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Fataler Beschützer-Instinkt

Mehrfach fiel ein großer Hund Menschen an. Sein Besitzer kann dafür vor dem Amtsgericht Pirna aber wohl nicht zur Verantwortung gezogen werden.

© Symbolfoto/dpa

Von Yvonne Popp

Pirna. Aufgrund seiner Erkrankung führt der Angeklagte ein sehr zurückgezogenes Leben. Wahnvorstellungen und Panikattacken bestimmen den Alltag des Pirnaers. Einziger Bezugspunkt war sein Hund Snoopy. „Ich hatte ihn von klein auf. Wir waren ein Herz und eine Seele“, sagt der 47-Jährige am Amtsgericht in Pirna. Als ihm das Ordnungsamt den großen Mischlingsrüden Ende November vergangenen Jahres schließlich wegnahm, sei das ein schwerer Schlag für ihn gewesen.

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Doch ohne Grund hatte die Behörde nicht gehandelt. Anders als sein Name suggeriert, war Snoopy alles andere als niedlich. Immer wieder hatte er in der Vergangenheit Menschen angegriffen. Reagiert hatte der Angeklagte aber nicht. Er ließ seinen Hund weiter ohne Maulkorb und teilweise auch ohne Leine laufen.

So war der gebürtige Cottbuser im vergangenen September zum Angeln an die Talsperre in Bad Gottleuba gefahren. Dort biss sein Hund einen anderen Angler in Wade und Oberschenkel. Im Monat darauf attackierte das Tier ein Kind aus der Nachbarschaft des Angeklagten. Der neunjährige Junge war mit seinem Fahrrad unterwegs, als er auf den Beschuldigten traf. Ohne Vorwarnung packte der Hund das Kind am Oberarm und zog es vom Rad. Die Bisswunde musste in der Klinik versorgt werden. Noch heute sind die Narben zu sehen.

Am Nachmittag desselben Tages fiel der große Rüde einen weiteren Nachbarn an. Da das Tier dieses Mal aber einen Maulkorb trug, blieb es für den Geschädigten bei einem gewaltigen Schrecken. Knurrend und bellend war der Hund an dem 50-jährigen Mann hochgesprungen und hatte versucht, ihn zu beißen. Ein Mann, ebenfalls aus der Nachbarschaft, der helfen wollte, wurde daraufhin vom Angeklagten beleidigt und gegen den Brustkorb geschlagen.

Dass man ihm den Hund weggenommen hatte, sei notwendig gewesen, sieht der Mann, der inzwischen nicht mehr in Pirna lebt, ein. „Ich war überfordert“, gibt er unter Tränen zu. Aggressiv sei Snoopy aber nicht immer gewesen, sagt er dann. Erst im Frühjahr 2017, als er wegen erheblicher Nebenwirkungen seine Medikamente abgesetzt hatte, habe der Hund ein ausgeprägtes Schutzverhalten gezeigt. Wahrscheinlich habe das Tier gespürt, dass es ihm psychisch schlecht ging, mutmaßt der Mann. Seiner Krankheit sei es auch geschuldet, dass er während keinem der Vorfälle in der Lage war, folgerichtig zu handeln. Er erklärt, dass er in der Zeit ohne seine Medikamente völlig neben sich gestanden habe. Erst seit er sich wieder in Behandlung befinde, sei ihm klar geworden, was er da gemacht habe.

Auch wenn der Angeklagte in Pirna alle Vorwürfe zugibt, kann das Gericht kein Urteil fällen. Es muss nun von einem psychiatrischen Gutachter prüfen lassen, ob der Mann für seine Taten überhaupt verantwortlich gemacht werden kann. Der Prozess wird fortgesetzt.

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