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Familie Lleshi kocht

Erst Syrisch, jetzt Albanisch. Im Löma bereiten Flüchtlinge landestypische Speisen zu. Zwischen Supermarktregalen dürfen die Kunden probieren.

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© Andreas Weihs

Von Beate Erler

Radebeul/Coswig. Wenn Familie Lleshi aus Albanien für sich kocht, gibt es nicht immer ein Drei-Gang-Menü. Aber wenn Familie Lleshi für Radebeuler und Coswiger kocht, dann gibt es Suppe, Hauptgang und Dessert. Schließlich wollen sie den Deutschen zeigen, was in Albanien typischerweise gegessen wird.

Zum zweiten Mal hat die Initiative „Coswig – Ort der Vielfalt“ ein Kochen mit Flüchtlingen organisiert. Die Idee dazu hatte allerdings Björn Keyser, Marktleiter bei Rewe im Lößnitzmarkt. Und der hilft auch bei der Umsetzung: Mit der kleinen Mitarbeiterküche, einem Platz in der Filiale und den Lebensmitteln.

In der Küche steht Shyqyri Lleshi am Herd und rührt in einem großen Topf. Er ist Koch, genau wie sein Vater. In der Gemüsesuppe schwimmen Brokkoli, Möhren, Zwiebeln und Pilze. Das Menü hat er ausgesucht, auch weil es ihn an seine Heimat erinnert: „Dieses Essen gibt es seit Jahren in unserer Familie“, sagt er. Das Hauptgericht liegt auf einem großen Backblech. Es heißt Tave Kosi und ist aus Kalbfleisch, Joghurt, Reis und Ei gemacht.

Ob jemand Koch ist oder nicht, spielt für Sebastian Kuffert und Sven Böttger aber keine Rolle. Die beiden sind alteingesessene Coswiger und leben seit Jahrzehnten hier. Sie unterstützen die Initiative „Ort der Vielfalt“ auch auf vielfältigste Weise. „Bei uns ist jeder mal dran, denn nur so kann Integration funktionieren“, sagt Sebastian Kuffert. Beim ersten Mal im Mai haben Flüchtlinge aus Syrien gekocht, im August soll es weiter gehen. Wieder andere Leute, wieder ein anderes Land, wieder eine andere Esskultur.

Diesmal die Albanische. Einige Besucher bleiben stehen, manche probieren von dem Essen, das die Familie kostenlos über den Tisch reicht. „Das ist mal was anderes“, sagt ein junger Mann über das Hauptgericht. Einige gehen weiter, ohne zu probieren. Sebastian Kuffert weiß, dass er sich von Aktionen wie dieser nicht zu viel erhoffen darf. „Natürlich wünschen wir uns, dass die Leute miteinander ins Gespräch kommen, sich kennenlernen und Vorurteile so verschwinden“, sagt er. Aber das würde länger dauern als einen Vormittag.

Trotzdem haben sie schon viel geschafft. Sie sammeln Spenden, organisieren Veranstaltungen, fast alle politischen Parteien und Sportvereine in Coswig sind mittlerweile in der Initiative, die erst 2015 gegründet wurde. „Die Stadt ist richtig zusammengewachsen, weil wir alle zusammen etwas gegen die Rechten erreichen wollen“, sagt Kuffert.

Reis, Rosinen, süßes Hühnchen

Für Familie Lleshi ist er außerdem eine wichtige Stütze. Jede Flüchtlingsfamilie hat einen Paten, der sie zu Behörden und zum Arzt begleitet und versucht sie in ihre neue Umgebung zu integrieren, so wie hier beim Rewe-Kochen. Sebastian Kuffert ist seit Sommer letzten Jahres so ein Pate für Familie Lleshi und freut sich besonders, dass Tochter Megi schon jetzt so gut Deutsch spricht. Für ihren Vater übersetzt die Achtjährige dann auch auf Deutsch, was in dem Dessert steckt: „Reis, Rosinen und süßes Hühnchen.“