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Flüchtlinge ab März im Husarenhof

Bei einer Einwohnerversammlung im Bautzener Theater wurde jetzt über das geplante Asylheim informiert. Auch ein anderes Gebäude ist im Gespräch.

© Uwe Soeder

Frances Scholz

Bautzen. Der Andrang im Bautzener Theater ist groß. Doch am Dienstagabend wird kein Bühnenstück aufgeführt. Das Landratsamt hat zur Einwohnerversammlung zum geplanten Asylheim im Hotel Husarenhof eingeladen. Die 420 Sitzplätze sind schnell besetzt. Die Letzten, die kommen, müssen stehen. Die Stimmung ist angespannt. Bautzens OB Alexander Ahrens (parteilos), Lars Eibisch, Leiter des Ausländeramtes, Udo Witschas (CDU), Beigeordneter im Bautzener Landratsamt und Sven Forbriger von der Polizeidirektion Görlitz wollen die Anwohner zum Flüchtlingsheim informieren. Die SZ gibt einen Überblick zu den wichtigsten Fragen.

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Wann ziehen die ersten Flüchtlinge an den Käthe-Kollwitz-Platz?

Am 15. März werden die ersten Asylsuchenden im Hotel Husarenhof am Käthe-Kollwitz-Platz und in einem Nebengebäude an der Schlachthofstraße untergebracht. „Momentan laufen noch Umbauarbeiten im Hotel“, sagt Lars Eibisch.

Wie viele Flüchtlinge will der Landkreis dort unterbringen?

Insgesamt sollen 300 Asylbewerber untergebracht werden. „200 werden im Hotel Husarenhof wohnen, weitere 100 kommen im Bürogebäude nebenan an der Schlachthofstraße unter“, erklärt Lars Eibisch.

Aus welchen Ländern kommen die 300 Flüchtlinge?

Das kann das Landratsamt noch nicht genau sagen. Erst wenige Tage vorher wisse man, wer im Landkreis untergebracht werden muss. „Wir gehen aber davon aus, dass ein Großteil Syrer sein werden. Zudem rechnen wir damit, dass die Menschen aus Afghanistan und dem Irak kommen“, sagt Lars Eibisch. Der Anteil der Familien sei in den vergangenen Monaten angestiegen. „Die Zahl der alleinreisenden jungen Männer ist von 70 Prozent auf 40 Prozent gesunken“, erklärt der Ausländeramtsleiter.

Wie viele Flüchtlinge muss der Landkreis dieses Jahr unterbringen?

Udo Witschas rechnet damit, dass im Jahr 2016 genauso viele Asylbewerber aufgenommen werden müssen wie im Jahr 2015. „Das waren 2 400“, sagt er. Geeignete Objekte zu finden, sei schwer. „Wir sind froh, dass wir den Husarenhof angeboten bekommen haben und das Objekt anmieten können. Denn es gibt keine Alternativen“, versichert Udo Witschas.

Wer wird das Flüchtlingsheim ab Mitte März betreiben?

Den Namen des Betreibers möchte Lars Eibisch noch nicht verraten. „Der Besitzer wollte sich selbst um einen Betreiber kümmern“, sagt er. Der Eigentümer des Husarenhofs und des daneben liegenden Einkaufszentrums ist die Projektgesellschaft Säurich/Sassenscheidt. Lars Eibisch verrät nur, dass der Betreiber eine bekannte Firma aus dem Bildungssektor sei, die auch schon andere Asylbewerberheime im Landkreis Bautzen betreibt. „Wir haben bisher immer gute Erfahrungen mit diesem Betreiber gemacht“, versichert er.

Wie geht es mit der Arztpraxis und dem Kosmetikstudio weiter?

Die Stadt und das Landratsamt wollen einen Weg finden, damit sowohl die Praxis als auch das Kosmetikstudio in ihren jetzigen Räumen bleiben können. „Das Landratsamt wird Hauptmieter und könnte dann einen Vertrag mit der Praxis und dem Kosmetikstudio schließen“, sagt Bautzens OB Alexander Ahrens. So habe es bereits erste Gespräche mit dem Arzt gegeben. „Allerdings hat dieser uns jetzt gesagt, dass er nicht drinbleiben will“, so Udo Witschas.

Welche Bedenken haben die Anwohner zum Flüchtlingsheim?

Den Anwohnern geht es vor allem um die Frage der Sicherheit. Sie haben Angst, dass ihre Kinder nicht mehr auf dem Spielplatz spielen können. Sven Forbriger von der Polizeidirektion Görlitz versichert: „Wir sind gut aufgestellt. Wenn das Heim geöffnet ist, werden wir dort auch Streife laufen und engen Kontakt zur Heimleitung halten“, verspricht er. Zudem soll um das Gelände des Husarenhofs teilweise ein Zaun gezogen werden. Auch der kleine Durchgang vom Käthe-Kollwitz-Platz zum Einkaufszentrum Husarenhof beschäftigt die Anwohner. Sie nutzen den Weg als Abkürzung. „Wir haben aus Sicherheitsgründen den Vorschlag gemacht, den Durchgang dichtzumachen“, sagt Sven Forbriger. Nach großem Protest will das Landratsamt nun noch mal prüfen, ob der Durchgang nicht doch offen bleiben kann.

Für Aufregung sorgte die Frage, ob Gebäude der ehemaligen NVA-Kaserne, die sich in unmittelbarer Nähe befindet, zukünftig als Heim genutzt werden könnten. „Das können wir nicht ausschließen. Es hängt davon ab, wie viele Flüchtlinge noch kommen“, sagt Lars Eibisch. Gespräche mit dem Besitzer gab es bereits. Noch liege aber kein konkretes Angebot vor. Mit den jetzigen Unterkünften komme der Landkreis in den nächsten Monaten aber noch hin.