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Fachkräftemangel bereitet sächsischem Handwerk Sorgen

Meistermangel? Derzeit kein Thema. Aber Fachkräfte und Nachwuchs fehlen: Ein Fünftel der Handwerksbetriebe zeigt unbesetzte Stellen an.

© dpa

Leipzig. Trotz teilweise rückläufiger Zahlen bei den Meisterabschlüssen sieht das sächsische Handwerk derzeit keinen Mangel an Meistern. „Vielmehr bewegt uns der zunehmende Fachkräftemangel insgesamt“, erklärte der Pressesprecher des Sächsischen Handwerkstags, Frank Wetzel, auf dpa-Anfrage. Wegen der demografischen Entwicklung sei es für kleine und mittlere Unternehmer aus dem Handwerk seit einigen Jahren deutlich schwieriger, Fachkräfte fürs Handwerk zu gewinnen beziehungsweise aufzubauen.

Dass es seit einigen Jahren weniger Meisterabschlüsse pro Jahr im sächsischen Handwerk gebe, liege zum Teil auch daran, dass die Ausbildungs- und Qualifizierungsbereitschaft innerhalb des Handwerks zu wünschen übrig lasse. Allerdings sei eine Überalterung des Handwerks trotz der demografischen Entwicklung nicht zu verzeichnen: Nach Hochrechnungen des Handwerkstages werde zirka ein Drittel der annähernd 350.000 in den gut 59.600 sächsischen Handwerksbetrieben Beschäftigten in den nächsten knapp 20 Jahren altershalber aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Betroffen seien dabei alle Branchen im Handwerk, vor allem aber das Bau- und Ausbaugewerbe sowie das Metall- und Elektrohandwerk.

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„Die Zahl der Meisterprüfungen war nach der Wiedervereinigung deutlich besser, aber da hatten wir auch andere Voraussetzungen“, räumte Sprecher Ralf Krüger von der Handwerkskammer Dresden bei der dpa-Umfrage ein. Allerdings seien die Dresdner froh, dass sich seit 2006 die Zahl der neuen Meister-Absolventen bei etwa 400 eingepegelt habe. „Das ist ein guter Wert für einen Kammerbezirk mit 23.000 Mitgliedsbetrieben“, erklärte Krüger. Am 16. November würden in Dresden 408 junge Meisterinnen und Meister geehrt. Seit 1990 seien insgesamt fast 15.000 Meister im Kammerbezirk „nachgewachsen“.

Allerdings spricht auch er von einem Fachkräftebedarf im Handwerk des Kammerbezirks, von dem alle Branchen betroffen seien. „Am meisten gesucht werden unter anderem Kfz-Mechatroniker und Elektroniker, aber auch Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Bäcker und Friseure. Aber auch auf dem Bau gibt es Bedarf, man könnte die Liste fortsetzen“, betonte Krüger. In den nächsten zehn Jahren werden im Kammerbezirk Dresden rund 4.000 Unternehmensnachfolger gesucht werden, da dann die derzeitigen Inhaber voraussichtlich aus Altersgründen ausscheiden werden.

Nach Angaben der Handwerkskammer Leipzig werden in ihrem Kammerbezirk jährlich rund 300 junge Handwerker in den Meisterstandstand erhoben. Dabei sei die Zahl der Meisterabsolventen seit 2004 relativ konstant. Allerdings gibt es nach Angaben von Pressesprecherin Andrea Wolter ein Nachwuchsproblem. „Wie bereits in den vergangenen Jahren konnten nicht alle Lehrstellen besetzt werden“, berichtete sie. Ursache dafür sei zum einen die demografische Entwicklung, zum anderen die mangelnde Akzeptanz einer handwerklichen Ausbildung bei den Schülern. Dennoch beginnen im Kammerbezirk jedes Jahr rund 1.000 junge Menschen eine Ausbildung im Handwerk.

Im Bereich der Handwerkskammer Chemnitz kommt eine Ausbildung in einem Handwerksberuf in letzter Zeit offenbar wieder in Mode. „Ein erstes Anzeichen dafür ist die steigende Zahl von Auszubildenden“, sagte Hauptgeschäftsführer Frederik Karsten der dpa. Dies sei ein Umschwung, der einer „Überakademisierung“ entgegentrete. Damit sei es auch möglich, den Fachkräftebedarf von Handwerk und Industrie langfristig zu befriedigen. (dpa)