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Malschwitz: Frust bei der Feuerwehr

Die Kameraden aus Kleinbautzen haben ein modernes Gerätehaus bezogen. Von den Behörden fühlen sie sich dennoch im Stich gelassen - aus mehreren Gründen.

Streitigkeiten wegen der Finanzierung, alte Technik, Provisorien - die Geschichte des Feuerwehrgerätehauses in Kleinbautzen erzählt nicht von Erfolg, finden Bürgermeister Matthias Seidel (l.) und Standortleiter Tobias Schieck.
Streitigkeiten wegen der Finanzierung, alte Technik, Provisorien - die Geschichte des Feuerwehrgerätehauses in Kleinbautzen erzählt nicht von Erfolg, finden Bürgermeister Matthias Seidel (l.) und Standortleiter Tobias Schieck. © SZ/Uwe Soeder

Malschwitz. Neue Feuerwehrgerätehäuser sorgen meist für Freude und Dankbarkeit. Beides aber spricht so gar nicht aus Tobias Schieck, dem Standortleiter der Freiwilligen Feuerwehr von Kleinbautzen, der am Donnerstag in der großen Fahrzeughalle zwischen Purschwitzer Straße und Birnenallee steht. Er findet klare Worte: "Was hier passiert ist, ist eine riesen Schweinerei. Uns wurde sonst was versprochen, und nichts ist geworden."

Die Kameraden sind sauer. Nicht etwa, weil sie im Juli 2020 wegen des Baus der Kleinbautzener Ortsdurchfahrt vorzeitig in den Neubau ziehen mussten. Auch nicht, weil sich Lieferung und Aufbau der Möbel Corona-bedingt immer weiter nach hinten schiebt und sie sich bislang an Bierbänken in der Fahrzeughalle umziehen. Noch nicht einmal, weil im Sinne der Straffung der Strukturen die Wehren der Malschwitzer Ortsteile Kleinbautzen und Preititz und des Kubschützer Ortsteils Purschwitz zusammengelegt wurden und aus den Dörfern damit auch ein bisschen Tradition wegzieht. Sie sind sauer, weil sie sich und die Gemeinde im Stich gelassen fühlen.

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Für rund 1,3 Millionen Euro wurde in Kleinbautzen ein neues Feuerwehrdepot errichtet. Weitere rund 100.000 Euro kostet dessen Inneneinrichtung.
Für rund 1,3 Millionen Euro wurde in Kleinbautzen ein neues Feuerwehrdepot errichtet. Weitere rund 100.000 Euro kostet dessen Inneneinrichtung. © SZ/Uwe Soeder

Rund 1,3 Millionen Euro hat der Neubau gekostet, der spätestens, wenn die feuerroten Spinde endlich ihren Platz gefunden haben, keine Wünsche offen und keine Din-Norm unerfüllt lässt. Zu 100 Prozent sollte das Projekt, das 2018 fertig wurde und seither leer stand, vom Freistaat gefördert werden. Alles schien klar, bis bekannt wurde, dass der Antrag der Gemeinde dem falschen Fördertopf zugeordnet worden war. Bei der Antragsbearbeitung war das nicht aufgefallen. Die Bauarbeiten begannen. Erst, als Malschwitz die Kosten abrechnen wollte, fiel der Fehler auf. Eigentlich ein Fauxpas. Aber einer, der für Spannungen sorgt - zwischen Bürgermeister Matthias Seidel (CDU) und dem sächsischen Innenministerium.

Gemeinde muss alle Kosten wohl allein tragen

Seidel wirkt resigniert: "Ich glaube kaum noch an eine Einigung." Heißt im Klartext: Die Gemeinde bleibt voraussichtlich auf den Kosten sitzen. "Was schieflaufen konnte, ist schiefgelaufen. Zum Glück kann Malschwitz das finanziell einigermaßen wegstecken", resümiert er und blickt nach vorn.

Denn trotz des Kleinbautzener Traumas wagt die Gemeinde sich an den Neubau des Baruther Depots. Das wird kleiner als in Kleinbautzen, soll rund 900.000 Euro kosten und kommt ganz sicher: "Dass wir bauen, steht fest", sagt Seidel und kündigt den Beginn der Arbeiten für dieses Jahr an. Auch dieses Projekt wird Malschwitz rund 600.000 Euro kosten. Darüber hinaus soll das alte Feuerwehrdepot in Kleinbautzen einem Veranstaltungsplatz für die Feste der Feuerwehr weichen. Hohe, aber notwendige Ausgaben, findet Seidel, denn: "Die Feuerwehr ist die einzige Pflichtaufgabe der Gemeinde, die mit Freiwilligen gestemmt werden muss." Die, das bestätigt Tobias Schieck, könne und müsse man mit guter Infrastruktur und neuer Technik ziehen.

Warten auf das neue Löschfahrzeug

Auch daran krankt es in Kleinbautzen. Der alte Transporter fristet ein einsames Dasein. Drei neue Fahrzeuge sollten hier stehen. Bestellt werden konnte bislang eines. Die Lieferung verschiebt sich immer wieder. Matthias Seidel glaubt nicht mehr daran, Depot und Fahrzeug zeitgleich übergeben zu können. Stattdessen hofft er, dass spätestens im Februar die Bierbänke in der Fahrzeughalle weichen und die Wehren aus Preititz und Purschwitz zu ihren Kameraden nach Kleinbautzen ziehen können.

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