Merken

Fernseh-Talker mit Führungsambitionen

Johannes B. Kerner sorgt als künftiger Vizepräsidentbei der Deutschen Sporthilfe für Turbulenzen.

Teilen
Folgen
NEU!

Von Jochen Mayer

Die Deutsche Sporthilfe hat ein Führungsproblem. Die Vorsitzende der Stiftung warf am Montag das Handtuch. Ann Kathrin Linsenhoff will sich zum 31. März 2009 vom Chefposten zurückziehen, den sie erst seit 1. Januar ausfüllt. Der Dressur-Olympiasiegerin von Seoul 1988 passte offenbar nicht, dass Fernseh-Moderator Johannes B. Kerner vom Aufsichtsrat ihr als Vizepräsident zur Seite gestellt werden soll. Die 48-Jährige fürchtet bei der Personalie wohl, im übergroßen Schatten eines nahezu allgegenwärtigen Fernsehjournalisten zu verblassen.

Johannes B. Kerner – das B. steht für „Baptist“ – wirkt seit drei Jahren im Stiftungsrat der Sporthilfe, die sich um die soziale Absicherung deutscher Leistungssportler verdient macht. Oftmals ist diese Institution das wichtigste finanzielle Standbein der Kadersportler.

Der Fernseh-Moderator, der mit Sportlersorgen nach seiner Heirat mit Hockey-Olympiasiegerin Britta Becker bestens vertraut ist, bekam für sein Engagement hohe Auszeichnungen: 2006 zum Beispiel das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik. Geehrt wurde sein soziales Engagement und die Sporthilfe-Unterstützung. Kein Wunder, dass er als künftiger Vizepräsident gehandelt wird. Die Art und Weise, wie dies entschieden wurde, sei allerdings „nicht sauber“ gewesen, offenbarte die scheidende Linsenhoff. „Kerner wäre bereit, operativ in der Stiftung zu arbeiten. Frau Linsenhoff hat ausdrücklich ihr Einverständnis gegeben und erklärt, Herr Kerner sei eine große Bereicherung“, meinte dagegen Aufsichtsratschef Hans Wilhelm Gäb. Offenbar gab es mit etwas Abstand ein Umdenken.

Für die Sporthilfe scheint Johannes B. Kerner nun auch mehr Zeit zu haben als früher. Bereits vor der ZDF-Sommerpause kündigte der Moderator an, künftig etwas kürzertreten zu wollen. Der 43-Jährige gab seine wöchentliche Kochsendung nach 123 Ausgaben an Markus Lanz ab. Auf diese Entscheidung hatte eine jüngste Umfrage wohl keinen Einfluss, nach der nur 2,2 Prozent der Befragten Johannes B. Kerner bei sich zu Hause kochen lassen würden...

Auf den Bildschirmen bleibt der gebürtige Bonner weiter präsent – bei Sportübertragungen und in seiner eigenen gleichnamigen ZDF-Talkshow. Die wird seit 1998 produziert. Der Vater dreier Kinder lebt in Hamburg. Auch privat ist der Ex-Sat1-Fußball-Kommentator sportlich aktiv. Er meisterte die Marathons in Hamburg und Berlin. Mit seiner Ausdauer dürfte Kerner auch bei der Sporthilfe die nächsten Personalrunden überstehen.