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Familienfreundlichkeit: Ottendorfs drei Probleme

Eltern heben die familienfreundliche Nachbarschaft hervor. Bei den Themen Gesundheit, Kinderbetreuung und Wohnungsangebot gibt es Schwächen.

Bei den Betreuungszeiten in den Kitas sehen Ottendorfer Eltern noch Defizite.
Bei den Betreuungszeiten in den Kitas sehen Ottendorfer Eltern noch Defizite. © Uwe Anspach/dpa

Ottendorf-Okrilla. Die Gemeinde Ottendorf-Okrilla ist vor allem beim Wohnumfeld Spitze. Das geht aus dem Familienkompass, der Umfrage zur Familienfreundlichkeit von Sächsischer Zeitung, Freier Presse, Leipziger Volkszeitung und der Evangelischen Hochschule Dresden, hervor. 

86 Prozent der Befragten in der Gemeinde sagen demnach, dass sie freundliche Nachbarn haben, und 60 Prozent geben an, dass sich die Nachbarschaft um die Kinder sorgt.

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Auch beim Thema Arbeit sind sie überwiegend zufrieden. So geben 74 Prozent der Befragten an, dass ihr Arbeitsplatz sicher ist und fast die Hälfte, 49 Prozent, sagen, sie werden angemessen bezahlt. Allerdings gibt es drei Bereiche, bei denen Ottendorf offenbar Defizite hat.

Gesundheit: Zu wenige Kinderärzte

Einer davon ist die Gesundheit: Hausärzte sind vorhanden, Mangel herrscht jedoch bei Fachärzten. 

Der Pluspunkt: Bei der Medizinischen Versorgung in Ottendorf sind die Befragten in einem Punkt zufrieden. Knapp 52 Prozent sagen, es gibt genügend Hausärzte. 

Auf einer Skala von 1 bis 5 vergeben sie die Note 2,55. Damit steht Ottendorf besser da als der Durchschnitt der sächsischen Gemeinden. Das sieht auch Bürgermeister Michael Langwald (parteilos) so: „Bei den Allgemeinmedizinern und auch bei den Zahnärzten sind wir gut versorgt.“

Was muss besser werden? Große Defizite gibt es aber offenbar bei anderen Fachärzten und dabei besonders bei Kinderärzten. 87 Prozent der Befragten können der Aussage „Es gibt genügend dieser Mediziner in der Gemeinde“ nicht zustimmen. 

Die Ottendorfer vergeben die Note 4,33. Das ist deutlich schlechter als der Durchschnitt der sächsischen Kommunen mit der Note 3,23. Unzufrieden sind die Befragten mit der Ausstattung an Fachärzten. Die meisten (66 Prozent) geben an, dass das Angebot nicht ausreicht. Nur 13 Prozent sagen, dass genügend vorhanden sind. An der Ausstattung der Gemeinde mit Fachärzten wird sich allerdings so schnell nichts ändern.

Ein neuer Augenarzt könnte kommen

Nach den Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) sind sie in ausreichendem Maße vorhanden, der Versorgungsgrad beträgt im Landkreis über 100 Prozent. „Genau das ist das Problem“, sagt der Bürgermeister. „Der Versorgungsschlüssel gilt für ein großes Gebiet, in dem auch andere Kommunen liegen. Dort kann die Versorgungslage ausreichend sein, in Ottendorf ist sie das nicht.“

Die Gemeinde mit ihren rund 10.000 Einwohnern hat keinen einzigen Kinderarzt. Die Eltern müssen in benachbarte Orte ausweichen, beispielsweise nach Radeburg, wo es einen Kinderarzt gibt. 

Einen Lichtblick gibt es nach Angaben von Michael Langwald aber. Die Gemeinde verhandelt derzeit über die Ansiedelung eines Augenarztes. „Dadurch würde sich die Versorgung in dem Bereich enorm verbessern. Die Gespräche sind vielversprechend, Verträge sind allerdings noch nicht unterzeichnet.“

Kitabetreuung: Qualität stimmt, Betreuungszeiten sind zu kurz

Die Pluspunkte: Für die Qualität der Kinderbetreuung gibt es von den befragten Eltern in Ottendorf eine gute Note 2,7. Auch schätzen die Eltern die geringe Entfernung zur Kita. 70 Prozent von ihnen sind mit dem Weg zufrieden. Ein großer Teil der Familien (61 Prozent) gibt auch an, dass sie einen Platz in der Wunschkita erhalten haben.

Was muss besser werden? Als besonders negativ bewerten die Eltern die Betreuungszeiten in den Kitas. Diese haben von 6 bis 17 Uhr geöffnet, das ist für Eltern, die in Schichten arbeiten, zu wenig. 

Fast alle Befragten (93 Prozent) sehen hier Mängel. Während die Ottendorfer die Note 4,52 vergeben, liegt sie im Sachsenschnitt bei 3,87. 

Michael Langwald ist das Problem bekannt, eine schnelle Lösung wird es aber nicht geben, schätzt er ein. „Um in jeder Kita beispielsweise eine Gruppe zu bilden, in der die Kinder auch noch bis spät abends betreut werden, dazu ist die Nachfrage wieder zu gering.“ 

Es müssten jeweils Erzieherinnen bereitgestellt werden, was wiederum einen hohen Aufwand bedeutet. „Leider haben wir in der Gemeinde kein großes Unternehmen, bei dem die Mitarbeiter im Schichtbetrieb tätig sind und das dann eine Betriebskita mit langen Öffnungszeiten anbietet“, sagt er. 

Allerdings werde sich das Platzangebot im Juni nächsten Jahres verbessern. Dann wird die neue Kita „Schwalbennest“ in Hermsdorf eröffnet. 54 Kinder sollen nach der Fertigstellung dort untergebracht werden.

Wohnen: Gutes Umfeld, schlechtes Wohnungsangebot

Die Pluspunkte: Neben dem angenehmen Wohnumfeld heben die befragten Ottendorfer auch hervor, dass es kinderfreundliche Geschäfte gibt. 51 Prozent können der Aussage zustimmen. 

Auch eine Mehrheit (36 Prozent) ist der Ansicht, dass die Spielflächen für Kinder ausreichen, 33 Prozent haben allerdings eine gegenteilige Meinung. Die Aussage von 31 Prozent der Eltern ist neutral.

Was muss besser werden? Das Angebot an Wohnungen bewerten die Familien weniger gut. Insgesamt wird die Note 4,05 vergeben. Der Sachsenschnitt liegt bei 3,69. 

Rund 31 Prozent der Eltern können der Aussage „Das Angebot ist ausreichend“ nicht zustimmen. Für 34 Prozent der Befragten gibt es jedoch genügend Wohnraum. 

Der Bürgermeister sieht vor allem einen Grund für fehlende Wohnungen: „Es kommen viele Dresdner zu uns, um zu bauen oder um in eine Wohnung zu ziehen. Das freut uns natürlich. Für uns bedeutet das aber, auch die Infrastruktur an Betreuungs- und Schulplätzen bereit zu halten.“ 

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