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Förderschüler gründen Cateringfirma

„Unterm Apfelbaum“ heißt das Unternehmen der Achtklässler aus Görlitz. Sie hat 1000 Euro Startkapital, will aber nicht mit Profis konkurrieren.

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© nikolaischmidt.de

Von Ingo Kramer

Görlitz. Zwei Apfelbäume sind die neuesten Errungenschaften des Förderschulzentrums „Mira Lobe“ am Windmühlenweg in Königshufen. Der eine ist lebendig und erhält demnächst seinen Platz im Schulgarten. „Unsere Lehrer haben Geld gespendet, damit wir den Baum kaufen können“, freut sich Schulleiterin Konstanze Marschler. Der zweite Baum trägt schon große, rote Früchte, allerdings hölzerne. Auch der Baum ist aus (totem) Holz. Arbeitslehre-Lehrer Frank Leuthold hat ihn ganz kurzfristig gebaut und in der Mitte einen Platz gelassen, an dem Aushänge befestigt werden können.

Dieser Baum erhält seinen Platz neben den Hauswirtschaftsräumen der Schule. Dort arbeitet die Schülerfirma „Unterm Apfelbaum“. Am Freitag wurde sie offiziell mit einem kleinen Festakt im Schulhof gegründet. Sie besteht aus neun Schülern der achten Klasse. Einmal pro Woche bietet die Firma nun einen Schülerimbiss an, auch bei besonderen schulischen Ereignissen kümmert sie sich um die Verpflegung. Und wenn alles gut klappt, könnte sie bald auch die benachbarte Grundschule versorgen.

„Eine Konkurrenz zu professionellen Catering-Unternehmen soll das aber nicht werden“, schränkt die Schulleiterin ein. Stattdessen sollen die Jugendlichen auf das Berufsleben vorbereitet werden. Sie leiten die Firma selbst und kümmern sich um Finanzen und Werbung. „Kassen führen, kalkulieren, haushalten – all das steht ohnehin im Lehrplan“, sagt Konstanze Marschler. Umgesetzt wird er jetzt ganz praktisch.

Doch es geht nicht nur um grundlegende Kenntnisse über wirtschaftliche Zusammenhänge, sondern auch um soziale Kompetenzen. Hauswirtschaftslehrerin Diana Bjar spricht von Teamfähigkeit, Durchhaltevermögen sowie höflichem Umgang miteinander und mit den Kunden. Sie ist es, die das Projekt leitet. Ihre Kollegin Petra Walter hatte die Idee eingebracht.

Hilfe haben die Frauen vom sächsischen Kultusministerium erhalten. Das unterstützt die Schülerfirma mit 1000 Euro. Die Summe fließt vor allem in die technische Ausstattung der Firma: Eine Mini-Kühlvitrine für 400 Euro, dazu Kaffeemaschine, Mikrowelle, Hot-Dog-Maker, Geschirr, Besteck, Schürzen und eine Kasse. Auch ein eigenes Konto bei der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien hat die Schülerfirma eröffnet. Das Geld verwalten die Jugendlichen selbst. Einige von ihnen gehen im Hauswirtschaftsunterricht einkaufen, andere bereiten das Essen zu.

Die jetzigen Achtklässler verlassen die Firma aber schon am Ende des Schuljahres: In der neunten Klasse müssen sie sich auf ihre Abschlussprüfungen konzentrieren. Stattdessen geht die Firma im August an die neuen Achtklässler über. Die können beim Schulfest am 19. August das erste Mal zeigen, was sie können. Auch künftig soll die Firma jedes Jahr an die neuen Achtklässler übergeben werden – immer an Gruppen von acht bis neun Schülern.

Äpfel müssen im Angebot des Unternehmens nicht zwangsläufig den Schwerpunkt bilden. „Wir haben einfach einen Firmennamen gesucht, der gut zur Schule passt“, sagt Konstanze Marschler. Die Schule ist nach der Schriftstellerin Mira Lobe benannt. In der Schulbibliothek steht deren Buch „Der Apfelbaum“. Daraus hat die Firma den Namen „Unterm Apfelbaum“ abgeleitet. Und zur Firmengründung auch gleich Apfeltaschen gebacken. Doch wenn es künftig vor allem belegte Brötchen ohne Äpfel gibt, ist das auch kein Problem.