merken
PLUS Freital

Karls Erlebnis-Dorf: Was das Aus für Bannewitz bedeutet

Karls Erlebnis-Dorf wird nicht in Bannewitz entstehen, sondern in Döbeln an der A14. Ist das für für die Gemeinde ein großer Verlust?

Der Bannewitzer Bürgermeister Christoph Fröse (parteilos) mit Karls-Geschäftsführer Robert Dahl im Erlebnis-Dorf in Elstal bei Berlin.
Der Bannewitzer Bürgermeister Christoph Fröse (parteilos) mit Karls-Geschäftsführer Robert Dahl im Erlebnis-Dorf in Elstal bei Berlin. © Karl-Ludwig Oberthür

Bannewitz. Das eigentlich in Bannewitz geplante Karls-Erlebnis-Dorf wird in Döbeln gebaut. Dort will die Firma Karls im neuen Gewerbegebiet Döbeln Nord auf mindestens 2.500 Quadratmetern Verkaufsfläche Lebensmittel und themenbezogene Produkte anbieten und die Kinder natürlich in die beliebten Erlebnis-Attraktionen locken. Der Döbelner Stadtrat hatte am Donnerstagabend dem Verkauf der 17 Hektar großen Fläche zugestimmt. Bannewitz ist damit aus dem Rennen.

"Ich bin nicht enttäuscht", sagt der Bannewitzer Bürgermeister Christoph Fröse (parteilos), "aber traurig." Bis zuletzt habe er alles unternommen, um die Verkaufsverhandlungen zwischen den Grundstückseigentümern und dem Karls-Geschäftsführer Robert Dahl voranzutreiben und zu einem Abschluss zu bringen. Ende Januar dieses Jahres war Fröse sogar extra mit Gemeinderäten nach Elstal bei Berlin  gefahren, wo sich Robert Dahl Zeit genommen hatte, ihnen alles vor Ort im Erlebnis-Dorf zu erklären, was er in Bannewitz plant.

Anzeige
Sichere App für Nachverfolgung
Sichere App für Nachverfolgung

Die Regeln für die Besucher von öffentlichen Einrichtungen wurden verschärft. Die App "Pass4all" bietet für sie und die Anbieter eine ideale Lösung.

"Ich war seit 2015 mit Robert Dahl in Kontakt", sagt Fröse. Doch leider habe in Bannewitz einer der beiden nicht ortsansässigen Eigentümer der fraglichen Grundstücke nicht verkaufen wollen, trotz intensiver Bemühungen seit März, erklärt das Gemeindeoberhaupt. Das Problem: Der Gemeinde Bannewitz gehört die angedachte Fläche nahe der B170 nicht. Das Gelände ist zweigeteilt und im Besitz zweier privater Eigentümer. 

Bannewitz entgehen Steuereinnahmen

Der Bannewitzer Bürgermeister sagt aber auch, dass er sich freue, dass Karls in Sachsen einen Standort aufbauen wird. "Ich habe am Freitagvormittag bereits mit Herrn Dahl und dem Döbelner Oberbürgermeister telefoniert und beide beglückwünscht." Zudem hätte er seine volle Unterstützung angeboten. "Mit Herrn Dahl habe ich ein sehr ehrliches Verhältnis, und ich denke, Döbeln ist auch für uns gut zu erreichen", sagt Fröse. 

Natürlich sei ihm klar, dass durch diese Entscheidung die Gewerbesteuereinnahmen nun in Döbeln fließen, doch Fröse sagt auch: "Wer weiß, wofür es gut ist", er schaue optimistisch in die Zukunft.

Döbelns Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU) hatte am Vormittag mit Fröse telefoniert und sagt Sächsische.de: "Ich freue mich sehr über die Unterstützung des Bannewitzer Bürgermeisters. Wir sind so verblieben, dass wir uns nach den Schulferien treffen wollen." Dann hoffe Sven Liebhauser, sich mit Christoph Fröse über dessen Erfahrungswerte austauschen zu können.

Arbeitsplätze entstehen in Döbeln

Gemeinderat Lutz Grämer von den Freien Wählern Bannewitz sagt auf Anfrage: "Es ist schade. Ich denke, der Standort in Döbeln ist aber eventuell besser." Zudem habe sich in Bannewitz bereits eine Bürgerinitiative gegründet, die Fragen zum Projekt stellte. "Es gibt immer Leute, die nicht Hurra schreien, aber als Gemeinderat muss ich das Gesamtwohl der Einwohner betrachten, und die Gemeinde hätte mehr Vorteile als Nachteile durch den Standort gehabt. Er hätte auch neue Arbeitsplätze mit sich gebracht", erklärt Grämer. "Meine persönliche Tendenz wäre bei einer Abstimmung eher ein Ja gewesen. Deshalb finde ich es schade, dass Karls nicht nach Bannewitz kommt, aber die Fläche bleibt uns nun erhalten für neue Ideen."

