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Flötistin neben einem anspruchsvollen Job

Dass Görlitz so reich an Musik ist, verdankt sich auch versierten Amateuren. Zum Beispiel der Ärztin Angela Ladewig.

© nikolaischmidt.de

Von Ines Eifler

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Wenn Angela Ladewig in einer Kirche auftritt, dann ist der Unterschied kaum zu hören: Spielt da ein Profi oder ein Amateur? „Ich hätte wirklich sehr gern Musik studiert und zu meinem Beruf gemacht“, sagt die Flötistin, die regelmäßig Konzerte mit den Görlitzer Kirchenmusikern Reinhard Seeliger und Thomas Seyda gibt. „Aber heute bin ich froh, dass es anders gekommen ist“, sagt die Görlitzer Radiologin, „und ich nicht den Zwängen eines Berufsmusikers ausgeliefert bin, sondern neben meinem Beruf auf hohem Niveau Musik machen kann.“

Angela Ladewig stammt aus Hoyerswerda, lernte dort in den 1980er Jahren ihr Instrument und spielte als Schülerin im Sinfonischen Orchester Hoyerswerda. Dessen langjähriger Dirigent Lutz Michlenz spornte die jungen Musiker regelmäßig zu Höchstleistungen an. „Er war sehr streng“, erinnert sich die Flötistin, „aber nur so war es möglich, dass wir so gut waren.“ Als sie sich mit 15 Jahren für ein Musikstudium interessierte, sei das Fach Querflöte „völlig überlaufen“ gewesen. Die Konkurrenz war groß, die Plätze begehrt, andere bekamen ihre Chance.

Zum Abitur wurde Angela Ladewig als Katholikin in der DDR nicht zugelassen. Stattdessen kam sie nach Görlitz und lernte im damals noch von den Borromäerinnen geführten St.-Carolus-Krankenhaus Krankenschwester. „Es war eine schöne Zeit“, sagt sie, „und die Medizin interessierte mich sehr.“ Deshalb wollte sie sich weiterentwickeln, machte auf der Abendschule das Abitur nach, während sie in drei Schichten arbeitete, und ging Anfang der 1990er Jahre nach Westberlin, um an der Freien Universität Medizin zu studieren. „Die Wende kam für mich genau zur richtigen Zeit.“ Nach einer Zeit als Assistenzärztin am Klinikum Hoyerswerda kam sie im Jahr 2000 ans Görlitzer Klinikum und wurde hier Fachärztin für diagnostische Radiologie. Nebenher war sie außerdem in der Region als Notärztin unterwegs. „13 Jahre lang habe ich das mit Leidenschaft gemacht“, sagt Angela Ladewig.

Mit ebenso großer Leidenschaft hatte sie die gesamte Zeit über auch ihre musikalischen Ambitionen weiterverfolgt. Anders als viele, die in ihrer Jugend ein Instrument lernten und nach der Schulzeit beiseitelegten, hörte Angela Ladewig nie auf zu musizieren. Sie fand immer Zeit zum Üben, suchte sich Ensembles und Auftrittsgelegenheiten.

Seit inzwischen 30 Jahren wirkt sie an der Messe von Josef Gruber mit, die Domchor und Kirchenorchester immer über Weihnachten in der Heilig-Kreuz-Kirche und der Jakobuskathedrale aufführen. Mit Thomas Seyda und Reinhard Seeliger gibt sie jährlich jeweils ein bis zwei Konzerte, wirkt in Gottesdiensten mit, spielt in Kammerbesetzungen mit Musikerinnen, die sie noch aus dem Hoyerswerdaer Orchester kennt: Gelegenheiten gibt es viele in der gesamten Region. Sie ist Vorstandsvorsitzende des Liebhaberorchesters Sinfonietta Meridiana und nimmt seit zehn Jahren an der Sächsischen Chor- und Instrumentalwoche teil. Vor zwei Jahren hat sie erstmals im Weihnachtsoratorium in der Kreuzkirche mitgewirkt, für das Reinhard Seeliger normalerweise nur Profiinstrumentalisten engagiert. Aus all diesen Aktivitäten ergeben sich immer wieder neue Kontakte und Gelegenheiten zum Musizieren.

In den vergangenen Jahren hat Angela Ladewig dafür immer mehr Zeit aufgewendet und sich deshalb entschieden, ihre Arbeit im Klinikum in eine freie Tätigkeit als Radiologin umzuwandeln. Seit einem Jahr arbeitet sie für ein Tele-Radiologie-Netzwerk, das CT- und MRT-Bilder von rund 100 kleineren und mittelgroßen Krankenhäusern im deutschsprachigen Raum auswertet, die nicht permanent eigene Radiologen haben. An einigen Tagen der Woche wertet sie also am Bildschirm in ihrem Arbeitszimmer in der Görlitzer Südstadt Aufnahmen aus, die zum Beispiel in Kliniken in Nordfriesland oder Österreich gemacht wurden. „Es ist vermutlich die einzige Möglichkeit für eine Ärztin, ausschließlich von zu Hause aus zu arbeiten“, sagt Angela Ladewig. Wenn sie Dienst habe, sei sie voll im Einsatz. Aber wenn nicht, dann könne sie sich ganz der Musik widmen.

An diesem Sonnabend ist Gelegenheit, Angela Ladewig und Reinhard Seeliger in einem Benefizkonzert in der Görlitzer Peterskirche zu erleben. Um Spenden für karitative Zwecke in St. Petersburg, für ein Altenheim, eine Aids-Station und Opfer von Gewalt einzuwerben, spielen sie in der Krypta Werke von Bach, Vivaldi und Fauré.

Benefizkonzert am 24. Februar, 17 Uhr in der Krypta der Peterskirche. Eintritt frei, Spenden erbeten.