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Fällt der Städtebund auseinander?

Im Sachsenkreuz kriselt es. In Geringswalde regt sich Widerstand gegen den Verbund. Es ist bereits vom Ausstieg die Rede.

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Von Cathrin Reichelt

Der Städtebund Sachsenkreuz sei zu teuer und habe bisher zu wenige greifbare Dinge hervorgebracht. Diesen Vorwurf erhebt David Rausch von der Fraktion der Linken im Geringswalder Stadtrat. Er fordert, dass die Stadt Geringswalde das vierblättrige Kleeblatt mit Waldheim, Hartha und Leisnig verlässt. Bürgermeister Thomas Arnold (parteilos) spricht sich weder für noch gegen einen Ausstieg aus dem Städtebund aus. „Ich arbeite grundsätzlich gern mit den Bürgermeistern der anderen Städte zusammen“, sagt er auf Anfrage des Döbelner Anzeigers. Aber es sei Sache des Geringswalder Stadtrates, über einen Austrittsantrag aus dem Städtebund zu entscheiden – wenn er denn gestellt werde.

Gerald Herbst, Bürgermeister von Hartha (CDU) und derzeit Sprecher des Sachsenkreuz, kann die Meinung von David Rausch nicht teilen. Zum einen sei der Städtebund nicht zu teuer. Jede Kommune zahlt einen Euro pro Einwohner und Jahr in den Gemeinschaftstopf. Damit könne nicht einmal eine ganze Arbeitskraft finanziert werden. Zum anderen habe der Städtebund das Geld gut angelegt – zum Beispiel in das Tourismusmanagement, das seit eineinhalb Jahren läuft und noch einmal so lange geplant ist. „Auch ich war davon anfangs nicht so begeistert, weil Hartha und Geringswalde nicht die typischen Touristenstädte sind“, so Herbst. Aber er habe sich eines Besseren belehren lassen. Das Biwak in Gersdorf habe viele Menschen angezogen. „Es macht Sinn, so etwas auf die Beine zu stellen“, meint Herbst. Geringswalde habe auf seinem Gebiet das Franzosengrab. Das lasse sich in thematische touristische Angebote einbinden – wenn die Stadt wolle.

Der Wille habe auch in Bezug auf die Geringswalder Bibliothek gefehlt. Die habe der Städtebund aus ihrem Dornröschenschlaf wecken wollen. Aber dazu müsse Geringswalde ein bisschen Geld in die Hand nehmen. Fördergeld könnte es zusätzlich geben, wenn die Stadt Fachpersonal nachweisen könne. Mit dem wollten die anderen Mitglieder des Sachsenkreuz aushelfen. Allerdings sei die Initiative von Seiten Geringswalde ausgeblieben.

Auch bei der Kehrmaschine, die Hartha, Waldheim und Leisnig gemeinsam angeschafft haben, hat sich Geringswalde nicht beteiligt. Zwar werde dieser Kehrverbund immer wieder belächelt, „aber er hat jedem von uns rund 70000 Euro gespart“, so Gerald Herbst. Außerdem sei die Maschine jeden Tag im Einsatz. Hätte sich jede Stadt eine eigene angeschafft, würden die drei Fahrzeuge öfter ungenutzt rumstehen.

Bricht der Städtebund Sachsenkreuz auseinander, wenn Geringswalde ausscheidet? Das werde auf keinen Fall passieren, meint Herbst. Dem grundzentralen Verbund schade der Austritt nicht. Die regionale Planungsstelle Südsachsen sehe ohnehin nur Waldheim, Leisnig und Hartha als zusammengehörig an. Geringswalde werde dem Rochlitzer Raum zugeschlagen.

Allerdings hätte der Weggang Geringswaldes finanzielle Auswirkungen auf die drei anderen Städte. Sie müssten eine höhere Umlage zahlen, um das fehlende Geld der Geringswalder im Haushalt des Sachsenkreuz auszugleichen.