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Freiheit auf vier Rädern

Urlaub mit dem Wohnmobil liegt im Trend. Das zeigt sich nicht nur auf der Reisemesse, sondern auch im Stadtbild. 

Etwa 7,40 Meter ist dieses Wohnmobil von Jürgen Dinkels lang und bietet alles für den Urlaub auf Rädern: Schlafmöglichkeiten, eine kleine Küche, Nasszelle und auch eine Rückfahrkamera. Der Trend ist längst auch in Dresden angekommen.
Etwa 7,40 Meter ist dieses Wohnmobil von Jürgen Dinkels lang und bietet alles für den Urlaub auf Rädern: Schlafmöglichkeiten, eine kleine Küche, Nasszelle und auch eine Rückfahrkamera. Der Trend ist längst auch in Dresden angekommen. © René Meinig

Etwa 45 000 Euro werden bei Jürgen Dinkels für ein voll ausgestattetes, neues Wohnmobil fällig. Nach oben sind natürlich kaum Grenzen gesetzt. An diesem Wochenende ist der Dresdner Unternehmer auf der Reisemesse, preist Neuwagen, gebrauchte Wohnmobile oder Camper auf Zeit an. Wer will, kann gleich hier ein Wohnmobil für den Sommer mieten. „Die Nachfrage steigt. Vor allem hier in Dresden, weil auch die Umgebung landschaftlich attraktiv ist“, sagt Dinkels.

Den stolzen Preis kommentiert er mit: „Sie kaufen sich ein Stückchen Freiheit.“ Die Freiheit hat allerdings ihre Grenzen, wenn es um den richtigen Stellplatz geht. Wer nicht irgendwo unerlaubt campen will, ist auf offizielle Plätze angewiesen. Dabei sieht Dinkels in Dresden aber noch großen Nachholbedarf. „In der Saison ist es schwierig, einen freien Stellplatz zu kriegen. Wir müssen unsere Kunden oft schon auf das Umland verweisen“, sagt er. Campen in Dresden wird eben immer beliebter. Das zeigen auch die Zahlen der vergangenen Saison. Im Endlos-Sommer fuhr der von der Stadt betriebene Campingplatz Wostra ein Rekordergebnis ein. Demnach gab es rund 18 000 Übernachtungen und damit 2 600 mehr als im Vorjahr. Die besucherstärksten Zeiten waren die Feier- und Brückentage um Himmelfahrt und Pfingsten sowie die Sommerferienmonate Juli und August. Aus dem zuständigen Sportstättenbetrieb heißt es, dass die 70 Stellplätze für Wohnmobile im Sommer maximal ausgelastet sind. Dann sollte reserviert werden. Außerhalb der Ferien würden die Plätze ausreichen. Eine Erweiterung kommt nicht infrage, weil die umliegende Fläche Landschaftsschutzgebiet ist.

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Der Campingplatz Wostra liegt allerdings elf Kilometer von der Innenstadt entfernt. Wohnmobilfahrer, die näher am Stadttrubel sein wollen, haben die Wahl zwischen drei offiziellen Plätzen. Die Plätze an der Wiesentorstraße neben dem Finanzministerium, im Lingnerareal und am Käthe-Kollwitz-Ufer nahe des Sachsenplatzes werden alle von Privateigentümern betrieben. Holger Zastrow, Vorsitzender der FDP-Stadtratsfraktion sagt, dass die Stadt mehr anbieten müsste. „Die Verwaltung hat das Potenzial dieser Touristen noch nicht erkannt. Immer mehr Menschen sind mit dem Wohnmobil unterwegs, das ist eine interessante Zielgruppe und es sind vor allem auch genügsame Touristen“, sagt er.

Nach den aktuellsten Zahlen des Statistischen Landesamtes Kamenz gab es 2017 insgesamt 40 200 Übernachtungen auf Dresdner Campingplätzen und damit fast zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Die FDP will mit einem Antrag die Stadtverwaltung auffordern, ein Konzept zu entwickeln, wie die touristische Infrastruktur für die Wohnmobilfahrer verbessert werden kann. „Wenn ich sehe, dass sich Leute auf den Platz in der Johannstadt stellen, der sich da zwischen den Hochhäusern befindet, muss die Not groß sein“, sagt er. Auch Unternehmer Dinkels plädiert dafür, neue Plätze zu schaffen, zum Beispiel in der landschaftlich reizvollen Heide.

Einen etwas entfernteren Platz gibt es an der Kötzschenbroder Straße in Kaditz. Hier stehen die Camper bei Schaffer-Mobil mit Blick auf ein Feld und können mittels Rad oder Straßenbahn in die Stadt fahren. Da sich die Situation laut Mitarbeiter Marcel Forger zu einem „Caravaning-Boom“ entwickelt hat, hat das Unternehmen im Jahr 2011 auf 100 Parzellen erweitert. Auch er denkt, dass die Stadt das Potenzial dieses Tourismusmarktes noch nicht ausreichend erkannt hat. „Für jeden Stellplatz-Gast müssen wir an die Stadt Dresden eine Beherbergungssteuer abführen. Warum müssen Gäste für ihr eigenes Bett zahlen? Das bringen sie doch selbst mit“, sagt er.

Reisemesse Dresden, Messering 6, Sonnabend und Sonntag 10 bis 18 Uhr, Eintrittspreise: Erwachsene 8 Euro, ermäßigt 6,50 Euro, Kinder unter 15 Jahren frei