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Verführerische Mörderin: So war der "Tatort"

Im „Tatort – Tödliche Flut“ geht eine ehrgeizige Journalistin buchstäblich über Leichen.

Dramatisches Finale in der Flut: Doch selbst dringt Falke (Wotan Wilke Möhring) nicht zu Imke (Franziska Hartmann) durch.
Dramatisches Finale in der Flut: Doch selbst dringt Falke (Wotan Wilke Möhring) nicht zu Imke (Franziska Hartmann) durch. © ARD

Ab auf die Insel, heißt es für Kommissar Thorsten Falke. Auf Norderney erwartet ihn die Reporterin Imke. Mit ihr hatte er vor Jahren eine kurze, wilde Affäre. Die investigative Journalistin will einen Immobilienskandal aufklären. Ein verdeckter Investor kauft die halbe Nordseeinsel auf, um teure Ferienwohnungen zu errichten.

Imke wird überfallen und erhofft sich Hilfe vom Hamburger Kommissar. Als Falke und seine Kollegin Julia Grosz eintreffen, ist der Informant der Journalistin bereits tot, liegt erschlagen in seinem Keller. „Wir hatten hier seit 20 Jahren keinen Mord“, wundert sich der Revierpolizist.

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Der „Tatort – Tödliche Flut“ erzählt die Geschichte einer erfolgreichen und ehrgeizigen Journalistin, die für eine starke Story buchstäblich über Leichen geht. Sie ist psychisch angeknackst, wittert überall Verschwörungen, hat zunehmend den Bezug zur Wirklichkeit verloren. „Sie manipuliert nicht nur die Wahrheit, sondern sie zieht mit ihrem Charme und Charisma andere auf ihre Seite“, sagt Drehbuchautor David Sandreuter.

Falke geht ihr auf den Leim

Schauspielerin Franziska Hartmann legt Imke überzeugend als zerrissene Figur an. Zwischen Lüge und Wahrheit pendelnd, willensstark, berechnend und verführerisch. Sie kommt einem irgendwie bekannt vor, erinnert an die Fälschungen des Spiegel-Reporters Claas Relotius.

Falke, gespielt von Wotan Wilke Möhring, ahnt zwar, dass mit Imke etwas nicht stimmt, geht ihr aber lange auf den Leim. Er druckst herum, wenn seine Kollegin genauer wissen möchte, was er mit ihr hatte oder noch hat. Sie will ihren Partner vor dieser geheimnisvollen Person schützen, traut ihr nicht über den Weg. Kommissarin Grosz, verkörpert von Franziska Weisz, verbirgt ihre aufkeimende Eifersucht auf die Rivalin hinter ironischem Lächeln.

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Der Film lebt maßgeblich von der winterlich rauen Schönheit der Insel und ihrer windumtosten Küste. Die großartige Kamera charakterisiert mit düsteren und bedrohlichen Bildern die Gefühlswelt der Akteure. Die eigens für den „Tatort“ komponierte Orchestermusik unterstreicht die beklemmende Atmosphäre.

Regisseur Lars Henning setzt auf herkömmliche Krimi-Elemente, legt falsche Fährten, verdächtigt Ehebrecher und zwielichtige Stadträte. Höhepunkt ist das dramatische Finale in der tödlichen Flut des Wattenmeeres. Die Charaktere der Einheimischen sind gut getroffen, vom Bürgermeister bis zum Bauunternehmer. Jeder weiß hier fast alles über jeden. Und Kommissar Falke ist am Ende wirklich reif für die Insel.

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