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Fahnenflucht in den Krieg?

Brisanter Verdacht bei der Bundeswehr: Ein Fallschirmjäger soll sich abgesetzt haben, um im Osten der Ukraine an der Seite der pro-russischen Separatisten mitzukämpfen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

© dpa

Von Christoph Sator

Berlin. Fahnenflucht in Friedenszeiten - dafür kann es, so viel weiß man nach bald 60 Jahren Bundeswehr, die verschiedensten Gründe geben: Stress mit den Vorgesetzten, Ärger mit den Kameraden, Frust über die Freundin zu Hause. Der Fall, der jetzt für Aufregung sorgt, ist anders gelagert. Bei den Fallschirmjägern im niedersächsischen Seedorf hat sich ein 23-jähriger Hauptgefreiter wohl unerlaubt von der Truppe entfernt, um im Osten der Ukraine an der Seite der prorussischen Separatisten in den Krieg zu ziehen.

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Der Mann - ein Russland-Deutscher, der 1991 in der gerade zerfallenden Sowjetunion geboren wurde - hatte sich vor zwei Jahren als Zeitsoldat verpflichtet und kam zur Division Schnelle Kräfte (DSK). Die Fallschirmjäger von dort verstehen sich als eine Art Elitetruppe. Ihre Ausbildung gilt als besonders hart. Zum Einsatz kommen sie beispielsweise, wenn deutsche Staatsbürger im Ausland in Sicherheit gebracht werden müssen.

Vor einigen Wochen erschien der Hauptgefreite dann nicht mehr zum Dienst. Anfangs war er zwei Wochen krankgeschrieben. Als er auch danach nicht in die Kaserne kam, machten sich die Feldjäger auf die Suche, wie das in solchen Fällen üblich ist - ohne Erfolg. Auch alle anderen Versuche, mit dem abtrünnigen Soldaten oder seiner Familie in Kontakt zu treten, brachten nichts.

In einer vertraulichen Meldung, aus der die „Süddeutsche Zeitung“ am Donnerstag als erste zitierte, heißt es nun: „Ermittlungen haben ergeben, dass er sich wahrscheinlich in die Ukraine abgesetzt hat, um dort die pro-russischen Separatisten zu unterstützen.“ Für eine solche These spricht seine Herkunft. Angeblich meldete er sich aus dem Gefechtsgebiet über den Kurznachrichtendienst WhatsApp auch bei einem Zeugen.

Gefechtsausrüstung weg, Waffen noch da

Der Ermittlungsakte zufolge fehlt auch die Gefechtsausrüstung des Mannes wie Helm und Schutzweste. Seine Bundeswehr-Waffen soll er aber nicht mitgenommen haben. Standardmäßig sind die Fallschirmjäger mit Sturmgewehr und Sturmpistole ausgestattet, die nach Dienstende aber nicht mit nach Hause genommen werden dürfen. Beides soll sich noch in seiner Kaserne in Seedorf befinden. An Waffen fehlt es den Separatisten im Osten der Ukraine aber auch nicht.

Die Chancen, den Bundeswehr-Soldaten dort ausfindig machen zu können, werden als gering eingeschätzt. Falls aber doch, droht ihm ein längerer Aufenthalt im Gefängnis. Im Wehrstrafgesetz, Paragraf 18, heißt es dazu: „Wer sich oder einen anderen Soldaten durch arglistige, auf Täuschung berechnete Machenschaften dem Wehrdienst dauernd oder für eine gewisse Zeit, ganz oder teilweise entzieht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft.“

Brisant ist der Fall aber auch, weil es gerade Pläne für einen Bundeswehr-Einsatz im Osten der Ukraine gibt. Zusammen mit Frankreich hat Deutschland der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) das Angebot gemacht, den brüchigen Waffenstillstand mit Drohnen zu überwachen. Entschieden ist noch nichts. Aber falls es tatsächlich zu einem bewaffneten Einsatz kommt, könnten auch Soldaten aus Seedorf dabei sein. (dpa)