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Feuer in Neukirchs früherer Lederfabrik

In einer Halle des stillgelegten Werkes wurde abgelagerter Müll in Brand gesteckt. Angesichts möglicher Altlasten eine Tat mit hohem Risiko.

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© Rico Löb

Großeinsatz für Neukirchs Feuerwehr: In einer abbruchreifen Halle der ehemaligen Lederfabrik an der Ecke Alte Straße/Südstraße hatten Unbekannte am Mittwochnachmittag Müll angezündet. Das Feuer wurde zum Glück schnell bemerkt – vor allem, weil eine dicke Rauchwolke aufstieg. Rund 30 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Neukirch wurden alarmiert. „Der Rauch ließ Schlimmes befürchten“, sagte Gemeindewehrleiter Uwe Lehmann gestern auf Anfrage der SZ. Nach rund einer Stunde hatte die Feuerwehr den Brand gelöscht. Sachschaden entstand nach bisherigen Erkenntnissen nicht.

Nur mit Atemschutztechnik konnten Feuerwehrleute die Halle betreten. Niemand konnte ausschließen, dass aufgrund von Altlasten giftige Dämpfe austreten.
Nur mit Atemschutztechnik konnten Feuerwehrleute die Halle betreten. Niemand konnte ausschließen, dass aufgrund von Altlasten giftige Dämpfe austreten. © Rico Löb

Die Halle, vermutlich die einstige Wasseraufbereitung, gehört zu jenem Teil der Lederfabrik, der nur noch eine Industriebrache ist. Die Gemeinde plant fürs neue Jahr, die 1990 stillgelegten Betriebsgebäude abzureißen und die Fläche anschließend zu begrünen. Erst kürzlich ist der Notarvertrag unterschrieben worden, damit die Gemeinde Eigentümer werden kann. Schon seit Langem kann jeder, der es möchte, das Betriebsgelände betreten. Einen durchgehenden Zaun gibt es dort nicht mehr.

Aufgrund von Altlasten ist jeder Brand auf dem Gelände der früheren Lederfabrik gefährlich. Die schwarzen Rauchwolken vom Mittwochnachmittag könnten beispielsweise auf dort lagernde Kunststoffreste, aber möglicherweise auch auf Reste von Chemikalien schließen lassen. Wie hoch das Altlastenrisiko wirklich ist, sollen Gutachten belegen, die vor dem geplanten Abriss angefertigt werden müssen. Was am Mittwoch im Einzelnen brannte, habe man nicht mehr feststellen können, sagte Wehrleiter Uwe Lehmann. Außer dem Rauch soll es auch eine starke Geruchsbelästigung gegeben haben.

Die Polizei war vor Ort. Sie ermittelt jetzt wegen des Verdachtes der vorsätzlichen Brandstiftung. Parallelen zu der Bischofswerdaer Brandserie tun sich auf – auch dort wurden in mehreren Fällen leer stehende Gebäude sowie in einem Fall eine alte Matratze in Brand gesteckt. Dass zwischen den Bränden in Bischofswerda und Neukirch möglicherweise ein Zusammenhang bestehen könnte, bestätigte die Polizei gestern auf Anfrage nicht. Auch dass eventuell Nachahmer am Werk sind, wurde nicht bestätigt. Der Band in Neukirch werde „in den Ermittlungen der Kriminalpolizei zur Brandserie im Raum Bischofswerda entsprechend beachtet“, sagte Polizeisprecherin Susanne Heise. (SZ/ir)