merken
PLUS Leben und Stil

Ist die Frau das Wild und der Mann der Jäger?

Warum vor allem Männer oft zu Liebesstereotypen greifen, erklärt Paarberater Christian Thiel in seiner Kolumne.

Christian Thiel ist Single-, Partnerschaftsberater und Autor.
Christian Thiel ist Single-, Partnerschaftsberater und Autor. © Christian Juppe

Warum sind so viele Männer fest davon überzeugt, dass Frauen harte Kerle lieben? Dass die Frau eine Art Wild ist, das man jagen muss – und damit sogar häufig Erfolg haben? Auch wenn diese Ansichten nicht stimmen, wo hat dieses Phänomen seinen Ursprung? Warum sind Websites, die„how to game“ lehren, so populär?

Die Antwort von Christian Thiel:

Anzeige
10% sparen- Nur noch bis 30.11.!
10% sparen- Nur noch bis 30.11.!

Virtual-Reality-Zeitreisen verschenken und bis 30.11.2020 10% auf TimeRide Gutscheine sparen! Auch einlösbar für Berlin, Frankfurt, Köln u. München.

Das ist eine spannende Frage. Zunächst einmal tendieren die meisten Menschen dazu, das für wahr zu halten, was gesellschaftlicher Konsens ist. Der sagt zum Beispiel: Die Frau ist das Wild und der Mann der Jäger. Dies ist ein sehr modernes Liebesstereotyp, das aber interessanterweise in die Steinzeit verlegt wird. Männer erlegen Frauen mit der Keule – und ziehen sie dann an den Haaren in ihre Höhle. Mit der Realität von Partnersuche und Partnerwahl hat dieses Stereotyp nichts zu tun. Und doch gewöhnen wir uns an, die Realität durch die Brille dieser Annahme zu sehen.

Männer, die von Frauen angeflirtet werden, nehmen das nicht einmal bewusst wahr. Sie registrieren nur, dass sie es waren, die, nach den auffordernden Blicken, die Frau angesprochen haben. Sie haben in ihren Augen den ersten Schritt gemacht. Dabei war es in Wahrheit die Frau. Auf diese Weise werden Erinnerungen an das gesellschaftliche Stereotyp angepasst.

Nebenbei: Auch Frauen machen das. Sie erinnern sich später, dass er sie angesprochen hat. An die auffordernden Blicke erinnern sie sich nicht. Sie zählen nicht als erster Schritt.

Nun zum Kern Ihrer Frage. Warum greifen Männer zu Liebesstereotypen? Das hat zwei Gründe. Der erste: Sie wissen nichts oder nur sehr wenig über die Liebe und über Gefühle. Wer wenig weiß, der greift zu Mythen. (Etwa so: Warum geht jeden Tag die Sonne im Osten auf und im Westen unter? Die Götter fahren sie mit einem Sonnenwagen über den Himmel.) So war es schon immer und so ist es noch heute. Auch wenn niemand mehr an den Sonnenwagen glaubt – an den Mann als Jäger glauben immer noch viele.

Grund Nummer zwei: Wer unsicher ist, der greift besonders gerne zu Liebesmythen. Männer suchen bei Seiten wie „how to game“ also Sicherheit. Gesellschaftliche Stereotype bieten diese Sicherheit. Eine scheinbare Sicherheit.

Langfristig hilft das alles nicht viel. Wer eine langjährige stabile Partnerschaft will, der muss die passende Frau finden. Nicht irgendeine. Und das ist deutlich komplizierter, als so zu tun, als sei man ein „harter Kerl“ – und ab und zu mal eine Frau damit beeindrucken zu können.

Christian Thiel ist Single-, Partnerschaftsberater und Autor. Haben Sie Fragen an ihn? Schicken Sie eine Mail an [email protected]

Mehr zum Thema Leben und Stil