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Feuer bei Feralpi

Ein Berg Stahlspäne entzündete sich in der Nacht in der Schrotthalle des Stahlwerks in Risea. Jetzt gibt es einen bösen Verdacht.

© Feralpi

Von Christoph Scharf

Riesa. Am Vormittag danach liegt das Corpus Delicti neben der Halle auf dem Werksgelände: ein dunkelgrauer Haufen aus Stahlspänen, mittlerweile vermischt mit einigen Stahlrohren und undefinierbaren Schrottteilen. Diesen Haufen werden jetzt Experten unter die Lupe nehmen. Denn aus diesem Material waren Freitag früh, kurz nach fünf Uhr, plötzlich Flammen geschlagen. Da hatten die rund 20 Tonnen Stahlspäne noch in der Schrotthalle in einer Grube gelegen, wie ein Video der Überwachungskamera dokumentiert.

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Kurz nach Beginn der Frühschicht um fünf Uhr steigt etwas Dampf oder Rauch aus dem Spänehaufen auf. Die Feralpi-Mitarbeiter werden aufmerksam: Mehrere Personen in Werkskleidung und mit Schutzhelmen auf den Kopf treten an die Grube heran. Stahlspäne warten dort neben anderem Schrott sehr regelmäßig auf den Schmelzofen. „Solches Material fällt in jeder Metallwerkstatt etwa beim Bohren und Drehen an“, sagt Mathias Schreiber, Umweltschutzbeauftragter bei Feralpi. Stahlspäne werden ganz regulär als Rohstoff für die Stahlherstellung gehandelt – und sind überall bei Stahlwerken gefragt.

Ein Feuerball in Kleinwagengröße

Allerdings ist es höchst ungewöhnlich, dass solches Material einfach so zu dampfen anfängt. Und deshalb schaut sich der Ingenieur mit weiteren Feralpi-Mitarbeitern jetzt das Video der Überwachungskamera ganz genau an. Dort ist nun zu erkennen, wie ein Bagger mit Schrottgreifer am Arm anrollt. Das Material dampft noch immer. Mehrere Mitarbeiter beobachten die verdächtige Stelle. Was sie reden, ist nicht zu hören. Aber jetzt tritt ein Mitarbeiter mit einem armdicken Schlauch auf der Schulter an die Grube – und postiert sich in einigen Metern Abstand. „Wir haben überall im Werk Hydranten verteilt, um in solchen Fällen schnell mit Löschen beginnen zu können“, sagt Mathias Schreiber.

Und das wird auch gleich nötig sein, wie die Bilder zeigen: Der Schrottbagger greift vorsichtig an die verdächtige Stelle. „In solchen Fällen ist die Maßgabe, brennendes Material auseinanderzunehmen, um es besser löschen zu können“, sagt Mathias Schreiber. Beim ersten Griff passiert noch nichts, außer dass noch mehr Rauch aufsteigt. Dann aber fassen die halbrunden Greifzähne zum zweiten Mal in den Berg Stahlspäne. Und plötzlich sticht eine gelb-orange Flamme aus dem Haufen, ein Feuerball von rund einem Meter Durchmesser.

Sofort richtet der Mitarbeiter den Strahl seines Schlauchs auf die Flammen, die relativ schnell wieder ausgehen. Der Bagger greift nochmals in die Stahlspäne. Dieses Mal aber entsteht ein Feuerball, der etwa das Ausmaß eines Kleinwagens hat. Der Mitarbeiter versucht weiter, das Feuer zu löschen. Gleichzeitig haben Kollegen schon die Feuerwehr alarmiert. Die Kameraden sind wenig später mit drei Einsatzfahrzeugen vor Ort. Auf dem Video sieht man, wie erst ein Feuerwehrmann, dann zwei mit Schläuchen und Strahlrohren den Brand bekämpfen. Sie brauchen dafür nur wenige Minuten.

Auch wenn laut Feralpi niemand verletzt wurde und kein Sachschaden entstanden ist: Die Frage steht im Raum, wie der Brand entstehen konnte. Das Unternehmen informierte noch in den Morgenstunden sowohl die Landesdirektion als auch die Öffentlichkeit über den Zwischenfall. „Als Ursache kommt nach unserer derzeitigen Erkenntnis nur Selbstentzündung einer Spänelieferung in Betracht“, sagt Mathias Schreiber. Aber wie können sich Stahlspäne selbst entzünden? „Offenbar gab es in den Stahlspänen eine Substanz, die dort nicht reingehört. Womöglich hat ein Lieferant dort drin illegal einen Stoff mit entsorgt.“ Denkbar wären etwa Chemikalien wie Schmiermittel oder Kühlmittel. Diese könnten miteinander reagiert haben – und durch die Reaktion mit Sauerstoff den Brand ausgelöst haben.

Nach dem Feuerwehreinsatz ließ Feralpi die rund 20 Tonnen Späne ausbaggern, auf dem Vorplatz abkippen und dort vereinzeln. „Hierdurch soll die erneute Selbstentzündung verhindert werden, und wir können das Material und seine Herkunft analysieren“, sagt Mathias Schreiber. Den Lieferanten erwartet nun Ärger: Denn in den Verträgen verpflichten sich die Partner, nur reines Material anzuliefern. Für solche Fälle wird eine Vertragsstrafe fällig. Und auch die Einsatzkosten der Feuerwehr will man bei Feralpi geltend machen. Für Umwelt und Nachbarschaft habe aber durch den Vorfall in der Halle keine Gefahr bestanden, so das Unternehmen.