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Ex-Rotec-Chef gesteht Straftaten

Die Insolvenzen der Lomma und der Rotec GmbH sind jetzt juristisch aufgearbeitet. Am Mittwoch wurde Martin Spieß wegen Insolvenzverschleppung, Untreue und Bankrott verurteilt.

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© Ronald Bonß

Von Jürgen Müller

Radebeul. Der frühere geschäftsführende Gesellschafter der Lomma GmbH in Lommatzsch und der Rotec GmbH in Radebeul Martin Spieß darf sich jetzt strafrechtlich rein gar nichts mehr leisten. Ansonsten drohen ihm vier Jahre Gefängnis. Am Mittwoch wurde er vom Schöffengericht des Amtsgerichtes Dresden wegen vorsätzlicher Insolvenzverschleppung, Bankrotts in 195 Fällen sowie Insolvenzverschleppung und Bankrotts in 26 Fällen zu zwei Haftstrafen von jeweils zwei Jahren verurteilt. Wegen Untreue in neun Fällen muss er außerdem 9 000 Euro zahlen. Ein weiterer Angeklagter wurde wegen Insolvenzverschleppung und Untreue zu 4 500 Euro Geldstrafe verurteilt. Das Verfahren gegen eine dritte Angeklagte wurde wegen geringer Schuld gegen eine Geldauflage von 500 Euro eingestellt. Beide Gefängnisstrafen gegen Spieß wurden zur Bewährung ausgesetzt. Die Bewährungszeit beträgt jeweils drei Jahre. Über Spieß schwebt nun ein Damoklesschwert, wie Richter Thomas Hassel dem Angeklagten deutlich machte: „Bei einer neuen Tat sind Sie reif. Dann gibt es kein Zurück mehr. Vier Jahre sind eine lange Zeit“, so der Richter. Er verwies auf ein „deutliches Päckchen an Vorverurteilungen“. In Spieß` Sündenregister finden sich zwölf Einträge. Zuletzt wurde er am 28. November vorigen Jahres in Österreich, wo er jetzt lebt, wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und versuchter Nötigung zu einer Haftstrafe von zwei Monaten auf drei Jahre Bewährung verurteilt. Am 5. August vorigen Jahres verurteilte ihn das Amtsgericht Stuttgart wegen Freiheitsberaubung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 6 000 Euro. Er beging also neue Straftaten, obwohl er schon damals unter Bewährung stand und das jetzige Verfahren vor Augen hatte, wie der Richter feststellte.

Insolvenz verschleppt

Die Staatsanwaltschaft wirft in der Anklageschrift dem 59-jährigen Spieß diesmal unter anderem vor, die Insolvenz seiner Firmen Lomma GmbH, Lommatzsch Technology GmbH und Rotec GmbH in Radebeul verschleppt und die Insolvenzanträge bis zu 20 Monate zu spät gestellt zu haben. So war die Lomma bereits seit 29. Juni 2009 zahlungsunfähig. Insolvenzantrag wurde jedoch erst am 16. März 2010 gestellt. Rechnungen von 15 800 Euro standen nur Guthaben von 11 967 Euro gegenüber. Das Minus erhöhte sich später auf mindestens 30 000 Euro im Monat. „An keinem einzigen Tag in dieser Zeit war die Firma in der Lage, ihre Fälligkeiten zu bedienen“, stellt Staatsanwalt Alexander Brech fest. Ebenso die Rotec. Dort gab es zum Jahresende 2010 sogar eine Deckungslücke von 512 000 Euro. Um diese zu verringern, haben Spieß und ein Mitangeklagter von der später ebenfalls insolventen Lommatzsch Technology GmbH insgesamt 397 394 Euro an die Rotec überwiesen, um damit Rechnungen zu bezahlen, so die Anklage. Das Geld wurde der Insolvenzmasse entzogen. In 36 weiteren Fällen hat er vom Konto der Firma weitere Rechnungen bezahlt und auch mehrere Tausend Euro in Bar abgehoben. Auf Kosten der Lomma hat Spieß auch sieben Dienstfahrzeuge geleast und privat für sich und Familienmitglieder genutzt. Die Leasingkosten im sechsstelligen Bereich zahlte die Firma. Es handelte sich unter anderem um zwei Audi A 8, einen Audi A6, zwei Audi Q 7 und ein Mercedes-E-Klasse-Modell.

Urteile durch Deal

Die Urteile kamen aufgrund eines Deals zustande, also einer Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Ein solch durchaus üblicher Deal setzt allerdings ein vollumfassendes Geständnis voraus. Spieß tat sich schwer damit. Er trete der Anklageschrift nicht entgegen, teilte sein Anwalt mit. „Ich möchte dieses Verfahren für mich auch aus gesundheitlichen Gründen endlich abschließen“, sagte Spieß. Er sei 2009 wegen großer Gesundheitsprobleme nicht in der Lage gewesen, die Geschäfte zu führen. „Ich habe es trotzdem gemacht. Als zunehmend Forderungen der Gläubiger auf mich zukamen, bin ich durchgeknallt“, sagt er und spricht auch von einer „Hetzkampagne“ gegen ihn. Nach 18 Monaten sei deshalb ein Vertrag bei einer österreichischen Firma gekündigt worden. Jetzt sei er erwerbslos. Es gäbe zahlreiche zivilrechtliche Ansprüche gegen ihn, aber er sei nicht zahlungsfähig. Privatinsolvenz habe er nicht angemeldet.

Sein Mandant habe Visionen verwirklichen, Arbeitsplätze erhalten und neue schaffen wollen, sagt sein Verteidiger und gibt auch einer „unheilvollen Allianz“ mit Beratern schuld an der Misere. Er spricht vom „Ende einer Odyssee“. Ob die nun zu Ende ist, hat Spieß selbst in der Hand. Das Gericht jedenfalls gibt ihm eine positive Sozialprognose: „Es besteht nicht die Gefahr, dass Sie in Zukunft weitere Straftaten begehen“, so der Richter.