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Fleischerei in Familienhand

Die Richters aus Häslich halten zusammen. Die Nachfolge ist geklärt. So kann man das Jubiläumsjahr ruhig angehen.

© René Plaul

Von Ina Förster

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Haselbachtal. Familie ist das Wichtigste. Das wissen die Richters aus Häslich genau. Durch gute und schlechtere Zeiten, durch Gesundheit und Krankheit, Kundenansturm und kleine Flauten sind sie zusammen geschippert. Die Fleischerei immer im Hinterkopf. Sie verbindet sie alle. Wie die Liebe zum Handwerk. Und zueinander. Vater Johannes Richter ist das Oberhaupt. Ruhig, fleißig, bescheiden und doch zielstrebig ist der 66-Jährige. Er führt die Fleischerei im Haselbachtal mit einer Besatzung von insgesamt sechs Leuten noch immer und das in vierter Generation. „Ein paar Jahre werden wir noch mittun. Aber die Nachfolge ist bereits gesichert“, strahlt er.

Seine Kinder Ronny und Grit sind hier hinein gewachsen. „Man kennt die Arbeit, den Alltag von Kindheitsbeinen, es gab irgendwie nie eine Alternative“, schmunzelt die Tochter. Fleischfachverkäuferin hat sie gelernt. Und Ronny ist Fleischergeselle. Beide stehen in den Startlöchern für die Geschäftsübernahme in ein paar Jahren. Sie hätten auch nein sagen können. Wie es sich heutzutage der Handwerkernachwuchs immer öfter traut. Schließlich kennen die beiden das frühe Aufstehen, die Kälte und harte Knochenarbeit in der Fleischerei. Die Schichten am Wochenende – dann, wenn andere feiern. Trotzdem haben sie sich bewusst für den Familienbetrieb entschieden.

Erinnerung an die Tanzabende

Die Kundschaft wird es freuen. Denn eigentlich ist es schon 118 Jahre her, dass sich die Richters in Häslich ans Wurstmachen machten. Zwischen Räucherkammer und Tierschlachtung, zwischen Landwirtschaft und der Gaststätte nebenan hat Johannes Richter schon als Junge gespielt. Er erinnert sich gern an die Tanzabende auf dem Saal des Häslicher Gasthofes. Und an seinen Vater Reinhold, den hier alle nur den „Platen“ nannten. Johannes Richter denkt vor allem auch an Opa Paul und dessen Pferd zurück. Im 30. Geschäftsjahr ist er heuer. Im September 1988 übernahm er die Fleischerei. Er lernte seinen Beruf übrigens in den 60er Jahren bei der Fleischerei Minkwitz in Kamenz. Und erhielt sich bis heute die Freude am Experimentieren. Das verdankt er auch dem Lehrmeister. Sein Sohn Ronny tut es ihm gleich. Wildknacker, Käse-Knacker, mediterrane Wurst, schwarzes Sauerkraut (mit Grützwurst) – immer mal wieder muss eine neue Kreation her. „In der heutigen Zeit sollte man auch die junge Kundschaft an sich binden“, weiß Ehefrau Gisela. Die 62-Jährige ist vor allem für die leckeren hausgemachten Salate verantwortlich. Etwa zehn verschiedene Sorten kommen täglich in die Theke. „Mittlerweile dürfen auch ein Couscous-Salat oder Schafskäsevariationen nicht fehlen“, weiß sie. Die klassischen deftigen Sachen sind aber nach wie vor der Renner.

„Das Essbewusstsein ist in den letzten Jahren wieder enorm gewachsen. Viele Kunden wollen einfach wissen, wo ihr Fleisch herkommt, dass es frisch verarbeitet wird und durch Handwerkerhand“, sagt Johannes Richter. Guter Geschmack setzt sich immer noch durch, ist er sich sicher. Der Rohstoff Fleisch ist umstritten. Deshalb ist es vielen wichtig, dass auch ein Qualitätssiegel dahinter steht. „Dieses verteidigen wir jährlich neu“, sagt Johannes Richter stolz. Unzählige Urkunden und Siegel hängen im Laden in Häslich aus.

Doch das ständige Vorwärtspreschen und Dranbleiben am Puls der Zeit hat die Familie auch gezeichnet. 2013 stand das Leben des Altmeisters von heute auf morgen auf dem Prüfstand. Der Häslicher Fleischer musste monatelang wegen einer schweren Nervenerkrankung pausieren, konnte seiner geliebten Arbeit nicht mehr nachgehen. „Da lernt man, was wichtig ist“, sagte er. Als es nach längerer Rehaphase wieder besser ging, stand der Entschluss fest: Etwas muss sich ändern!

Auf das Wesentliche besonnen

Nach 15 Jahren schloss Fleischermeister Johannes Richter auch deswegen schweren Herzens die Filiale in Oberlichtenau. Aus Alters- und Gesundheitsgründen. Seine Frau Gisela gab auch den jahrzehntelangen Partyservice auf. „Ich habe es gern gemacht, aber stand allein mit der Arbeit da. Im Laden gibt es alles, was man für eine schöne Feier braucht – vom gebratenen Schnitzel, über Buletten bis zum Broiler. Der Kunde muss es sich nur selber zusammen stellen“, sagt sie. Nun hat sich die Fleischerei auf das Wesentliche besonnen. „Wir machen weniger, aber das mit Herzblut und zu über hundert Prozent“, sagt Johannes Richter. Die Kundschaft aus der weiten Region wird es danken. Und das Kürzertreten tut allen gut. Da ist mal Zeit für den Ausflug ins Bad nach Schlema. Oder den Garten, das Haus, für den Tanzboden am Wochenende. Handwerk hat goldenen Boden, sagt man. Aber es braucht auch einen gesunden Körper und Geist dafür.