Einige Mieter der angrenzenden Bannewitzer Wohnungen hatten nicht so erfreut auf die Baupläne für Karls reagiert. Das bestätigt Friederike Ebert, Vorstand der Freitaler Wohnungsgenossenschaft, die dort Wohnungen vermietet. "Die Neuansiedlung von Gewerbetreibenden relativ nah an Wohnbebauungen wie zum Beispiel durch Karls Erdbeerhof verunsichert und ärgert einige Bewohner", sagt sie. 

Karls hätte natürlich für Lärm und zusätzliche Verkehrsströme gesorgt. Schwierig sei immer, dass die Projekte vom Grundsatz her für gut und für eine Gemeinde auch als wichtig befunden werden, "aber nur, wenn dies nicht in direkter Nachbarschaft von einem selbst errichtet wird", so Frederike Ebert. 

Das erste Erlebnis-Dorf rund um die Erdbeere in Sachsen sollte eigentlich ab 2021 in Bannewitz an der A17 auf rund 6,5 Hektar Fläche für 13 Millionen Euro gebaut werden. Der Investor Robert Dahl rechnete dort mit 500.000 Besuchern und etwa 85 fest angestellten Mitarbeitern.

Was plant Karls in Döbeln?

Karls Erlebnisdorf in Döbeln wird - wie auch die bereits bestehenden fünf in Deutschland - ein landwirtschaftlich orientierter Erlebnispark mit Hofladen, gläserner Manufaktur, Restaurantbetrieb und Fahrgeschäften für Kinder. Geplant sind zudem Übernachtungsmöglichkeiten mit mindestens 200 Betten. Die Eröffnung ist für den Sommer 2022 geplant.

Nach Angaben des Döbelner Oberbürgermeisters Sven Liebhauser bestünde der Kontakt mit Robert Dahl seit etwa einem Jahr. „Man schreibt ja als Oberbürgermeister immer mal Unternehmen an und stellt seine Gewerbegebiete vor“, sagt Liebhauser. Dahl sei auch einmal in Döbeln gewesen und hätte sich das Grundstück angeschaut, sich aber zunächst für Bannewitz entschieden. Seit fünf bis sechs Monaten habe es dann jedoch konkrete Gespräche für eine Ansiedlung in Döbeln gegeben, weil einer der Eigentümer des Bannewitzer Grundstücks nicht verkaufen wollte.

Weiterführende Artikel

Karls Erlebnis-Dorf: So steht es um die B169

Karls Erlebnis-Dorf: So steht es um die B169

Hunderttausende Besucher werden den Erlebnispark besuchen. Aber was ist mit dem Ausbau der Bundesstraße?

Karls Erlebnis-Dorf: Döbeln gewinnt an Attraktivität

Karls Erlebnis-Dorf: Döbeln gewinnt an Attraktivität

Die Reaktionen auf die Ansiedlung von Karls Erlebnis-Dorf in Döbeln sind durchweg positiv. Aber wie kann die Stadt noch mehr profitieren?

Karls Erlebnis-Dorf: Das sind die ersten Pläne für Döbeln

Karls Erlebnis-Dorf: Das sind die ersten Pläne für Döbeln

In Döbeln sollen zunächst 13 Millionen Euro in den Freizeitpark investiert werden. Wann die Eröffnung geplant ist und wo Gäste übernachten könnten.

Karls Erlebnis-Dorf: Döbeln erster Standort in Sachsen

Karls Erlebnis-Dorf: Döbeln erster Standort in Sachsen

Sachsens erstes Erlebnis-Dorf war eigentlich bei Dresden geplant - doch der Investor hat sich umentschieden. An der A14 soll nun der Erdbeer-Park entstehen.

Die Firma Karls kommt aus Rövershagen bei Rostock. Neben den Standorten im Norden Deutschlands gibt es auch ein Erlebnis-Dorf bei Berlin und ein Café mit Verkauf in Sachsen-Anhalt. Nun kommt bald ein Erlebnis-Dorf in Sachsen hinzu - rund 50 Kilometer von Bannewitz entfernt. "Ich denke, das ist auch für die Bannewitzer nicht zu weit weg", sagt Christoph Fröse.

Mehr Nachrichten aus Freital lesen Sie hier.

Täglichen kostenlosen Newsletter bestellen. 

Mehr zum Thema Freital