Deutschland & Welt
Merken

Talkshow-Legende Hans Meiser ist tot

Hans Meiser moderierte bei RTL über Jahre eine nach ihm benannte Talkshow – und erreichte damit Millionen. Nun ist die Talkshow-Legende im Alter von 77 Jahren überraschend gestorben.

 3 Min.
Teilen
Folgen
Talkshow-Legende Hans Meiser ist tot.
Talkshow-Legende Hans Meiser ist tot. © dpa

Scharbeutz/Köln. Er war der Erfinder der Nachmittags-Talkshow - Hans Meiser hat das deutsche Fernsehen über viele Jahre entscheidend geprägt. Immer von montags bis freitags lief ab 1992 nachmittags bei RTL die Sendung, die seinen Namen trug.

Die Gäste: Nicht-prominente Menschen, die von ihren Problemen, Lebenssituationen oder Erlebnissen erzählten. Das Themenspektrum reichte von verfeindeten Hundebesitzern über Streit um Lärm bis zu Stimmen aus dem Jenseits. Egal wie seltsam die Gespräche waren: Meiser - in der einen Hand das Mikro, in der anderen die Notizzettel - behielt im schicken Einreiher stets höflich die Fassung. Nun ist der Talkshowpionier unerwartet mit 77 gestorben.

Heute kann man es sich kaum mehr vorstellen: Meisers Show erreichte in den 90er Jahren Traumquoten von bis zu 40 Prozent Marktanteil - und zog eine ganze Reihe ähnlicher Formate im Nachmittagsprogramm des deutschen Fernsehens nach sich. Das ist inzwischen freilich lang her.

Hans Meiser (r) moderiert 1992 seine Sendung "Hans Meiser" als erste Nachmittagstalkshow im deutschen Fernsehen.
Hans Meiser (r) moderiert 1992 seine Sendung "Hans Meiser" als erste Nachmittagstalkshow im deutschen Fernsehen. © RTL

Seitdem hat geradezu eine Flut von TV-Talkshows eingesetzt, denen Meiser später nicht mehr viel Gutes abgewinnen konnte: "Da fällt einer dem anderen ins Wort, das ist manchmal ein einziges Geschrei", beklagte er anlässlich seines 70. Geburtstags in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Außerdem würden ständig dieselben Gäste eingeladen: "Ein endloser Kreislauf derselben Gesichter."

Meiser hingegen sprach in seiner Talkshow im Laufe der Jahre mit rund 14.000 Menschen - ehe die Sendung nach 1.700 Folgen aufgrund sinkender Zuschauerquoten im Jahr 2001 schließlich eingestellt wurde.

Der am 20. August 1946 im niedersächsischen Bad Rothenfelde geborene Meiser studierte Germanistik und Geschichte, ehe er seine journalistische Laufbahn beim Radio begann - zunächst beim Süddeutschen Rundfunk und beim Südwestfunk, dann bei Radio Luxemburg.

2010 verlängerte RTL Meisers Verträge nicht mehr

"Ich kenne beide Systeme und glaube, dass das auch ganz gut ist, dass man über den Tellerrand hinweg mal geschaut hat", so Meiser in einem dpa-Interview wenige Wochen vor seinem Tod. "Wenn ich jetzt frech wäre, würde ich sagen: Ich habe eine gute Erziehung genossen. Die meiste Zeit war ich natürlich im freien Hörfunk und Fernsehbusiness unterwegs und das prägt schon sehr. Das macht aber auch offen."

1984, zur Geburtsstunde des deutschen Privatfernsehens, wechselte er zum TV und war bis 1992 Anchorman der RTL-Hauptnachrichtensendung "RTL aktuell", die zunächst "7 vor 7" hieß. 1992 startete neben seiner Talkshow auch die von Meiser präsentierte und ebenfalls sehr erfolgreiche Sendung "Notruf", bei der Notfälle und Rettungsaktionen nachgestellt wurden. Außerdem moderierte er Politiker-Duelle im Vorfeld von Bundestagswahlen, eine Quiz-Show und zusammen mit Birgit Schrowange die TV-Pannenshow "Life! Dumm gelaufen."

Hans Meiser moderiert die Sendung "Notruf".
Hans Meiser moderiert die Sendung "Notruf". © RTL

2010 verlängerte RTL Meisers Verträge nicht mehr. Viele Jahre lang war es dann eher ruhig um ihn. Nur wenige Tage vor seinem Tod durch plötzliches Herzversagen hatte er ein neues großes Projekt begonnen. Gemeinsam mit dem Medienmanager Harald Thoma brachte Meiser in Lübeck den privaten Hörfunksender Radio Wellenrausch an den Start.

Zuletzt lebte der Mann, der so lange von der TV-Metropole Köln aus die Medienlandschaft mitgestaltet hatte, an der Ostsee. Hans Meiser hinterlässt eine Ehefrau, drei Kinder und drei Enkelkinder. (dpa)