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Frauen-Duo im Telekom-Vorstand – Ärger mit der Gewerkschaft

Im Telekom-Vorstand nehmen künftig neben der Männerriege zwei Frauen Platz. Kritik gab es abervon der Gewerkschaft.

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Berlin/Bonn. Vor gut drei Monaten haben sich die 30 Dax-Konzerne zur freiwilligen Frauenförderung bekannt, jetzt schafft die Telekom in ihrer Chefetage Fakten. Das schwächelnde Europa-Geschäft und die Personalverantwortung legt Unternehmenschef René Obermann künftig in die Hände von Frauen. Damit steigt die Zahl weiblicher Vorstandsmitglieder in Dax-Unternehmen von sechs auf acht.

Für Obermann ist das mehr als Symbolik. „Es ist geradezu sträflich, diesen großen Pool von Talenten sowohl in Fach- als auch in Führungskarrieren nicht stärker zu fördern“, sagte Obermann gestern in Berlin. Das fange bei den Neueinstellungen an.

Trotz des Vormarsches der Frauen bei der Telekom liegt nach Angaben der Initiative für mehr Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar) der Anteil von Frauen in Top-Positionen aber weiter auf einem niedrigen Niveau. Der Anteil der Frauen in Führungspositionen der Dax-Unternehmen wachse nur sehr langsam. „Wir dürfen uns von einigen erfreulichen Ausnahmen nicht blenden lassen“, erklärte Fidar-Präsidentin Monika Schulz-Strelow.

Das Kontrollgremium des rosa Riesen hatte die McKinsey-Beraterin Claudia Nemat (42) zum Oktober als Europachefin und die frühere baden-württembergische Bildungsministerin Marion Schick (52) im Mai 2012 zur Nachfolgerin von Thomas Sattelberger im Personalressort berufen. Doch an der Ernennung von Schick entzündete sich Widerstand. Aus Protest gegen ihre Wahl verließ die Arbeitnehmerseite die Aufsichtsratssitzung.

Lothar Schröder, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und Verdi-Bundesvorstand, sprach von einem „Schlag gegen die Grundkultur“ bei der Deutschen Telekom. „Das wird nicht dazu beitragen, dass die laufenden Konflikte mit dem Management geringer werden“, sagte Schröder. Er kritisierte nicht die Personalie Schick als solche oder das Vorhaben, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, sondern rügte das Verfahren. Wie schon bei der Berufung von Sattelberger 2007 seien die Vertreter der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat erneut übergangen worden.

Die Arbeitnehmer fühlten sich brüskiert und hätten nie eine Chance gehabt, einen eigenen Kandidaten oder Kandidatin für das Personalressort zu präsentieren, so Schröder. Eigentlich sei es logisch, dass sich gerade bei der Frage des Arbeitsdirektors oder des Personalchefs beide Seiten auf einen Kandidaten einigten.

Die Telekom will bis 2015 eine Frauenquote von 30 Prozent für die oberen und mittleren Führungspositionen erreichen. Für die Nachfolge des Datenschutzvorstandes Manfred Balz steht ebenfalls eine Neubesetzung an. Das „Handelsblatt“ berichtete, dass die FDP-Politikerin Birgit Grundmann, als aussichtsreichste Kandidatin gelte.

Eine Quotenfrau wolle sie nicht sein, sagte Claudia Nemat in Berlin. „Als Physikerin und langjähriger Senior-Partner bei McKinsey fühle ich mich ganz und gar nicht als Quoten-Frau.“ Sie habe sich in männlich dominierten Feldern durchgesetzt. Studien hätten gezeigt, dass gemischt-geschlechtliche und internationale Arbeitsgruppen die besten Entscheidungen träfen und sie am effizientesten umsetzten, sagte sie. (dpa)