Merken

Feiern an der Plane

Eigentlich sollte bis zum Radeberger Bierstadtfest das Markt-Ensemble komplett saniert sein. Eigentlich.

Teilen
Folgen
© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

Radeberg. Eigentlich wollte Knut Mulansky beim Bierstadtfest auf dem Radeberger Marktplatz stehen und durchaus ein bisschen stolz auf das Eckgebäude zur Niederstraße schauen. Denn das sollte bis dahin zumindest äußerlich frisch verputzt sein. Knut Mulansky ist Chef des städtischen Wohnungsunternehmens Wohnbau und lässt derzeit das letzte, bisher noch nicht sanierte Haus am Radeberger Marktplatz auf Vordermann bringen. Aber das mit dem Blick aufs frisch sanierte Haus muss Knut Mulansky noch ein bisschen verschieben. Beim Bierstadtfest wird er aber trotzdem vorbeischauen – und wenn ihn dann jemand fragt, warum das Gerüst noch immer am Markt steht, wird er erklären, dass bei der Sanierung alter Häuser hin und wieder eine Überraschung wartet, die ab und an Bauarbeiten verzögert.

„Wir mussten hier ja zum Beispiel erst mal den kompletten alten Dachstuhl abreißen, weil der durch eine neue Stahl-Holz-Konstruktion ersetzt worden ist“, beschreibt Sandra Medefind vom Radeberger Planungsbüro Schubert, das die Sanierung koordiniert und geplant hat. Und sie widerspricht auch gleich noch einem Gerücht, das derzeit durch Radeberg geistert. Der Bauverzug hänge an einem Farbstreit, heißt es da. Denn Stadt und Denkmalschutzbehörde würden sich nicht über die Fassadenfarbe einig werden. „Es ist zwar richtig, dass wir derzeit noch über die Farbgestaltung diskutieren, aber das ist, wie erwähnt, nicht der Grund dafür, dass es zu einem leichten Zeitverzug gekommen ist“, unterstreicht Sandra Medefind.

Fassadenfarbe streng geregelt

Die Fassadenfarbe ist dabei bereits in der sogenannten „Sanierungsrechtlichen Anordnung“ festgelegt worden, die Teil der Baugenehmigung ist. Weil das Haus im Sanierungsgebiet Innenstadt liegt, braucht es diese Zusatz-Genehmigung, die eben beispielsweise die Fassadenfarbe regelt. Dieser Farbvorschlag kam von der Stadt. Da aber zwar nicht das Eckhaus selbst ein Denkmal ist, aber die Marktansicht insgesamt unter Denkmalschutz steht, sitzt auch das Denkmalschutzamt mit im Genehmigungsboot. „Und der Denkmalschutz fand, dass eine andere Farbe passender wäre, als die in der Anordnung festgelegte – und schlug seinerseits verschiedene Farben vor. Nun muss einfach ein Kompromiss gefunden werden“, erläutert Radebergs Stadtsprecher Jürgen Wähnert und sieht die Sache entspannt. Knut Mulansky hofft derweil, dass das nicht allzu lange dauern wird. „Denn bis die Farbe nicht feststeht, können wir keinen Putz bestellen.“ Wobei der Wohnbau-Chef bereits hier und da Erfahrungen sammeln musste, dass Projekte in die zeitliche Verlängerung gingen, weil der Denkmalschutz andere Ansichten hatte. Vor Jahren wollte die Wohnbau bekanntlich am sanierten Klinkerbau des „Alten Stadtguts“ an der Ecke Pulsnitzer Straße/Bruno-Thum-Weg Loggien aus Metall anbauen. Doch der Denkmalschutz pochte auf hölzerne, was allerdings – so Knut Mulansky damals – aus statischen, aber vor allem Brandschutz-Belangen nicht möglich war. Letztlich verzichtete die Wohnbau auf Loggien.