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Flugunfähig, aber glücklich

Im Sommer brach sich die Storchendame Hannah in Wilsdruff einen Flügel. Jetzt lebt sie in einer Auffangstation.

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© Storchenhof Loburg

Von Hauke Heuer

Wilsdruff. Kein Tier bewegte die Wilsdruffer in diesem Jahr so wie die Storchendame Hannah. Am 6. August fiel der junge Vogel bei einem seiner ersten Flugversuche aus dem Horst der Eltern. Der Storch prallte gegen das Dach des Stadt- und Vereinshauses, fiel auf ein Autodach und brach sich dabei den rechten Flügel mehrfach. Aufmerksame Passanten bemerkten den Unfall und brachten das Tier schnell in eine Wildvogelauffangstation nach Dresden.

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Im August war Hannah aus dem Horst der Eltern in Wilsdruff gefallen
Im August war Hannah aus dem Horst der Eltern in Wilsdruff gefallen © Frank Grunze

Kurz darauf zog die Bruchpilotin auf den Storchenhof Loburg in Sachsen-Anhalt. Die Einrichtung hat sich auf die Pflege und Auswilderung von verletzten Störchen spezialisiert. Hier wurde per DNA-Test das Geschlecht des Vogels bestimmt. Nachdem geklärt war, dass Hannah ein Mädchen ist, übernahm die Stadt Wilsdruff eine Patenschaft für das Tier.

Die Wilsdruffer waren aufgerufen, Namensvorschläge für das Tier einzureichen. Die Mohornerin Daniela Hesse hatte mit ihrem Vorschlag Erfolg, und Hannah wurde auf ihren Namen getauft.

„Dem Storch geht es den Umständen entsprechend gut“, berichtet nun Michael Kaatz, Geschäftsführer des Storchenhofes, der Hannahs neues Zuhause ist. Die schlechte Nachricht: Die Wilsdruffer Storchendame kann bis heute nicht fliegen. „Es ist durchaus denkbar, dass sie noch einmal abhebt. Aber der Bruch war sehr schwerwiegend und kompliziert. Deshalb ist es wahrscheinlicher, dass Hannah ihr Leben lang Fußgängerin bleibt“, erklärt der Storchenexperte Kaatz. So muss der Vogel zunächst diesen Winter auf dem Storchenhof verbringen. Sollte sich ihre Flugfähigkeit verbessern, könnte sie wieder in die freie Wildbahn entlassen werden. „Unser Ziel ist es immer, die Tiere wieder auszuwildern. Das geht jedoch erst, wenn wir uns sicher sein können, dass der Storch dies auch überlebt“, sagt Kaatz.

Sollte Hannah im kommenden Jahr immer noch zu Fuß unterwegs sein, machen sich die Mitarbeiter des Storchenhofes auf die Suche nach einer alternativen Bleibe. Üblicherweise werden die Tiere in diesem Fall an einen Tierpark oder ähnliche Einrichtungen abgegeben.

Sollte Hannah wieder fliegen, besteht eine gewisse Chance, dass sie wieder in der Region brütet. 70 Prozent aller Störche siedeln sich in einem Umkreis von 50 Kilometern um ihren Geburtsort an. In das elterliche Nest in Wilsdruff wird Hannah aber auf jeden Fall nicht zurückkehren. „Die Natur hat es so eingerichtet, dass die Störche sich in jedem Fall eine neue Bleibe suchen, damit ein Brutplatz nicht zweimal besetzt wird“, erklärt Kaatz.

Bis im kommenden Frühling Hannahs Flugfähigkeit wieder auf dem Prüfstand steht, hat sie viel zu tun. Der Storchenhof nutzt den Vogel als „Begleitstorch“ für andere Rotschnäbel, die sich längere Zeit bei einem Tierarzt aufhalten. So begleitete Hannah bereits die Störchin Emma für mehrere Wochen nach Magdeburg. „Emma hatte ein gebrochenes Bein und wurde deshalb sehr lange vom Tierarzt beobachtet. Damit ihr die Langeweile nicht zu schaffen macht, haben wir ihr Hannah beigestellt. Insofern erfüllt sie eine wichtige Aufgabe“, berichtet Kaatz.

Wer Hannah besuchen möchte, kann jederzeit auf den Storchenhof Loburg kommen. Die Einrichtung existiert seit 1979 und hat es sich zur Aufgabe gemacht, verletzte Vögel zu behandeln. Über 1 700 verletzte und kranke Störche wurden in Loburg bereits gesund gepflegt. Außerdem erforschen die Tierschützer mit Satellitentelemetrie die Zugwege und das Brutverhalten der Tiere. Der Storchenhof will viele Menschen für den Naturschutz begeistern. Entsprechend werden die Besucher umfassend über die Arbeit mit den Störchen informiert. Die Auffangstation ist täglich von zehn bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen gibts im Internet.