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Fahrradzubehör aus der alten Molkerei

In Nieder Seifersdorf baut die Firma Saxonar ihren Geschäftssitz aus. Denn das Unternehmen will sich vergrößern.

© André Schulze

Von Sabine Ohlenbusch

Nieder Seifersdorf. Hier ist der Lichthof gewesen, hier sind die Eselgespanne hereingefahren“, sagt Andreas Görnitz. Der Geschäftsführer steht mitten in der Baustelle seiner Firma Saxonar und zeigt auf alte Mauerreste und Rundbögen. Denn die ehemalige Molkerei wird gerade ausgebaut. Hier entwickeln und fertigen er und seine Mitarbeiter seit 2010 den Fahrrad-Leistungsmesser Power2Max. Die Arbeiten sind bereits weit fortgeschritten: Nächste Woche soll schon das Richtfest sein.

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Als Andreas Görnitz sich 2008 als Ingenieur selbstständig machen will, liefert das Hobby seines Geschäftspartners Marco Rockstroh die Idee für ein gemeinsames Unternehmen: Dieser ist passionierter Radsportler und so einigen sich die beiden, einen Leistungsmesser fürs Rad zu entwickeln. Die beiden folgen dem Konzept eines deutschen Ingenieurs. Direkt an der Verbindung zwischen Kettenblatt und Tretkurbel wollen sie die Kraft messen, mit der ein Radfahrer in die Pedale tritt. Kurbel und Tretlager seines Rades kann der Fahrer mit verschiedenen Ausführungen des Geräts kombinieren. Die gemessenen Daten können dann über Funk zum Beispiel auf Fahrradcomputer anderer Hersteller übermittelt und dort abgelesen werden.

Marco Rockstroh übernimmt die Vermarktung und den Vertrieb, Andreas Görnitz siedelt die Entwicklung, Produktion und Logistik in Nieder Seifersdorf an. Das eigentliche Gerät ist eine dünne Scheibe aus schwarzem Aluminium und Kunststoff, in der eine Menge Technik steckt. „Die Platinen dafür werden im Vogtland bestückt“, erklärt Andreas Görnitz .

Auch die gesamte Produktion der Leistungsmesser führt er in seinem Betrieb in Nieder Seifersdorf durch. Unter anderem lobt Roland Jäkel, Vorsitzender des Unternehmerverbandes Niederschlesien, genau das an Andreas Görnitz und seinem Konzept: „Saxonar ist ein hochinnovatives Unternehmen, das wissenschaftliche Leistungen direkt in die Praxis umsetzt und einige Arbeitsplätze geschaffen hat. Damit ist es ein kleiner Leuchtturm in unserem Landkreis.“ Und er fügt hinzu: „So etwas brauchen wir hier. “

Als die Firma 2010 mit der Produktion begonnen hat, ist sie in die ehemalige Molkerei an der Hauptstraße in Nieder Seifersdorf gezogen. Das Gebäude hat seit 2005 leer gestanden. „Wir haben damals nicht gewusst, wie unser Produkt sich verkaufen wird“, erzählt Andreas Görnitz, „deshalb haben wir das Gebäude zunächst Raum für Raum saniert.“ Immer, wenn der Platz zu eng geworden ist, ist ein weiterer Teil renoviert worden. Aber das hat irgendwann nicht mehr ausgereicht, deshalb jetzt die große Baustelle.

Denn das Interesse der Sportler daran, ihre Leistungen genau zu messen, ist groß. Im Leistungssport ist das Gerät weit verbreitet. Vier Teams bei der Tour de France sind in diesem Jahr mit dem Power2Max ausgestattet gewesen. Rund 6 000 Geräte fertigt Saxonar pro Jahr und sieht noch Raum für Wachstum. Das neue, alte Gebäude soll deshalb Raum für eine stärker automatisierte Produktion bieten, neben Entwicklung und Logistik. Die vorhandenen Arbeitsplätze der derzeit zwölf Mitarbeiter sind dadurch nicht gefährdet: „Mit weniger Mitarbeitern könnten wir auf unserem Niveau nicht produzieren“, so Görnitz. Ein wesentlicher Bestandteil der Produktion sind ständige Tests der Bauteile und der Kabelverbindungen. Jede Platine wird einzeln kontrolliert. Dann werden die Aluminiumteile mit der Platine in ihrem Plastikgehäuse zusammengebracht. „Wir nennen das verheiraten“, erklärt Andreas Görnitz. Schließlich wird alles mit einem weiteren Kunststoff dicht vergossen. Auch danach gibt es noch Tests und Prüfungen. Eine Maschine simuliert sogar die Belastung beim Radfahren. Öfen setzen die Geräte unter ähnliche Bedingungen in der freien Natur, wie zum Beispiel Temperaturschwankungen im Gebirge.

Die große Stärke seines Unternehmens sieht Andreas Görnitz darin, dass es die eigene Entwicklungsabteilung vor Ort ist. Auch das gute Verhältnis von Leistung und Preis sei ein Pluspunkt. Mittlerweile ist die dritte Generation des Power2Max in der Entwicklung. Die zweite Generation ist gerade der Stand der Technik. Und die vierte Generation ist in Planung – dort wird es also für das Unternehmen in der näheren Zukunft hingehen.