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Feindschaft unter Nachbarn

In einem beschaulichen Örtchen bei Nossen wohnen sich Onkel und Neffe gegenüber und streiten, was das Zeug hält – bis aufs Blut.

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© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Neubodenbach. Was sein Onkel und Nachbar von ihm und seiner Familie hält, kann Matthias Otto auf einem Blechschild geschrieben täglich von seinem Fenster aus lesen. Dass er und seine Freundin Jana stets nur „raffen und gaffen“ würden ist da noch das Harmloseste. Weiter heißt es auf dem Banner: „Nach eurem Auftreten seid ihr Lügner und Betrüger. Es haben sich mehrere Untaten angesammelt; Zufahrtswege und Beete verwüstet, Schotter geklaut, Abdeckungen mit Regeneinrichtung weggenommen, Begrenzungsplatten zerschlagen, Wegerecht und Hofzugang verstellt.“ Am Ende konstatiert der „Hofälteste“, wie sich Manfred Otto selbst bezeichnet: „Ihr seid geistig krank.“

... hat der Besitzer des rechten Grundstücks aufgeschrieben und gut sichtbar für den Nachbarn angebracht
... hat der Besitzer des rechten Grundstücks aufgeschrieben und gut sichtbar für den Nachbarn angebracht © Claudia Hübschmann

Mit einem Scherz südlich der Gürtellinie hat das, was sich im Nossener Ortsteil Neubodenbach abspielt, nichts mehr zu tun. Auf dem alten Gut, bestehend aus zwei Wohnhäusern, einem ehemaligen Hühnerstall und einer Scheune, herrscht entweder eisiges Schweigen oder es wird richtig laut. Wenn nicht sogar handgreiflich. „Mein Neffe hat mich wegen Körperverletzung angezeigt. Dabei habe ich nur aus Notwehr heraus gehandelt, was mein Anwalt auch beweisen konnte“, sagt der 64-jährige Manfred Otto, über einen Vorfall, der schon einige Monate zurückliegt. Er habe sich mit einem Besen gegen seinen aufgebrachten Neffen zur Wehr setzen müssen, ihn dabei im Gesicht getroffen. Der Aufprall muss immens gewesen sein, ging doch der Stiel dabei zu Bruch. Der Neffe trägt Verletzungen im Gesicht davon.

Dem Handgemenge voraus gehen unzählige Schikanen, Provokationen, Einschüchterungsversuche von beiden Seiten. Mehrmals musste die Polizei in Neubodenbach bereits anrücken, waren Anwälte und sogar Richter aus Nossen, Meißen, Hartha oder Dresden vor Ort. Meistens wird deshalb gestritten, weil der Widersacher seinen Pkw so parkt, dass der Nachbar nicht auf sein Grundstück oder wieder raus kommt. Mal wird die Bio-Kläranlage des Onkels durch den Neffen ungefragt angezapft, Beete mit einem Rasenmäher verwüstet, verschwinden Deckel von Regeneinlaufvorrichtungen, sodass tote Ratten und Maulwürfe tagelang umhertreiben.

Die Liste ließe sich beliebig weiterführen. In einem Rechtsanwalts-Schreiben, das der SZ vorliegt, wird zwar geregelt, dass von 36 Quadratmetern Hoffläche, die zum Grundstück von Manfred Otto gehören, 21 Quadratmeter durch den Nachbarn stets freizuhalten sind. Alleine daran halten würde sich dieser nicht – sagt zumindest der Hofälteste. „Die wollen mich und meine Familie verjagen, lassen den von mir damals auf Vordermann gebrachten Schuppen vergammeln und lachen darüber, wenn ihre Zigarettenstängel mein Grundstück verdrecken“, sagt der gelernte Maschinist für Verkehrsbautechnik aufgebracht.

Er lasse sich aber nicht von dem Grund und Boden jagen, auf dem er seit seiner Geburt lebe. Einst hatte er mit seinen Eltern, dem Bruder Walter und einer Schwester beide Häuser auf dem Areal bewohnt. Nach dem Ableben der Eltern zieht jeder der Brüder Anfang der 1980er Jahre samt Familie in eines der einander gegenüberliegenden Häuser. Ab 2007 wohnt Walter Otto nur noch sporadisch in Neubodenbach, gibt sein Haus an seinen Sohn Matthias weiter.

Zu dieser Zeit schwelt der Streit unter den Brüdern schon seit zehn Jahren. Walter gelingt es, dass seit 1997 durch richterliche Beschlüsse ehemals von beiden Parteien genutzte Grundstücksflächen, ausschließlich seinem Sohn zuschreiben zu lassen. Ein ersichtliches Interesse an einer friedlichen Einigung mit seinem Onkel hat dieser nicht, äußert sich nicht zu den Vorwürfen des Onkels.

Derzeit wird vor dem Landgericht Dresden weiter gezankt. Dabei geht es um das Abladen von Schotter und Splitt an der hinteren Einfahrt zum Grundstück durch Matthias Otto. Schriftlich weist das Gericht ihn darauf hin, dies in Zukunft zu unterlassen, da es die Einfahrt zum Grundstück des Onkels versperre. Eine Geldstrafe wurde nicht verhängt. Ansonsten möchte die zuständige Richterin Kerstin Schultz mit einer Abmachung endlich Ruhe in den Streit bringen.

Demnach werde Matthias Otto den alten Hühnerstall und eine Werkstatt im vorderen Eingangsbereich an der B 175 abreißen und die dadurch entstehende Fläche seinem Onkel als Parkplatz zur Verfügung stellen. So soll das ständige Parkproblem gelöst werden. Ferner hat Matthias Otto zugesagt, bis 30. September ein Rasengitter in Spurbreite zu bauen, um seinen Onkel die Einfahrt auf das Grundstück zu ermöglichen. Dafür soll dieser ausschließlich die hintere Zufahrt nutzen. Einem Vergleich mit diesen beiden Punkten hat Manfred Otto aber nicht zugestimmt.

Er befürchtet, dass der Giebel seines Hauses durch den Abriss der angrenzenden Werkstatt beschädigt wird. Daraufhin wurde die Verhandlung vertagt. Sie geht am 25. Mai weiter. So wie der schier endlose Streit unter Verwandten in Neubodenbach.