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Kamenzerin in Essen ermordet

Madeleine W. war vermisst. Nun wurde sie tot gefunden. Tatverdächtig ist ihr Stiefvater. Auch er lebte früher hier.

© dpa

Von Ina Förster

Es ist leider traurige Gewissheit: Madeleine W. ist tot. Umgebracht – vermutlich von ihrem eigenen Stiefvater. Früher lebte die 23-Jährige in Kamenz. Sie ging hier zur Schule an der Saarstraße, verbrachte ihre Kindheit und Jugend vor Ort. Einige erinnern sich vielleicht noch an sie. Bis die Familie 2010 in Richtung Ruhrgebiet zog. Ein paar Jahre zuvor hatte ihre Mutter einen neuen Lebensgefährten in Hoyerswerda kennengelernt. Was Madeleine nun zum Verhängnis wurde. Denn dieser scheint zum Mörder geworden zu sein. Zu ihrem Mörder.

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Im Fernsehen wird seit Tagen über die Suche nach der verschwundenen jungen Mutter berichtet. Die 23-jährige Gelsenkirchenerin hatte bereits letzte Woche ihre zwei Jahre alte Tochter in den Kindergarten gebracht, sie dann am Nachmittag aber nicht wieder abgeholt. Seitdem lief die Fahndung im Ruhrgebiet auf Hochtouren. Ihr Lebensgefährte hatte sie als vermisst gemeldet. Nicht nur das nahe Umfeld, sondern beispielsweise auch der Essener Stadthafen wurde daraufhin von zahlreichen Rettungskräften durchsucht. Das sorgte natürlich für Aufsehen.

Die Polizei in Gelsenkirchen nahm laut Medienberichten bereits am Dienstagnachmittag den Stiefvater und den Stiefbruder der 23-Jährigen fest. In der Nacht zum Mittwoch durchsuchten Ermittler dann die Gartenlaube des Stiefvaters im zehn Kilometer entfernten Essen. Dort entdeckte das THW eine weibliche Leiche, deren Bergung allerdings Stunden dauerte. Die Bild-Zeitung sowie RTL sprechen von einer einbetonierten weiblichen Person. Eine Obduktion gestern Nachmittag sollte Gewissheit über den näheren Tathergang bringen.

Da wusste Madeleines Tante in Kamenz bereits seit Stunden Bescheid über den Tod der Nichte. „Für uns ist es seit Dienstagfrüh traurige Gewissheit“, sagt sie. Fassungslos verfolgt sie mit ihrer Tochter zusammen die schlimmen Nachrichten im Fernsehen und Internet mit. „Ich kann es immer noch nicht glauben, was da passiert ist. Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei meiner Schwester in Gelsenkirchen“, so die Kamenzerin. Mehr kann sie nicht sagen. Die Erinnerung an ihre tote Nichte treibt ihr die Tränen in die Augen. „Sie war ein ganz liebes Mädel. Zum Forstfest haben wir uns das letzte Mal gesehen. Auch mein Bruder aus Kamenz, Madeleines Onkel, trauert sehr. Unserer Mutter können wir die ganze Wahrheit aber gar nicht erzählen. Sie ist bereits 81 Jahre, sie würde die Welt nicht mehr verstehen“, sagt sie.

Das Telefon klingelt außerdem den ganzen Tag über. Das mache es nicht leichter. „Es ist einfach alles so unwirklich. Wir müssen das erst einmal verdauen.“

Polizei fahndete auch in Kamenz

Die Ermittlungen indessen laufen. Auch der Onkel der Ermordeten, wusste schon eher Bescheid. Die Polizei suchte nämlich sogar vor Tagen bei ihm in der Kamenzer Wohnung nach der Vermissten. „Meine Nichte hatte ein gutes Verhältnis zu ihm. Die Polizei nahm an, dass sie hierher in ihre alte Heimat geflüchtet sein könnte“, vermutet die Tante. Doch wovor war sie geflüchtet? Dass es familiäre Probleme in Gelsenkirchen gab, war kein großes Geheimnis. Medienberichten zufolge soll Madeleine W. bereits vor ein paar Wochen vor dem Stiefvater ins Frauenhaus geflüchtet sein. Die Tante nickt traurig, als sie das hört: „Zuzutrauen wäre ihm einiges. Unsere Familie war wegen dieses Mannes jahrelang zerstritten. Wir hatten deswegen kaum Kontakt mit meiner Schwester“, sagt die Tante. Was Madeleines Stiefbruder mit dem Fall zu tun hat, bleibt abzuwarten.

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Gestern Morgen spielte das Thema bereits in verschiedenen sozialen Netzwerken eine Rolle. Auch und vor allem bei Kamenzer Nutzern. Viele erkannten die 23-Jährige auf den veröffentlichten Fotos wieder. Madeleines zweijähriges Kind ist mittlerweile bei einer Pflegefamilie untergebracht. Die Tragödie ist noch lange nicht aufgeklärt; das Motiv unklar.