Kreisvorstand, von dem er sich zum Rücktritt gedrängt gefühlt habe. André Barth benannte er als Urheber dieser Intrige. „Ich dachte, ich werde vom politischen Gegner attackiert, dabei sind die Feinde in der eigenen Partei“, sagte er. Ullmann sprach außerdem von einer „Abwahlkampagne“ gegen seine Person. Daraufhin legte er seine Kandidatur nieder und empfahl die Wahl des „einzigen ehrlichen Kandidaten“: Braukmann. Nun steht in diesem Fall Aussage gegen Aussage. André Barth betonte am Donnerstag, dass er am Rücktritt Ullmanns gänzlich unbeteiligt gewesen sei. Zwar habe ein kleiner Teil des Vorstands dem frisch gewählten Kandidaten den Rücktritt nahegelegt, doch habe sich der selbstständig dazu entschieden. Barth selbst sei bei der Sitzung nicht dabei gewesen. Nach einem Gespräch mit dem Kreisvorsitzenden Hoffmann habe Ullmann daraufhin sogar versucht, vom Rücktritt zurückzutreten. Allerdings sei der zu diesem Zeitpunkt bereits rechtskräftig gewesen.

Schließlich fand die Wahl mit einiger Verzögerung statt, weil durch den Verzicht Ullmanns nur noch zwei Männer zu Wahl standen und deshalb neue Wahlzettel benötigt wurden. Schließlich gewann André Barth mit 55 Stimmen. Auf Martin Braukmann entfielen 20 Stimmen.

Zum Schluss gab es dann noch eine Überraschung. Vier AfD-Mitglieder um den Ex-Kreisvorsitzenden Egbert Ermer erklärten ihren Austritt aus der Partei. Grund sei das verlorene Vertrauen in die Bundespartei. „Der Umgang mit André Poggenburg ist nicht akzeptabel. Er ist umstritten, natürlich, aber er ist auch einer, der auf der Straße für unsere Sache gekämpft hat.“, sagte Ermer. Dennoch würde er weiter der „patriotischen Sache“ verbunden bleiben. Gegenüber dem Spiegel bestätigte er am Donnerstag, dass er mit Poggenburg an einer Parteigründung arbeite. Geplant sei eine „mitteldeutsche Bewegung“, mit Zweigen in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt, wo Poggenburg zu Hause ist.