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Fenster-Rettung gescheitert

Beim Robotron-Abriss sollte DDR-Kunst gesichert werden. Ganz verloren ist sie nicht.

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© Glaswerkstatt Körner

Von Lars Kühl

Einzelne Glas-Segmente, aber auch viele Scherben liegen in den Kisten, die jetzt dem Lapidarium übergeben wurden. Sie sind das Ergebnis des Versuches, zwei große Bleiglasfenster aus dem Robotron-Gebäude an der St. Petersburger Straße zu retten, das gerade abgerissen wird.

Die Immovation AG aus Kassel plant, auf dem gesamten Areal der früheren Computerschmiede bis zu 3 000 Wohnungen zu errichten. Zur Sicherung der haushohen Mosaikverglasungen war das Unternehmen nicht verpflichtet, weil der Robotron-Riegel nicht unter Denkmalschutz steht. Trotzdem einigte sich der Investor mit dem städtischen Denkmalschutzamt, ausgewählte Elemente aufzuheben, unter anderem besonders gestaltete Fassadenteile. So soll die Kunst am Bau „Made in GDR“ exemplarisch erhalten bleiben.

Zunächst wurde der Ausbau der Bleiglasfenster an der Hofseite des Atriumgebäudes von der Abrissfirma abgelehnt, weil dies technisch zu aufwendig sei. Deshalb schaltete Immovation die Spezialisten der Glaswerkstatt Körner ein. Ziel war die Rettung der kompletten Elemente. Nach einer Prüfung kam dies aber nicht infrage. „Wir freuen uns trotzdem, dass es stattdessen gelungen ist, alle Segmente der beiden Fenster auszubauen und deren Gestaltung zu dokumentieren“, sagt Immovation-Vorstand Lars Bergmann. Zwar liegen die Teile jetzt einzeln in den Kisten, eine spätere Rekonstruktion wäre aber möglich, ergänzt Sprecher Michael Sobeck. „Mit unserer freiwilligen Aktion wollen wir zeigen, dass uns nicht nur der wirtschaftliche Vorteil interessiert, wie es Investoren häufig vorgeworfen wird“, erklärt Bergmann.

Die Initiative „Ostmodern“, die sich vor allem für den Erhalt von besonderer DDR-Architektur und -kunst einsetzt, erkennt den Versuch durchaus an. „Schön, dass es ein Fachmann gemacht hat“, sagt Mitglied Marco Dziallas. Über eine andere Nachricht können sich er und seine Mitstreiter sogar richtig freuen. „Krieg“ und „Frieden“ sind wieder aufgetaucht. Die beiden 80 mal 120 Zentimeter großen Fenster waren früher am Eingang des ehemaligen Robotron-Gebäudes an der Lingnerallee angebaut, in dem heute unter anderem die Cityherberge ihr Domizil hat. Lange galten die Werke der Dresdner Künstlerin Roswitha Oehme-Heintze als verschwunden. Sie sind aber komplett erhalten und wurden jetzt von Immovation dem Denkmalamt überreicht. Sie waren bereits vor dem Verkauf des Robotron-Areals ausgebaut worden.