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Freie Schulen fürchten um ihre Lehrer

Weil der Freistaat Lehrkräfte jetzt mit dem Beamtenstatus lockt, könnten den freien Trägern die Pädagogen ausgehen. 

© Symbolfoto/Armin Weigel/dpa

Dresden. Steigende Gehälter und Verbeamtung: Wegen attraktiverer Angebote der Regierung für Lehrer drohen den freien Schulen in Sachsen die Pädagogen wegzulaufen. "Die Freien Träger kommen durch die Verbeamtung zunehmend unter Druck", sagt Manja Bürger, Geschäftsführerin Deutscher Privatschulen in Sachsen-Thüringen. "Deren gute Bezahlung ist daher ein Muss."

Pädagogen an der freien Schulen verdienten rund 20 Prozent weniger als ihre Kollegen im öffentlichen Bereich, berichtet Ursula-Marlen Kruse, Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW. "Es gibt es verstärkt Anfragen von Kollegen. Vor allem junge Lehrer überlegen jetzt zu wechseln", ergänzt sie. Ausgenommen davon seien in der Regel Lehrkräfte, die aus innerer Überzeugung nach einem bestimmten Bildungskonzept an freien Schulen unterrichten.

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Kultusminister Christian Piwarz (CDU) hatte Anfang Januar bei einem Festakt die ersten 75 sächsischen Lehrer zu Beamten ernannt. Den Angaben zufolge haben mehr als 5300 Lehrer einen Antrag auf Verbeamtung gestellt. Damit will Sachsen auf dem bundesweiten Lehrerarbeitsmarkt konkurrenzfähig werden. Jahr für Jahr werden im Freistaat mindestens 1500 neue Lehrkräfte gebraucht.

Verantwortung auch für freie Schulen

Um an Privatschulen die gleichen Gehälter zu zahlen, sind laut Bürger die in Sachsen gezahlten Zuschüsse zu niedrig. Laut Kultusministerium sollen die staatlichen Zuwendungen für Schulen in freier Trägerschaft zwar von 352 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf 392,2 Millionen Euro in diesem und 422,7 Millionen Euro im Jahr 2020 ansteigen. Bürger hält diese Steigerung jedoch für zu gering.

"Es gibt keine freie Schule, die ohne Schulgeld von den Eltern auskommt", sagt sie. Es könne nicht das Ziel des Landes sein, den freien Schulen die Lehrkräfte abzuwerben. Der Freistaat habe auch für die Privatschulen Verantwortung, müsse sie mehr berücksichtigen und Nachteile im Wettbewerb mit den öffentlichen Schulen ausgleichen. Und er müsse dafür sorgen, dass es ausreichend Lehrer gebe.

Angesichts der verbesserten Bedingungen und Gehälter von Lehrern an öffentlichen Schulen sei es schwer, Personal zu finden, berichtet Birgit Thiemann von Region Mitte-Ost im Bund der Freien Waldorfschulen in Leipzig. Das betreffe vor allem Lehrkräfte mit spezieller Waldorfpädagogik-Ausbildung.

In Leipzig gibt es seit gut einem Jahr den Campus Mitte-Ost zur Aus- und Weiterbildung für Waldorf-Pädagogik. Dort sollen Lehrer geschult und dann mit attraktiven Angeboten in der Region gehalten werden. "Die Einstiegsgehälter sind noch ganz gut, aber die Schere geht mit den Berufsjahren auseinander", sagt Thiemann mit Blick auf den Verdienst.

Dabei setzt sich der Zulauf zu den Schulen in freier Trägerschaft fort. Nach Angaben des Kultusministeriums besuchen aktuell 69 700 Jungen und Mädchen die 405 freien Schulen in Sachsen. Das waren rund 1700 mehr als im vergangenen Schuljahr.

Die Zahl der freien Schulen stieg von 399 auf 405. Vor zehn Jahren waren es erst 156 Schulen und fast 21 000 Schüler. Und es könnten noch weit mehr sein. Bürger zufolge kommen auf einen privaten Schulplatz im allgemeinbildenden Bereich drei bis fünf Bewerber. Die Ausweitung des Angebots scheitere aber oft an fehlenden geeigneten Gebäuden oder Grundstücken. (dpa)